Führt ein höherer IQ zu mehr Wohlstand oder umgekehrt?

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Ron Unz, Herausgeber des „American Conservative“ hat angeblich einen IQ von 214. Dafür kann er aber auch ziemlich dumme Sachen verzapfen, wenn es um illegale Einwanderer geht. Und gleichzeitig kann er Argumente auseinandernehmen, die ihm eigentlich zupaß kommen müßten, sei es bei IQ oder Einwanderung.

Mit dem Artikel „Race, IQ, and Wealth – What the facts tell us about a taboo subject“ zeigt er sich von seiner besten Seite. Hier befaßt er sich mit der These des Buches „IQ and the Wealth of Nations“ von Richard Lynn und Tatu Vanhanen aus dem Jahre 2001. Diese besagt, daß der unterschiedliche Wohlstand von Ländern eine direkte Folge des IQs ihrer Bevölkerung ist. Arme Länder sind dumm und deshalb arm, reiche intelligent und deshalb reich. Mit einer Übersicht über internationale IQ-Studien soll diese These bewiesen werden.

Ron Unz schießt zunächst einmal einfältige Kritik ab vom Kaliber, dahinter kann ja nur Rassismus stecken (was wir nicht mal ausschließen wollen, aber was für die Frage irrelevant ist, ob die Argumentation richtig ist). Und dann nimmt er die These des Buches und ihren vorgeblichen Beweis auseinander. Die IQ-Studien zeigen nämlich einige erstaunliche Muster, die so gar nicht in das von Lynn und Vanhanen entworfene Bild passen. Um andere Effekte auszuschließen (z. B. aufgrund von Unterernährung), konzentriert sich Unz auf die Ergebnisse in entwickelten Ländern. Hier gibt es einige interessante Muster:

  1. Fast überall läßt sich der sogenannte Flynn-Effekt feststellen, daß der IQ über die Zeit ansteigt, was nicht ganz zu einer unveränderlichen Größe paßt.
  2. Bevölkerungen, die eigentlich sehr ähnlich sein sollten, unterscheiden sich bei IQ-Studien massiv. Ein Beispiel: Deutsche in Ost und West vor der Wiedervereinigung, wobei Westdeutsche deutlich besser abschnitten als Ostdeutsche.
  3. Bevölkerungen verzeichnen teilweise selbst nach Herausrechnen des Flynn-Effekts erstaunliche Steigerungen, z. B. die Griechen zwischen 1961 und 1978 um 7 Punkte.
  4. Die Entwicklung der IQs hängt stark mit der Entwicklung des Wohlstandes zusammen, aber es ist nicht klar, was die Ursache und was die Wirkung ist oder ob es nicht sogar eine dritte Ursache für beides gibt.
  5. Während Südeuropäer deutlich schlechter bei den IQ-Studien abschnitten als Nordeuropäer, ist das Verhältnis für Einwanderer in die USA aus den Länder umgekehrt: griechische Einwanderer haben einen überdurchschnittlichen, niederländische einen unterdurchschnittlichen IQ. Juden in den USA haben einen deutlich überdurchschnittlichen IQ, Israelis hingegen einen eher niedrigen.

Das steht alles im Widerspruch zu der von Lynn und Vanhanen vertretenen Behauptung:

The central thesis of Lynn and Vanhanen’s work might be called the “Strong IQ Hypothesis,” namely that IQ accurately reflects intelligence, that IQ is overwhelmingly determined by genetics, and that IQ is subject to little or no significant cultural or economic influence after we adjust for the universal Flynn Effect.

Auch ein Einwand, daß die Intelligenteren ausgewandert sind, läßt sich nicht durchhalten, weil dazu die Unterschiede zu groß sind. Zudem wurden bei den betreffenden Einwanderergruppen zu Zeiten ihrer Ankunft eher niedrige IQs gemessen.

Unz bemerkt ganz richtig, daß es sonderbar ist, daß selbst den Kritikern einer starken IQ-Hypothese nicht aufgefallen ist, daß Lynn und Vanhanen in ihrem Buch eigentlich das Material zusammengetragen haben, diese zu widerlegen, ein klassisches Eigentor:

We are now faced with a mystery arguably greater than that of IQ itself. Given the powerful ammunition that Lynn and Vanhanen have provided to those opposing their own “Strong IQ Hypothesis,” we must wonder why this has never attracted the attention of either of the warring camps in the endless, bitter IQ dispute, despite their alleged familiarity with the work of these two prominent scholars. In effect, I would suggest that the heralded 300-page work by Lynn and Vanhanen constituted a game-ending own-goal against their IQ-determinist side, but that neither of the competing ideological teams ever noticed.

Seine Erklärung ist einleuchtend: die Gegner der These haben nicht die Gelassenheit, sich auf die Argumente einzulassen, weil sie innerlich wohl fürchten, daß das Ergebnis ihnen nicht passen würde, und weil sie auch methodisch nicht mithalten könnten. Und die Befürworter der These nicken die angeblichen Beweise einfach ab, weil ihnen das so besser in den Kram paßt, ohne dabei zu bemerken, daß die Fakten das Gegenteil beweisen.

Aus liberaler Sicht kann man sich hier übrigens zurücklehnen. Egal, was rauskäme: Jeder hat dieselben Rechte verdient, der Dumme wie der Kluge, der Arme wie der Reiche. Und jeder hat ein Recht darauf, daß ihm ein für ihn gedeihliches Umfeld nicht beschränkt wird. Wer hingegen einerseits aus historischen Verteilungen von Wohlstand schließen möchte, daß diese so erhalten werden müssen gegen „Dumme“, die zu erfolgreich sind, der muß sich an eine solche starke IQ-Hypothese klammern. Und wer andererseits Tabula Rasa machen will und den neuen und völlig auswechselbaren Menschen schaffen möchte, dem liegt es natürlich nahe, jede Art von Begrenzungen, die auch durch rabiateste Maßnahmen nicht überwunden werden können, vehement abzuleugnen.

Unz entwickelt dann eine interessante Erklärung für die Ergebnisse. Vielleicht ist die Wirkung genau umgekehrt: Urbane und reichere Bevölkerungen leben in einem günstigeren Umfeld als ländliche und ärmere Bevölkerungen. In dem Maß wie sich das Umfeld ändert, ändert sich auch der gemessene IQ. Das paßt viel besser zu den Ergebnissen: Nordeuropäer lebten zur Zeit der Studien eher in einem städtischen und reicheren Umfeld als Südeuropäer. Auswanderer aus Nordeuropa in die USA waren eher wohlhabender: sie wanderten in den USA weiter aufs Land, während ärmere jüdische Einwanderer und Einwanderer aus Südeuropa oder Irland in den Städten „hängenblieben“, die aber das günstigere Umfeld darstellten.

In diesem Sinne zieht Ron Unz dann sehr freundliche Schlußfolgerungen für Einwanderer in die USA aus Mexiko, deren Erfolge er herausstellt. Vielleicht hat er seine früheren Positionen gegen illegale Einwanderer revidiert oder, auch möglich, er ist einfach offen dafür, die Konsequenzen seines Gedankengangs zu ziehen ganz gleich, wo sie ihn hinführen und ob sie seinen Erwartungen entsprechen.

Nicht daß Ron Unz damit alle Fragen gelöst hätte (er diskutiert in einem weiteren Artikel die erstaunlichen Ergebnisse für Asiaten, bei denen das Umfeld wenig Einfluß zu haben scheint). Aber angenehm an dem Artikel ist eben die Offenheit, sich nicht mit der Motivsuche und Unterstellungen abzugeben, die die Person und nicht die Thesen der Gegenseite angreifen. Er schließt von daher mit einer Würdigung für die Arbeit von Lynn und Vanhanen:

None of these findings would have been possible without the great scholarly effort Richard Lynn and Tatu Vanhanen put into locating and properly presenting an enormous quantity of international IQ data in their books and research papers, as well as their courage in focusing attention on such highly controversial topics. Although I would argue that a close examination of the Lynn/Vanhanen data tend to convincingly refute their own “Strong IQ Hypothesis,” I would be the first to acknowledge my gratitude to the scholars whose efforts made my own analysis possible. Meanwhile, individuals such as Stephen Jay Gould, who commit outright academic fraud in support of their ideological positions, do enormous damage to the credibility of their own camp.

Wir würden außer den Artikel im Original zu empfehlen, auch noch drei Anmerkungen unsererseits anbringen:

  1. Das Ergebnis, selbst wenn es im Sinne von Lynn und Vanhanen ausfallen würde, führt nicht zu den oft gezogenen Schlüssen: Selbst wenn Einwanderer unverbesserlich dümmer wären, wäre es dennoch wünschenswert sie da zu haben, wie Bryan Caplan anhand des klassischen Arguments der komparativen Vorteile erläutert: Why Disgenics Goes Wrong: Comparative Advantages Strikes Again.
  2. Ron Unz laboriert daran, daß die internationalen IQ-Studien sehr stark für den Einfluß der Umgebung sprechen. Gleichzeitig zeigen Studien auf dem kleinen Niveau, z. B. bei Zwillingsstudien, einen recht hohen erblichen Anteil. Wie kann das beides sein? — Was immer IQ mißt (wir bezweifeln, daß IQ mehr als einen Aspekt von umfassend verstandener Intelligenz abgreift), könnte die Situation so sein: Für den einzelnen sind die Möglichkeiten erblich stark vorgegeben, aber das Maß, zu dem er sie entwickelt und entwickeln kann, hängt von einem anregenden oder nicht hemmenden Umfeld ab (das wiederum mit Wohlstand und/oder Urbanität zusammenhängt). Damit lassen sich beide Teile ohne weiteres zusammenbringen. Das zugrundeliegende Mißverständnis scheint zu sein, daß Erblichkeit gleichbedeutend mit einem festen Resultat ist. Wenn aber nur vererbt würde, wie leicht sich jemand tut, seine Fähigkeiten zu entwickeln, kann das Umfeld bei gleicher Veranlagung zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen (ohne einen erblichen Umschwung werden Menschen ja auch in einem günstigeren Umfeld größer, wobei die Körpergröße gleichzeitig stark erblich bedingt ist).
  3. Was unseres Erachtens zudem gegen die Behauptung spricht, daß der IQ von verschiedenen Bevölkerungen die Ursache für unterschiedlichen Wohlstand ist: die Unterschiede im IQ sind eher klein. Wenn sie der Grund wären, dann würde man ähnliche Unterschiede innerhalb von Bevölkerungen abhängig vom IQ erwarten wie zwischen Bevölkerungen. Tatsächlich variiert der Wohlstand aber weit mehr zwischen Bevölkerungen als innerhalb von ihnen. Natürlich gehört zum günstigen Umfeld für Wohlstand das Wirtschaftssystem und die Möglichkeit, als Einwanderer auch in einem reichen Land sein Glück zu suchen. Selbst wenn Ostdeutsche einen niedrigeren IQ nach den Studien hatten, war das wohl nicht der Grund für den niedrigeren Wohlstand, sondern der wohlstandsfeindliche Sozialismus und die Mauer. Und überhaupt zeigt dieses Beispiel auch für uns, daß IQ nicht gleich Intelligenz sein kann: uns fällt kein wesentlicher Unterschied zwischen West- und Ostdeutschen in der Beziehung auf.

 

Siehe auch:

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16 Antworten auf Führt ein höherer IQ zu mehr Wohlstand oder umgekehrt?

  1. Wifman sagt:

    „Wir bezweifeln, dass IQ mehr als einen Aspekt von umfassend verstandener Intelligenz abgreift“

    Ernsthaft? Ihr seid eine New Age Guppe? Habt Ihr auch Krialle im Fenster hängen, um Krankheiten abzuwehren?

    Intelligenz ist Intelligenz, ist Intelligenz, nämlich die Fähigkeit, neue Situationen objektiv zu analysieren und darauf entsprechend zu reagieren.

    „Emotionale“ Intelligenz hingegen ist etwas, dass jeder Trottel lernen kann wie ein dressierter Dackel.

    • eugen sagt:

      Nö, das war nicht die Aussage.

      Wir bezweifeln einfach, daß sich jede Leistung, die als intelligent anzusehen wäre, mit den Einzeltests eines IQ-Tests oder mit irgendeinem Mittel dieser Einzeltests abgreifen läßt. Man müßte ja annehmen, daß Psychologen, die sich diese Tests (teilweise schon vor Jahrzehnten) ausgedacht haben, einen perfekten Überblick über alle intelligenten Leistungen haben. Wir würden vermuten, daß sie viele davon gar nicht verstehen, ja nicht mal kennen. Und wir denken, daß das nicht ein kleiner undeutender Rest ist.

      Nehmen wir einmal ein Beispiel: Einsteins und die spezielle Relativitätstheorie aus dem Jahre 1905. Dazu mußte er (wenigstens implizit) eine Intuition für einen vierdimensionalen Raum mit einer nicht-euklidischen Geometrie entwickeln. Einstein selbst hat das, soweit wir wissen, nicht explizit herausgearbeitet, ihm wurde das erst von Hermann Minkowski 1907 aufgezeigt. Aber implizit hat er das vermutlich doch begriffen gehabt, weil er sich sonst nicht zurechtgefunden hätte.

      Und ohne das wäre er nicht weitergekommen. Mit dreidimensionaler euklidischer Vorstellung allein sind die anderen Physiker nicht weitergekommen.

      Hier die Frage: In welchen Untertests in üblichen IQ-Tests oder deren Mittel wird das Vorstellungsvermögen in einem vierdimensionalen, nicht-euklischen Raum abgefragt? Oder wäre ihre Behauptung, daß es sich bei der speziellen Relativitätstheorie nicht um eine Leistung von Einsteins Intelligenz handelt?

      • Medely sagt:

        Sehr geehrter User Eugen,

        von vierdimensionalen Räumen habe ich leider nullkommanull Ahnung, vom gesunden Menschenverstand allerdings(so hoffe ich es doch zumindest) sehr wohl was. Bitte lesen sie daher…BITTE!!!!! lesen sie daher das Buch: „Ist Intelligenz erblich? Einen Klarstellung“. Man kann es vergünstigt für 16,99 Euro bei Amazon über den Kindle-eReader für Windows Pc’s sofort downloaden.

        Kurzbeschreibung: „Bei kaum einer Frage dürften die vorherrschenden Meinungen in Öffentlichkeit und Fachwelt so weit auseinanderliegen wie bei der Erblichkeit von Intelligenz. Dieter E. Zimmer beschäftigt sich als Wissenschaftspublizist seit über dreißig Jahren mit dem Thema. In diesem Buch schildert er, wie die Forschung zu dem Nachweis gekommen ist, dass Intelligenzunterschiede weitgehend durch die Gene bedingt sind. Und er klärt weitere wichtige Fragen: Was ist Intelligenz überhaupt, und wie misst man sie? Wie viel Raum lässt die Erblichkeit den Einwirkungen der Umwelt? Lässt die Intelligenz mit dem Alter nach? Lässt sie sich steigern? «Ein sehr lesenswertes, aufklärendes Buch.» Frankfurter Allgemeine Zeitung «Ein packendes Wissenschaftsbuch.» Basler Zeitung «DIETER E. ZIMMER GEHÖRT ZU DEN BEDEUTENDSTEN WISSENSCHAFTSJOURNALISTEN.» Weltwoche «Dieses Buch klärt auf. Unideologisch.» ZEIT Wissen“

        LINK: http://www.amazon.de/Ist-Intelligenz-erblich-Eine-Klarstellung/dp/3498076671/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1344769666&sr=8-3

        Ps. Im Übrigen, die libertäre „österreichische Schule“(Hayek, Mises) basiert ebenso auf dem gesunden Menschenverstand, gell?!

        LINK: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_von_Hayek

        • eugen sagt:

          Lesen Sie doch einfach mal den Artikel. Dort wird überhaupt nicht bezweifelt, daß IQ auch stark erblich bestimmt sein kann oder wohl ist (siehe z. B. 2. Anmerkung). Das Mißverständnis ist bei Ihnen, daß eine erbliche Bestimmtheit bedeutet, daß immer dieselben Ergebnisse dabei herauskommen.

          Daß der erbliche Anteil so dominierend ist, könnte daran liegen, daß das Umfeld für alle Betrachteten ähnlich wirkt (aber eben nicht für alle in allen Zeiten und in verschiedenen Gesellschaften).

          Wir haben das am Beispiel der Körpergröße verdeutlicht: diese ist stark genetisch bedingt, aber trotzdem werden die Menschen unter besseren Bedingungen heute alle größer.

        • eugen sagt:

          Hayek halten wir für überschätzt. Wir verstehen nicht, was er damit zu tun hat?

  2. Medely sagt:

    Nunja, wenn das wirklich so ist, mit der Urbanität und dem Wohlstand, dann müssten die Nachfahren der Ex-Skaven, die aus dem sehr, sehr ländlichen Zentralafrika nach den USA zwangseingewandert waren, in einem der reichsten und gleichzeitig urbansten Städte der Welt, also zB. in New York ja geradzu intellektuell aufblühen, oder? Und? Schon mal was von einem afroamerikanischen Nobelpreisträger für Kosmologie oder für Molekularbiologie aus dem Big Apple gehört? Nein. Stattdessen gehört die Black Community in dieser Ostküstenmetopole, -wie auch überall sonst in den Staaten- zu den ärmsten, schlechtstgebildesten und kriminalitätsauffälligsten unter allen Minoritätengruppen(insofern diesbezüglich das Wort „Minorität“ in Amerika ob der aktuellen demographischen Entwicklungen und Veränderungen da überhaupt noch einen Sinn macht). Und wie ist das dann in zB. Berlin, mit den Migranten mit türkisch-arabischen Hintergrund? Die kommen ja schließlich auch so gut wie alle aus dem hintersten, gottverlassensten Landesteilen ihrer südlichen Heimat. Ist bei denen unter dem länderfinanzausgleich-finanzierten Berliner Wohlstands……äh, Wohlfahrtschirm auch schon der IQ berstend und krachend explodiert? Ja? Nun, in den diversen Bildungseinrichtungen der Haupttstadt(zB. Rütlischule) hört man indess da ganz was anderes munkeln.

    „Und überhaupt zeigt dieses Beispiel auch für uns, daß IQ nicht gleich Intelligenz sein kann…“

    Meiner Meimung nach ist die Intelligenz gleich dem IQ plus der Kreativität. Berühmte Erfinder, Entdecker, Musiker, Maler, Schriftsteller und sonstige Künstler waren sicher alle Intelligent, aber vorallem waren sie Kreativ. Ohne die Fähigkeit vermeintliche Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen und diese aus weit distanzierten(abstrakten) Blick heraus zu etwas gänzlich neuem, ungehörten ungesehenen und ungedachten komplimentär wieder zusammen zu fügen, ohne diese Fähigkeit der findigsten und einfallreichsten unter uns, würden wir mutmaßlich heute immer noch in Höhlen sitzen, die s(tone)Mails in Basalttafeln ritzen und hoffen, dass unser Post-Mammut die Sommerpause gut erholt am Strand des Beringmeers überstanden hat.

    „…uns fällt kein wesentlicher Unterschied zwischen West- und Ostdeutschen in der Beziehung auf.“

    „Uns“ vielleicht nicht. Der Bundeswehr indess schon. Man lese: Verlust an Humankapital in Regionen mit hoher Arbeitslosigekeit“(Ostdeutschland)

    LINK: http://www.bpb.de/apuz/27808/pdf-version

    Weiterer LINK: http://www.v-weiss.de/iq-falle-s120.html

    • eugen sagt:

      „Nunja, wenn das wirklich so ist, mit der Urbanität und dem Wohlstand, dann müssten die Nachfahren der Ex-Skaven, die aus dem sehr, sehr ländlichen Zentralafrika nach den USA zwangseingewandert waren, in einem der reichsten und gleichzeitig urbansten Städte der Welt, also zB. in New York ja geradzu intellektuell aufblühen, oder? Und?“

      Wir würden vermuten, daß der durchschnittliche IQ von afrikanischen Einwanderern in die USA höher liegt als in den Ausgangsländern. Haben Sie da andere Informationen? Es folgt nicht, daß wir eine riesige Steigerung behaupten müssen. Für extreme Begabungen ist vermutlich auch der Durchschnitt von geringer Bedeutung gegenüber der Streuung.

      Ansonsten war die Behauptung, mit dem sich Unz befaßt, daß der IQ als Erklärung für unterschiedlichen Erfolg von Ländern herhalten kann. Daß daran etwas nicht stimmen kann, illustriert ihr Beispiel übrigens sehr schön. Soweit wir wissen, verdienen Einwanderer aus Afrika oder der Karibik in New York durchschnittlich mehr als Weiße. Und auch Schwarze, die von den versklavten Afrikanern abstammen, verdienen in New York zwar weniger, aber um Klassen mehr als der Schnitt der Leute in den meisten afrikanischen Ländern.

      Das heißt: egal, welche IQ-Zahlen Sie beischaffen, innerhalb der USA oder bitte New Yorks erklären diese einen verhältnismäßig geringen Unterschied an Wohlstand, während sie gegenüber afrikanischen Ländern einen riesigen Unterschied erklären sollen. Das kann nicht beides sein, wenn Sie ausschließen, daß das Umfeld etwas damit zu tun hat.

      Wir verstehen Ihr Rumhacken insbesondere auf Türken nicht. Hier geht Ihr Argument genauso ins Nichts. Wir kennen übrigens reihenweise sehr gescheite, wirtschaftlich erfolgreiche und nette türkischstämmige Kollegen. Wir durften bei einem sogar schon mal im Maserati mitfahren.

      Sorry, wenn wir nicht auf jeden Teil eingehen. Uns ist einfach der Zusammenhang nicht klargeworden. Beklagen Sie sich etwa über Verbrecher mit niedrigem IQ und wünschen sich welche mit höherem?

  3. Gerhard Laimer sagt:

    IQ ist vergleichbar mit der Körbchengröße. Genau wie letztere wird er gemessen, aber anschließend noch zu etwas anderem gemessenen in das Verhältnis gesetzt. Und dann wird etwas nicht definiertes (Wohlstand?) in Relation gesetzt und geglaubt, dass Störche Kinder bringen.

  4. Pegasus sagt:

    Sehr geehrter User Eugen,

    ich möchte an dieser Stelle erst einmal auf Ihren 3.Kritikpunkt eingehen.

    „Was unseres Erachtens zudem gegen die Behauptung spricht, daß der IQ von verschiedenen Bevölkerungen die Ursache für unterschiedlichen Wohlstand ist: die Unterschiede im IQ sind eher klein. Wenn sie der Grund wären, dann würde man ähnliche Unterschiede innerhalb von Bevölkerungen abhängig vom IQ erwarten wie zwischen Bevölkerungen. Tatsächlich variiert der Wohlstand aber weit mehr zwischen Bevölkerungen als innerhalb von ihnen.“

    Der Fehler liegt hier meiner Meinung nach in dem zu vereinfachten Denkmodell, in dem Individuen als isolierte Einheiten gesehen werden.
    Natürlich stimmt Ihre Aussage, dass die IQ-Unterschiede innerhalb von Staaten größer, zwischen Staaten jedoch kleiner sind, dennoch beim Wohlstand Umgekehrtes gilt. Doch müssen Sie beachten, dass Menschen mit einem niedrigen IQ quasi im intellektuellen Windschatten von Menschen mit hohem IQ fahren können. Dazu zwei Beispiele:

    Bsp.1: Ein Mensch mit einem IQ von 70 in einem westlichen Land genießt den Wohlstand, den die Gesellschaft ihm bringt. Sozialsysteme, Schutz und Sicherheit, Versorgung mit Nahrung und Energie usw.. Diese Güter und Dienstleistungen stehen ihm aber nur zur Verfügung, wenn genügend Hoch-Intelligente in der Gesellschaft vorhanden sind, die für deren Existenz und Erhalt sorgen. Er kann mit einem IQ von 70 also quasi so leben als hätte er einen IQ von z.B. 95.

    Bsp.2: Ein Mensch mit einem IQ von 85 in einem armen afrikanischen Staat hat keinen Zugang zu den gesellschaftlichen Gütern und Dienstleistungen aus Bsp.1, da sie in seinem Land nicht existieren. Warum existieren sie nicht? Weil es nicht genügend Menschen mit hohem IQ gibt, in deren intellektuellen Windschatten er fahren kann. Er ist quasi auf sich allein gestellt und lebt mit einem IQ von 85 eben auch wie mit einem IQ von 85.

    Der Fehler in ihrem Denkmodell liegt also darin, dass Sie eine scharfe Trennung zwischen Genotyp, Phänotyp und Umwelt machen, die so nicht existiert. Vielmehr müssten sie die Umwelt noch differenzieren in eine Umwelt, auf die der Mensch keinen oder nur wenig Einfluss besitzt (Wetter, Tageszeitenlänge usw.) sowie eine Umwelt, die der Mensch verändern kann (Soziales System, Ökonomie usw.), sprich einen „Extended Phenotyp“ in Anlehnung an Richard Dawkins Theorie.

    Dieser „Extended Phenotyp“ speißt sich aber nicht nur als der kulturellen Leistung des einen Individuums, sondern aus der ganzen Gesellschaft, basiert also nicht nur auf einem Genom, sondern aus dem gesamten Genpool der jeweiligen Population.
    Dazu noch ein Beispiel:

    Schüler A hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 80% ausgeprägt ist.
    Schüler B hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 90% ausgeprägt ist.
    Schüler C hat ein hypothetisches IQ-Potential von 100, welcher zu 90% ausgeprägt ist.

    Zunächst besteht die Klasse nur aus A und B. Der Klassen-IQ beträgt 76,5.
    Schüler B kann, aufgrund seiner höheren intellektuellen Leistungsfähigkeit, Schüler A dabei helfen, z.B. durch die Schaffung eines günstigeren Lernumfeldes, seinen phänotypischen IQ um weitere 10% auszuprägen. Somit ergibt sich die Konstellation:

    Schüler A hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 90% ausgeprägt ist.
    Schüler B hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 90% ausgeprägt ist.
    Der Klassen-IQ in der Klasse beträgt nun 81.

    Nun kommt Schüler C in die Klasse. 90% von 100 sind 90, ergo ist er, obwohl sein genotypischer IQ nicht vollkommen ausgeprägt ist, mit einem höheren phänotypischen IQ ausgestattet als A und B. Er kann also wiederum das Lernumfeld auch für A und B verbessern, wodurch diese ihren IQ zu 100% ausprägen können. Somit ergibt sich die Konstellation:

    Schüler A hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 100% ausgeprägt ist.
    Schüler B hat ein hypothetisches IQ-Potential von 90, welches zu 100% ausgeprägt ist.
    Schüler C hat ein hypothetisches IQ-Potential von 100, welcher zu 90% ausgeprägt ist.
    Der Klassen-IQ beträgt jetzt 84.

    Kurzum gesagt ist nicht nur ein höherer Nationen-IQ wichtig für den Wohlstand einer Nation, sondern auch die Zahl an „Genies“. Damit könnte man auch erklären, weshalb ostasiatische Nationen im Schnitt einen geringeren Wohlstand besitzen als z.B. westeuropäische Nationen, obwohl Erstere einen höheren Nationen-IQ aufweisen als Letztere. Denn IQ-Studien ergaben, dass die Glockenkurve bei Westeuropäern die höhere Standardabweichung besitzt, ergo sie zwar im Schnitt einen niedrigeren IQ als Ostasiaten beistzen, dafür aber eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Hervorbringen von „Genies“.

    PS: Sie können im Übrigen nicht „Juden“ und „Israelis“ gleichsetzen. Die Juden aus der Diaspora in Europa waren ca. 2000 Jahre (bissel weniger) einer mehr oder minder starken fortpflanzungstechnischen Isolation ausgesetzt sowie einem enormen Selektionsdruck von außen. Hingegen leben in Israel zum Großteil Juden aus der Region oder anderen, nichteuropäischen Regionen, die diesem Selektionsdruck nicht ausgesetzt waren.

    Mit freundlichen Grüßen.

    • eugen sagt:

      Um mit ihrem letzten Punkt zu beginnen:

      PS: Sie können im Übrigen nicht „Juden“ und „Israelis“ gleichsetzen. Die Juden aus der Diaspora in Europa waren ca. 2000 Jahre (bissel weniger) einer mehr oder minder starken fortpflanzungstechnischen Isolation ausgesetzt sowie einem enormen Selektionsdruck von außen. Hingegen leben in Israel zum Großteil Juden aus der Region oder anderen, nichteuropäischen Regionen, die diesem Selektionsdruck nicht ausgesetzt waren.blockquote>

      Jüdische Einwanderer nach Israel wie in die USA kamen hauptsächlich aus denselben Regionen in Mittel- und Osteuropa. Einen ashkenazischen Hintergrund haben die meisten Israelis (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Ashkenazi_Jews#In_Israel). Wenn sie den Dreisatz auflösen, müßten sie folgern, daß sephardische Juden einen unterirdischen IQ haben. Hätten Sie dafür Belege?

      Zu Ihrer Vorstellung mit dem Selektionsdruck würden wir das Buch von David Stove: Darwinian Fairytales, empfehlen. Stove argumentiert, daß die Darwinsche Erklärung für Evolution (zu große Nachkommenschaft für die Resourcen plus Ausscheiden der nicht Angepaßten) für den Menschen und innerhalb der Menschheit wohl nicht gilt, oder wenigstens nicht in dem Maße, wie es oft behauptet wird. Ein gutes Argument ist etwa, daß dazu sehr hohe Raten vorliegen müßten, mit denen der zweite Teil vorkommt. Juden sind sicherlich über die Zeit extrem verfolgt worden bis hin zur Ermordung. Wir haben keine Zahlen zur Hand, würden aber vermuten, wenn man einmal die Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausnimmt, die ja wirklich auf eine vollständige Ausrottung angelegt war, daß die erhöhte Sterblichkeit durch Verfolgungen über die Zeit eher gering war. Man liest von einem Pogrom, bei dem Hunderte oder Tausende ermordet wurden. Menschlich ist das tragisch, worauf es ankommt, aber über die Zeit und auf eine Gesamtbevölkerung von Millionen schafft das noch recht wenig Selektions“druck“. Der von ihnen vermutete Druck könnte überdies in alle Richtungen gehen. Pogrome waren ja oftmals eher gegen Erfolgreiche und vermutlich Intelligentere gerichtet. In vielen Fällen war die Ermordung auch recht unterschiedslos auf alle gerichtet, die einfach in einer gewissen Stadt oder Region lebten.

      Es gäbe auch andere Erklärungen: Beispielsweise könnte eine systematische Bevorzugung bei der Partnerwahl für Eigenschaften, die mit dem IQ zusammenhängen (soweit dieser erblich ist), zu einem Anstieg führen. Das könnte kulturelle Gründe haben oder auch aus Mangel an alternativen Möglichkeiten, sich attraktiver darzustellen (z. B. Kraft, hoher Rang, etc.) aufgrund der gesellschaftlichen Stellung eintreten.

      Wir würden allerdings auch nur eine relative Isolation vermuten. Wir haben das Zitat leider nicht parat (um Hilfe gebeten), meinen aber gelesen zu haben, daß Rudolf Virchow im 19. Jahrhundert nachgewiesen hat, daß deutsche Juden blond waren mit einer Rate, die zwar geringer als bei den Nichtjuden, aber auch nicht viel war. Mit anderen Worten: Man sieht vielleicht nur die Versuche einer Abschottung, nicht aber, was in einem solchen Umfeld wohl nicht an die große Glocke gehängt wird, wieviel an Mischung es über die Zeit auch gegeben hat.

      Wir würden denken, daß das ebenfalls in der anderen Richtung gegolten hat. Im römischen Reich stellten Juden etwa 10% der Bevölkerung. Die Bevölkerung Europas lag 1900 bei 400 Millionen, weltweit gab es etwa 10 Millionen Juden, das sind nur 2,5%. Da das römische Reich den größten Teil der damaligen Bevölkerung in Europa stellte, sollte man deutlich mehr erwarten, wenn es sonst keine Unterschiede in der Entwicklung gegeben hätte (natürlich eine gewagte Annahme über 2000 Jahre, aber die plausibelste, wenn man keine guten Gründe dagegen hat). Klar, über die Zeit kann viel passieren, auch kleine Unterschiede könnten sich auf Dauer so auswirken. Wir würden aber vermuten, daß eine naheliegende Erklärung wenn die wäre, daß ein guter Teil der jüdischen Bevölkerung in der nichtjüdischen aufgegangen ist. Denkbar wäre natürlich auch eine niedrigere Geburtenrate, wie sie für ein urbanes Umfeld wenigstens später üblicherweise vorkommt (z. B. für Deutschland im 19. Jahrhundert sicherlich richtig). Wie oben schon: Ermordung im Zuge der Verfolgungen (mit Ausnahme der späteren unter den Nationalsozialisten) kommen für uns auf den ersten Blick nicht in Frage als wesentlicher Grund.

    • eugen sagt:

      Als nächstes eine Randbemerkung. Sie schreiben:

      Doch müssen Sie beachten, dass Menschen mit einem niedrigen IQ quasi im intellektuellen Windschatten von Menschen mit hohem IQ fahren können.

      Wir haben uns darüber etwas amüsiert, als wir Ihre Emailadresse gesehen haben: Sie sitzen an einer Universität. Ohne Ihnen das persönlich unterstellen zu wollen, auch wenn Ihr Satz „Diese Güter und Dienstleistungen stehen ihm aber nur zur Verfügung, wenn genügend Hoch-Intelligente in der Gesellschaft vorhanden sind, die für deren Existenz und Erhalt sorgen.“ das anzudeuten scheint, klang es für uns etwas so: „Wir Genies an der Uni schleppen die anderen mit, die für sich wenig zustandebekommen würden.“ Wer sich das so vorstellt, der verrät nur, daß er nicht intelligent genug ist, das Prinzip der komparativen Vorteile zu entdecken, oder nicht genug Bildung hat, es zu kennen. Wir würden hier doch einmal ein gutes Wort für Leute mit einem geringen IQ oder geringer Intelligenz einlegen wollen (im Folgenden etwas unsanft der Kürze halber „die Dummen“ genannt). Diese finanzieren mit ihren Steuern den akademischen Bereich mit, von dem sie selbst nichts haben. Auf den ersten Blick sieht es für uns eher umgekehrt aus, als wenn diese die „Genies“ mit durchschleppen. Etwas Dankbarkeit dafür würden wir erbitten.

      Um die Konsequenz des Prinzips der komparativen Vorteile hier aufzuzeigen: Es ist nicht so, daß die „Dummen“ im Windschatten fahren, also ohne eigenes Zutun etwas von den „Genies“ geschenkt bekommen. Auf einem Markt findet ein freiwilliger Tausch statt, der für beide Seiten vorteilhaft ist. Der „Dumme“ nimmt Ihnen etwas ab, was Sie nicht selbst tun müssen und worin er einen komparativen Vorteil hat, und womit er Ihnen die Zeit gibt, in der Sie sich auf das konzentrieren können, bei dem Sie einen komparativen Vorteil haben. Das ist völlig symmetrisch. Weder können Sie sagen, daß der „Dumme“ doch bloß in Ihrem Windschatten fährt, noch hätte dieser recht, es über Sie zu sagen. (Warum wir doch etwas Dankbarkeit erbeten haben: die Finanzierung des akademischen Bereichs ist heute kein freiwilliger Tausch, sondern geschieht per Zwang über Steuern).

      Das Argument im ersten Absatz ist dann aber gar nicht, was Sie mit Ihrem Beispiel illustrieren. Wenn wir dieses richtig verstehen, behaupten Sie, daß eine gewisse Rate (!) von Leuten mit höherem IQ, den IQ der anderen anhebt. Da Sie einfach voraussetzen, was Sie beweisen wollen, folgt das natürlich auch. Sie haben hier höchstens aufgezeigt, daß ein solcher Mechanismus möglich ist, nicht daß er vorliegt. Aber wäre das eine Erklärung dafür, warum ein Verkäufer in einem Supermarkt mit vielleicht einem niedrigen IQ hierzulande zehnmal mehr als jemand mit einem hohen IQ in der dritten Welt verdient? Auf welche Weise wird dieser vom „Genie“ derart beim IQ mitgezogen, daß er für sich einen Wohlstand schaffen kann, den selbst die Gescheitesten in einem Entwicklungsland nicht erreichen? Er lebt ja auch nicht von Almosen der „Hoch-Intelligenten“.

      Falls das für Sie ein Rätsel ist, hier ein paar Ideen: Der globale Arbeitsmarkt ist abgeschottet wie der in Südafrika unter der Apartheid. Leute aus Entwicklungländern können ein Mehrfaches (durchaus das 10fache) verdienen, wenn sie in entwickelten Ländern arbeiten dürfen. (Siehe hierzu unseren Artikel „Wirkliche Globalisierung“: http://freisinnige-zeitung.de/archives/2644) Wieso sind sie dort so viel produktiver? Zum Beispiel: höherer Kapitaleinsatz, höhere Produktivität der Arbeitsprozesse, bessere Arbeitsteilung, sichere Eigentumsrechte, keine Bürgerkriege und kein Sozialismus. Nicht der IQ, der nach unserem Dafürhalten höchstens eine gewisse Erklärungskraft innerhalb entwickelter Länder für relativen Wohlstand hat.

      Vermutlich aus Versehen schreiben Sie dann, daß es auf die Zahl der „Genies“ ankäme, nicht die Rate, was ja in Ihrem Beispiel nicht der Fall wäre. Daraus würde übrigens folgen, daß eine größere Bevölkerung und/oder Bevölkerungsdichte zu mehr Wohlstand führt. Das halten wir auch aus anderen Gründen (z. B. verbesserte Arbeitsteilung) für plausibel. Robert Zubrin stellt die sehr schöne Frage an diejenigen, die die Bevölkerungsgröße drosseln wollen: Wenn eine halb so große Bevölkerung so toll ist, auf wen wollen Sie dann verzichten: Louis Pasteur oder Thomas Edison? Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=ei6jbrcX8ao&feature=player_embedded (Wir bezweifeln ja gar nicht, daß geniale Leute (nicht nur Leute, die lange genug an einer Uni waren) sehr viel dazu beitragen können, daß der Wohlstand steigt, allerdings wirkt das nicht nur in dem betreffenden Land.)

      Anschließend geht es wieder um die Rate der „Genies“, wenn Sie auf unterschiedliche Verteilungen abheben. Aber damit haben Sie doch nur die im Artikel besprochene These, die Wohlstand über mittleren IQ erklären will, durch eine neue ersetzt, die Wohlstand aus der Streuung des IQs erklären soll. Haben Sie dafür entsprechende wissenschaftliche Belege? Im Übrigen rennt diese These doch in dieselben Probleme: Warum kann der Wohlstand bei vermutlich sehr ähnlichen Bevölkerungen (Ost/Westdeutsche, Chinesen in Hongkong und in der Volksrepublik) derart stark abweichen, wenn die Verteilung (Mittelwert oder Streuung ist da egal) relativ wenig voneinander abweicht. Wieso sind Chinesen in Hongkong mit einer niedrigen Streuung nach Ihrer Aussage wohlhabender (mal per Sozialprodukt pro Kopf gemessen) als, sagen wir, Leute in Portugal mit einer höheren Streuung? Ihre neue These kann sogar komplett gegen die alte laufen: Wenn Sie das aus der Verteilung erklären und wieviel weit draußen in dieser liegt, ist der Mittelwert vermutlich wenig relevant.

      • Pegasus sagt:

        Sehr geehrter User Eugen,

        zur besseren Nachvollziehbarkeit und da Sie explizit nach Quellen fragten, werde ich einige Endnoten verwenden. Die meisten Quellen lassen sich online finden, die Archive sind allerding mit beschränktem Zugang. Darum habe ich auf all zu viele links verzichtet.

        Thema Juden und Israelis

        Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liegen sollte, aber laut meiner Quelle beträgt der Anteil der Juden mit nichteuropäischen Wurzeln aktuell ~25% aller Juden in Israel. Zusätzlich machen noch Araber >20% der israelischen Bevölkerung aus, sowie ~5% weitere, nichtjüdische Gruppen. Macht zusammen >50%, wobei hier noch zu klären wäre, ob der europäische Teil Russlands zu Asien oder Europa gezählt wurde.[1]
        Selbst wenn wir unterstellen, dass alle „Juden“ im Schnitt den selben IQ haben, dann sind dennoch die 20% Araber allein ein Grund, „Israelis“ nicht mit „Juden“ gleichzusetzen.

        Die Israelis weisen einen durchschnittlichen IQ von ~95 auf, was unterhalb Europas mit ~98,25 liegt. Seine größten angrenzenden und arabischen Nachbarn ~83 (Syrien), ~84 (Jordanien)[2] und ~84 (Ägypten).[3] Nehmen wir also mal an, 20% der israelischen Bevölkerung (Araber) haben einen IQ von durchschnittlich ~84, dann müssten die 80% Juden einen IQ von ~97 aufweisen, damit Israel zusammen auf seine 94 Punkte kommt. Das läge in etwa beim europäischen Mittelwert und sollte, so man die anderen nichteuropäisch-jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerungsgruppen Israels mit einbezieht nach oben korrigierbar sein.

        Macht also eine IQ-Differenz zwischen jüdischen und arabischen Israelis von 13 Punkten, was eine Menge ist.

        —————————————–
        Thema Selektion der Juden in Europa:

        Die Pogrome werden nur ein Aspekt des Selektionsdruckes gewesen sein. Viel schwerer wirkte sicherlich das dauerhafte gesellschaftliche Nischenleben, welches die Juden überwiegend dazu zwang, sich auf Fähigkeiten zu verlassen, die eine hohe Intelligenz voraussetzen. Z.B. korrelieren die mathematischen Fähigkeiten stärker mit dem IQ als z.b. das Lesen (komme später darauf zurück), woraus zu schließen ist, dass gerade im Finanzwesen der IQ-Schnitt über dem der restlichen Bevölkerung lag.
        Juden waren überdurchschnittlich häufig im Finanzwesen tätig, überdurchschnittlich häufig Stadtbewohner, überdurchschnittlich starkem sozialen Druck ausgesetzt. Drei Faktoren, die eine Selektion hin zu einem höheren IQ begünstigen können.

        Im Mittelalter und bis ins 19.-20. Jh. hinein war es meist so, dass man erst Familien gründen und sich fortpflanzen durfte, sobald man einen gewissen beruflichen Erfolg gehabt hat. Die hohe Kindersterblichkeit durch Krankheiten etc. dürfte eine weitere Begünstigung jener bewirken, die sich einen gewissen Wohlstand aneignen konnten.
        Kurz gesagt war die Reproduktionsrate zu einem stärkeren Teil als heute vom beruflichen Erfolg abhängig. (In den Industrieländern ist heute wohl eher Umgekehrtes der Fall.)

        Das die Vermischung mit der einheimischen europäischen Bevölkerung wohl stärker war als bislang vermutet, ist mir auch geläufig und ich würde da Ihnen zustimmen wollen. ~50% der Gene hätten die Nachkommen dann dennoch von ihrem jüdischen Elternteil und diese Nachkommen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Juden gelten. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

        ——————————————

        Thema Selektionsdruck:

        Evolution ist nicht starr zielgerichtet. Wie sich der Selektionsdruck auswirkt, hängt also von den Lebensumständen ab. Darwin sprach vom „survival of the fittest“. Mit „fittest“ ist nicht der Stärkste oder Klügste gemeint, sondern jener, der die meisten fortpflanzungsfähigen Nachkommen zeugen und deren Überleben sichern kann.

        Ziel der Evolution ist es also nicht, Arten stärker oder klüger oder gesünder zu machen, sondern Informationen zu vermehren und zu konservieren. Denn die Grundeinheit der biologischen Evolution ist nicht das Individuum, sondern die Basensequenz.

        Wenn also heute in der Industriegesellschaft eher die weniger Intelligenten mehr Kinder bekommen, dann nur deshalb weil sie besser an ihr Lebensumfeld angepasst sind, sprich den Sozialstaat. Das auch analog zu meiner These über die reaktiven Einflüsse von Hochbegabten auf weniger Begabte aber dazu später.

        ————————————

        Nun zum Hauptthema, dem Einfluss von Intelligenz auf den Wohlstand einer Nation.
        Zunächst zu den ermittelten Werten:

        Nimmt man mal die nationalen Werte, so ergibt sich eine Korrelation zwischen IQ und HDI, GDP per capita und Bildungserfolgen innerhalb der EU-27 von:
        ~0,58 (IQ;HDI),
        ~0,66 (HDI;GDP),
        ~0,43 (IQ;GDP),
        ~0,48 (IQ;PISA-Lesen)
        ~0,69 (IQ;PISA-Naturwissenschaften)
        ~0,82 (IQ;PISA-Mathe)

        Innerhalb Gesamteuropas (mit Türkei) lauten die Werte:
        ~0,75 (IQ;HDI),
        ~0,65 (HDI;GDP) und
        ~0,54 (IQ;GDP).
        ~0,73 (IQ;PISA-Lesen)
        ~0,83 (IQ;PISA-Naturwissenschaften)
        ~0,8 (IQ;PISA-Mathe)

        (Werte entnommen aus dem CIA-The World Fact Book[4], dem Human Development Report[5] und dem OECD-Report über die PISA-Ergebnisse. [6])

        Diese Werte sind ähnlich derer Werte, die in anderen Rechnungen ermittelt wurden. So z.B. von Rushton und Templer für 113 Staaten ~0,58 (IQ;GDP) [2], von Rindermann, Woodley und Stratford für 47 Staaten ~0,86 (IQ;HDI) [3] oder eben bei Lynn und Vanhanen. Auch auf nationaler Ebene zeigen sich diese Korrelationen zwischen IQ und Einkommen usw., z.B. in Italien[7] oder auch den USA.[8]
        Korrelationen sind selbstverständlich nicht zwingend Kausalitäten, auch wenn signifikante Werte oft darauf schließen lassen. Daher an dieser Stelle nun zu meinem Argument der reaktiven Wirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft. Dazu schreibt Earl Hunt als Modell-Beschreibung:

        „Model of the development of individual GCA. The potential for cognitive ability contained in the genome is developed by interactions with the physical environment, which establishes information processing capacities. Interactions between information processing capacity and the social environment develop cognitive skills. These include GCAs and special cognitive skills. Depending on the society, an individual may be able to use his or her cognitive skills to alter the physical and social environment. B: Model of the development of cognitive skills at the national level. The genetic potentials for cognition contained in the gene pool are developed into information processing capacities by the physical environment and then into cognitive abilities by the social environment. Because populations, including nations, operate on a time scale greater than a single person’s lifetime, feedback mechanisms leading from social changes, including the adoption of the cognitive artifacts of other societies, can change both information processing capacities and even the gene pool.“ [9]

        Kurzum…das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile oder: ein Mensch ist in einer Gesellschaft intelligenter als allein, wenn diese Gesellschaft im Schnitt über seinem IQ liegt. Eigentlich haben Sie das ja erkannt, schrieben sie doch:

        „Wieso sind sie dort so viel produktiver? Zum Beispiel: höherer Kapitaleinsatz, höhere Produktivität der Arbeitsprozesse, bessere Arbeitsteilung, sichere Eigentumsrechte, keine Bürgerkriege und kein Sozialismus.“

        Dann aber schreiben Sie sogleich: „Nicht der IQ, der nach unserem Dafürhalten höchstens eine gewisse Erklärungskraft innerhalb entwickelter Länder für relativen Wohlstand hat.“

        Genau das ist aber der Punkt, denn wenn ein hoher IQ, oder sprechen wir lieber von einer GCA (General Cognitiv Ability), welche in etwa dem IQ entspricht, derart hoch korreliert mit Bildungserfolgen, Patentzahlen (~0,6 für EU-27; ~0,51 für Gesamteuropa)[10], ja sogar der Demokratiefähigkeit (~0,63 mit dem NID innerhalb der EU-27 und ~0,39 mit dem BTI innerhalb Europas), gleichzeitig eine negative Korrelation zeigt mit Indikatoren wie der Wahrscheinlichkeit für schwere Körperverletzung, Vergewaltigung oder Mord [2], dann führt ein hoher Wert für eine GCA mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verbesserung jener von Ihnen genannten Kriterien. (Ebenfalls positiv mit dem IQ-Wert korreliert übrigens auch, wie frei ein Staat ist. Ich hab dazu einen Wert von ~0,4 innerhalb Gesamteuropas errechnet, basierend auf den Daten des „State of Worlds Liberty Project“.)
        http://www.stateofworldliberty.org/report/rankings.html

        Technologischer und zivilisatorischer Fortschritt ist also von zwei hauptsächlichen Indikatoren abhängig:
        1.Durch Arbeiter erwirtschafteter Überschuss, der akademische Tätigkeiten ermöglicht.
        2.Vom Vorhandensein des, für akademische Tätigkeiten notwendigen Humankapitals.

        Ist nicht genug von 2. vorhanden, so kann 1. nicht in Forschung und Entwicklung investiert werden, bzw. hätte keinen nennenswerten Effekt. Ist von 1. nicht genug vorhanden, dann liegt 2. brach. (Übrigens schreibt Lynn an keiner Stelle, dass der IQ allein 100% des Einflusses bewirken würde, sondern lediglich einen übermächtigen Faktor darstellt.)
        Sie zählten z.B. auf:
        – höherer Kapitaleinsatz
        – höhere Produktivität der Arbeitsprozesse
        – bessere Arbeitsteilung
        – sichere Eigentumsrechte
        – keine Bürgerkriege und kein Sozialismus
        Alles Dinge, die aus höherer Bildung hervor gehen und ergo vom durchschnittlichen IQ des Humankapitals abhängig sind. Soviel zu den komparativen Vorteilen.

        Interessant an dieser Stelle, dass Sie den Sozialismus erwähnen. Tatsächlich könnte dieser eine Erklärung für den geringeren Wohlstand Ostasiens im Vergleich zu Europa und den USA sein, trotz des höheren Durchschnitts-IQ. Es gibt also womöglich noch einen Einfluss kultureller Werte wie Individualismus und Kollektivismus, wobei es Studien gibt die zeigen, dass dieser kulturelle Unterschied zum Teil auf genetische Ursachen zurück zu führen seinen kann.[11] Das zu behandeln würde aber jetzt zu weit gehen. Die Endnote sollte dazu reichen.

        Ebenfalls zu weit gehen würde die Behandlung der Frage nach der Heritabilität und damit der genetisch bedingten Intelligenz. Einigen wir uns darauf, dass die Intelligenzunterschiede innerhalb von Gruppen (und wohl auch zwischen Gruppen) zu ~0,75% auf genetische Unterschiede zurück zu führen ist. Quellen dazu gibt es zuhauf. Ich nenne zur Sicherheit nur eine zur Darstellung des akademischen Konsens: Snyderman, Mark / Stanley Rothman: The IQ Controversy, the Media and Public Policy, New Brunswick 1990, S.79-104.

        Diese These muss der ganzen Überlegung allerdings voran gehen, da sie von Lynn vertreten wird. Ansonsten könnte man auch argumentieren, der hohe Wohlstand verursache allein den höheren IQ. So aber hat man eine relativ feste „Naturkonstante“, die nur gering durch Umwelteinflüsse verändert werden kann und diese Umwelteinflüsse zum erheblichen Teil eben auch wieder genetisch beeinflusst wäre. (Siehe oben)

        ———————————

        Thema Streuung der Glockenkurve:

        Damit kommen wir zum letzten Punkt und der Frage nach der Relevanz der Streuung. Das Wort „Genie“ ist mir nicht einfach so heraus gerutscht. Genie wird man für gewöhnlich bezeichnet, wenn man einen IQ von etwas über 140 besitzt. Ich hätte auch „Hochbegabte“ oder „Überdurchschnittlich Begabte“ schreiben können.

        Innerhalb der männlichen Bevölkerung ist die Zahl der Hochbegabten größer als bei den Frauen, allerdings auch die Zahl der Schwachsinnigen. Das Geheimnis dahinter ist wohl das Y-Chromosom und seine quasi nicht vorhandene Fähigkeit, Gen-Defekte auf dem 23. X-Chromosom zu kompensieren. (Gendefekte werden bei Männern ebenso häufiger ausgeprägt als bei Frauen) Würde im Umkehrschluss bedeuten, dass intelligenzbeeinflussende Gene auf dem 23. Chromosomenpaar zu finden wären. Hierbei sei auch angemerkt, dass die DNA von Frauen eine geringere Mutationsrate aufzeigt. Kurz gesagt: Die Glockenkurve ist im Mittelwert bei Frauen höher, dafür ist die Streuung niedriger als bei Männern.[12]
        Es verhält sich hierbei zwischen Frauen und Männern wir zwischen „East-Asians“ und „Caucasians“. Auch bei Ostasiaten ist die Streuung geringer.[13]

        Die Auswirkungen sollten klar sein. Im Schnitt weisen Ost-Asiaten einen höheren IQ als Europäer (bzw. „Caucasians“) auf. Gleichzeitig kommen aber auf 100.000 Europäer mehr „Genies“ als auf 100.000 Ost-Asiaten.

        ———————————-

        Letzte Anmerkung: Ost- und Westdeutsche

        Lynn gibt hierzu eine Theorie ab, nämlich das Republikflucht die DDR intelligenz-genetisch verarmen ließ.
        Wenn man bedenkt, dass die DDR eine Einwohnerzahl von (am Ende) 16,7Mio. besaß und zwischen 49 und 90 etwa 3,6 Mio. auswanderten, so könnte dies stimmen, so es sich bei Flüchtlingen im Schnitt um Menschen mit einem höheren IQ als den von Lynn erhobenen Wert von 103 für Westdeutschland handelte. Ich selbst stehe dieser Theorie noch skeptisch gegenüber, da nach Lynns Zahlen berechnet, die Flüchtlinge im Schnitt einen IQ von >110 besessen haben müssten.

        Sollten noch Fragen offen sein oder ich eine Ihrer Bemerkungen nicht ausreichend kommentiert haben, so bitte ich darum mir dies mitzuteilen.

        Mit freundlichen Grüßen.

        Quellenangabe:

        [1] http://www.cbs.gov.il/shnaton53/st02_21x.pdf

        [2] Rushton, J. Philippe / Donald I. Templer: National differences in intelligence, crime, income, and skin color, in: Intelligence 37 (2009), S. 341–346.

        [3] Rindermann, Heiner / Michael A. Woodley / James Stratford: Haplogroups as evolutionary markers of cognitive ability, in: Intelligence 40 (2012), S. 362–375.

        [4] Human Development Reports: Country Profiles and International Human Development Indicators, abgerufen am 2.09.2012.

        [5] CIA: The World Fact Book: 2012, abgerufen am 5.09.2012.

        [6] OECD: PISA 2009 – Ergebnisse, abgerufen am 2.09.2012.

        [7] Templer, Donald I.: Corrigendum to “Biological correlates of northern-southern Italy
        differences in IQ”, in: Intelligence 40 (2012), S. 511–517.

        [8] Kanazawa, Satoshi: IQ and the wealth of states, in: Intelligence 34 (2006), S. 593–600.

        [9] Hunt, Earl: What Makes Nations Intelligent? In: Perspectives on Psychological Science 7(3), S. 284–306.

        [10] OECD: Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012
        Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft.

        [11] Way, Baldwin / Matthew D. Lieberman: Is there a genetic contribution to cultural
        differences? Collectivism, individualism and genetic markers of social sensitivity, Department of Psychology, University of California, Los Angeles, CA 90095-1563, USA.

        [12] David G. Myers: Psychology. Worth Publishers, 2010, S. 431–434.

        [13] J. Philippe Rushton: Race, Evolution, and Behavior, 2000.

        • eugen sagt:

          Hallo Herr Becker,

          zuerst einmal vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort. Zum ersten Punkt:

          Das Argument von Unz ist mittlerweile verloren gegangen. Es lautet:

          „The Lynn/Vanhanen data on Jews also provide some suspicious IQ disparities. American Jews have among the highest tested IQs, with means being usually reported in the 110–115 range. Yet Lynn and Vanhanen report that Israeli Jews have strikingly low IQs by comparison. One large sample from 1989 put the figure at 90, while a far smaller sample from 1975 indicated an IQ of 97, with both results drawn from Israel’s large Jewish majority rather than its small Arab minority. The IQ gaps with American Jews are enormous, perhaps as large as 25 points, and difficult to explain by genetic factors, since a majority of Israel’s Jewish population in that period consisted of ethnic Askhenazi (European) Jews, just like those in America.“

          Nun machen Sie als Annahme, was erst noch zu beweisen wäre, nämlich daß Sie für Bevölkerungsgruppen den IQ der Bevölkerungen ansetzen können, aus denen sie hervorgegangen sind. Sie können dann schließen (die Anteile würden wir grob akzeptieren, auch wenn es meist wohl eher ein Gleich und kein deutliches Größer ist), daß jüdische Israelis bei 97 im IQ landen. Wie Sie richtig sagen, sind 13 Punkte ein nicht unwesentlicher Unterschied (fast eine Standardabweichung). Aber das ist dann auch der Abstand, den jüdische Israelis von amerikanischen Juden haben. Wenn Sie davon ausgehen, daß die aus Europa stammenden jüdischen Israelis 5/8 der jüdischen Israelis stellen und einen IQ wie die amerikanischen Juden haben (vorsichtige Annahme: 110), dann bekommen Sie höchstens einen IQ von etwa 75 für die nicht aus Europa stammenden Juden (inklusive gewisser anderer Minderheiten). Wenn Sie den Wert von 90 annehmen aus der Studie von 1989 (oder nicht in allen Fällen die für Ihr Argument günstigsten Werte), dann kommt ein noch (viel) schlechteres Ergebnis heraus. Das finden wir erstaunlich. Wir würden das als Indiz nehmen, daß etwas an den Annahmen nicht stimmt.

          Oder noch mal etwas einfacher: Wenn die Hälfte um 25 Punkte über dem Durchschnitt liegt, muß die andere Hälfte 25 Punkte drunterliegen und beide Teile um 50 Punkte auseinanderfallen. Das müßte man doch irgendwie belegen können.

        • eugen sagt:

          Nächster Punkt: „Die Pogrome werden nur ein Aspekt des Selektionsdruckes gewesen sein. Viel schwerer wirkte sicherlich das dauerhafte gesellschaftliche Nischenleben, welches die Juden überwiegend dazu zwang, sich auf Fähigkeiten zu verlassen, die eine hohe Intelligenz voraussetzen. Z.B. korrelieren die mathematischen Fähigkeiten stärker mit dem IQ als z.b. das Lesen (komme später darauf zurück), woraus zu schließen ist, dass gerade im Finanzwesen der IQ-Schnitt über dem der restlichen Bevölkerung lag.“

          Klingt etwas nach Lamarckismus. 😉

          Die These von David Stove in „Darwinian Fairytales“ besagt, daß „Selektionsdruck“ vielleicht eine gute Erklärungskraft bei Tierarten hat, die sich extrem stark vermehren und von deren Nachkommen nur wenige zur Fortpflanzung kommen, aber (im Wesentlichen) nicht für den Menschen in historischer Zeit. Dazu müßte die Vermehrung höher sein und der Anteil der Nachkommen, die nicht zur Fortpflanzung gelangen. Wenigstens würden wir das unter „Selektionsdruck“ verstehen, bei dem die Umwelt Druck hin zu eine Auslese der „Fittest“ ausübt (daß es einen solchen Effekt auch in geringem Ausmaß für Menschen gibt, würden wir nicht bestreiten, nur daß das der wesentlichen Punkt ist). Möglich, daß es das für Juden stärker gab, aber nicht offensichtlich, und vielleicht auch ähnlich irrelevant. Sonst müßten Sie eine Betrachtung darüber anstellen, wie die Vermehrung war, wieviele Nachkommen sich wieder fortpflanzten im Vergleich zu anderen Gruppen, und in wieweit das davon abhing, wie intelligent jemand war und daß das in einem entsprechend hohen Ausmaß vorkam (nicht nur, daß es irgendeinen Druck gegeben haben könnte), und daß das überhaupt einen großen Unterschied machte.

          Wir haben ja eine alternative Erklärung für eine Selektion nicht durch die Umwelt gegeben, sondern durch die Menschen selbst per systematischer Bevorzugung bei der Partnerwahl (ganz unabhängig von dem Nutzen für die Nachkommen: die höhere Vermehrung kommt unabhängig davon zustande). Etwas wie bei der Herausbildung des Pfauengefieders. Danach würde Intelligenz eben im Schnitt attraktiver machen, bzw. Eigenschaften, die damit zusammengehen. In einer Gruppe, die aus kulturellen Gründen Intelligenz besonders schätzt oder wegen Ausschluß auf gewisse Bereiche verwiesen ist, in denen sie das vordringliche Unterscheidungsmerkmal ist (und nicht etwa physische Kraft oder hoher Rang), könnte das stärker wirken.

          Das „Aber“ kommt gleich.

          „Juden waren überdurchschnittlich häufig im Finanzwesen tätig, überdurchschnittlich häufig Stadtbewohner, überdurchschnittlich starkem sozialen Druck ausgesetzt. Drei Faktoren, die eine Selektion hin zu einem höheren IQ begünstigen können.“

          Das operative Wort ist hier „können“. Zu zeigen wäre, was es genau war und wieso das für Juden wesentlich anders ausfiel und überhaupt einen größeren Beitrag leistete.

          Uns scheint es so zu sein, daß Sie feststellen, daß Juden z. B. unter hervorragenden Mathematikern sehr stark vertreten sind (was wirklich auffällig ist), das dann durch eine Aussage über den durchschnittlichen IQ erklären wollen (was wir nicht für plausibel halten, z. B. weil IQ wohl kaum die relevanten Fähigkeiten vollständig mißt und weil das hauptsächlich von der Streuung abhängen sollte, der gegenüber der Durchschnitt fast beliebig sein könnte – ja, Sie argumentieren auch mit der Streuung, aber die könnte doch nicht so einfach über einen Selektionsdruck erklärt werden). Und schließlich stellen Sie sich die Frage: Woher kommt der höhere mittlere IQ?

          Lustigerweise gehen Sie dann implizit von der egalitären Voraussetzung aus, daß vor 2000 Jahren alle den gleichen IQ hatten, womit es hier überhaupt etwas in historischen Zeit zu erklären gibt (vielleicht als Hinweis: August Bebel in seinem Referat „Antisemitismus und Sozialdemokratie“ (siehe Artikel in Wikipedia) laboriert auch unter dieser Annahme, die für ihn als Sozialdemokraten natürlich kriegsentscheidend ist). Es könnte ja einfach sein, daß Juden auch schon vor 2000 Jahren so drauf waren (oder besser!) und sich seitdem nichts geändert hat (oder sie sogar dümmer geworden wären). Und dann kommt etwas, was wir als „Konfabulation“ bezeichnen würden (etwas gehässig vielleicht vom Begriff, auch wenn wir das mehr beschreibend meinen). Es gibt eine riesige Lücke und die wird dann durch eine plausible Geschichte adhoc gefüllt, die nur für Konsistenz sorgt, aber nirgendwo etwas zeigt (bei Bebel übrigens ganz ähnlich).

          „Im Mittelalter und bis ins 19.-20. Jh. hinein war es meist so, dass man erst Familien gründen und sich fortpflanzen durfte, sobald man einen gewissen beruflichen Erfolg gehabt hat. Die hohe Kindersterblichkeit durch Krankheiten etc. dürfte eine weitere Begünstigung jener bewirken, die sich einen gewissen Wohlstand aneignen konnten.“

          Das galt aber für alle Gruppen. Wie eben schon: Sie müßten hier einen wesentlichen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden nachweisen, nicht nur, daß es einen solchen geben könnte, und daß dieser überhaupt von Bedeutung war. Und ob hier überhaupt eine Veränderung vorkam und in welcher Richtung.

          „Kurz gesagt war die Reproduktionsrate zu einem stärkeren Teil als heute vom beruflichen Erfolg abhängig. (In den Industrieländern ist heute wohl eher Umgekehrtes der Fall.)“

          Das kommt auf die Erklärung an. Wenn Sie von der alternativen Erklärung oben ausgehen, würde das auch gelten, weil beruflicher Erfolg attraktiver macht, ohne daß beruflicher Erfolg per se die Überlebenschancen nennenswert steigern würde. (Ob Sie 100.000 oder 20.000 verdienen, sollte einen marginalen Unterschied für die Anzahl ihrer Nachkommen machen, die zur Fortpflanzung kommen, das galt auch schon lange vorher). Interessant finden wir die Aussage in Klammern, die ja auch an anderer Stelle bei Ihnen, wenn wir das recht verstehen, durchscheint:

          Das ist die alte dysgenische Angst, daß ohne hinreichenden Druck die Menschen verblöden werden. Der Druck wäre (falls Sie das vertreten, was wir nicht unterstellen möchten), daß „Dumme“ sich weniger vermehren können. Wir halten diesen Schluß für unbegründet: es könnte auch bloß folgen, daß die Menschen weniger schnell intelligenter werden oder auf dem aktuellen Niveau stagnieren. Der Fehler bei einer solchen Argumentation ist, davon auszugehen, daß Intelligenz nur durch diesen Druck nach oben geht. (Wir wollten diesen Punkt bloß loswerden, weil wir ihn für wichtig halten, und haben Ihre Bemerkung nur als Sprungbrett mißbraucht, das geben wir zu.)

          „Das die Vermischung mit der einheimischen europäischen Bevölkerung wohl stärker war als bislang vermutet, ist mir auch geläufig und ich würde da Ihnen zustimmen wollen. ~50% der Gene hätten die Nachkommen dann dennoch von ihrem jüdischen Elternteil und diese Nachkommen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Juden gelten. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.“

          Den Zusammenhang haben wir nicht ganz verstanden, aber scheint auch kein großer Dissens zu sein.

        • eugen sagt:

          „Evolution ist nicht starr zielgerichtet. Wie sich der Selektionsdruck auswirkt, hängt also von den Lebensumständen ab. Darwin sprach vom „survival of the fittest“. Mit „fittest“ ist nicht der Stärkste oder Klügste gemeint, sondern jener, der die meisten fortpflanzungsfähigen Nachkommen zeugen und deren Überleben sichern kann.“

          In der Erklärung von Darwin ist Evolution überhaupt nicht teleologisch (auch nicht weniger starr „zielgerichtet“).

          „Ziel der Evolution ist es also nicht, Arten stärker oder klüger oder gesünder zu machen, sondern Informationen zu vermehren und zu konservieren. Denn die Grundeinheit der biologischen Evolution ist nicht das Individuum, sondern die Basensequenz.“

          Evolution ist so und so nicht teleologisch (wobei Stove gute Argumente bringt, daß selbst Darwin das nicht konsequent zuende gedacht hat). Was Sie beschreiben, ist höchstens der wahrscheinliche Effekt.

          „Wenn also heute in der Industriegesellschaft eher die weniger Intelligenten mehr Kinder bekommen, dann nur deshalb weil sie besser an ihr Lebensumfeld angepasst sind, sprich den Sozialstaat. Das auch analog zu meiner These über die reaktiven Einflüsse von Hochbegabten auf weniger Begabte aber dazu später.“

          Komischerweise liegen die Geburtenraten für alle heute viel niedriger als, sagen wir, 1900 oder 1800, auch die Größe der Nachkommenschaft, die zur Fortpflanzung gelangt (sonst hätte es kein Bevölkerungswachstum gegeben!). Somit war ein Umfeld mit geringeren (nicht keinen) Zuwendungen des Staates wohl günstiger für eine hohe Vermehrung. Sie bringen das damit durcheinander, daß es eine relative Verschiebung gegeben habe. Könnten Sie das belegen? Vielleicht war das ja früher nicht so anders?

          Wir vermuten, daß Sie da zirkulär argumentieren würden: Früher gab es noch den harten Selektionsdruck, der die Dummen bei ihrer Vermehrung bestraft hat. Das hat der Wohlfahrtsstaat beseitigt. Deshalb war es früher anders und die Dummen hatten weniger Nachkommen. Und deshalb hat sich das verschoben.

          Warum wir hier nicht mitgehen:

          (1) Dieser „Selektionsdruck“ hat in historischer Zeit so nicht bestanden. Da passen die Dimensionen einfach nicht und auch die Wirkung. Ja, es gab früher eine höhere Kindersterblichkeit. Aber die galt für alle ähnlich, wenn Sie sich ein normales Königshaus anschauen. Seuchen und Kriege schlugen ziemlich unterschiedslos rein.

          (2) Der wesentliche Punkt ist aber: daß sich die „Dummen“ stärker vermehren, muß nicht zur Folge haben, daß die durchschnittliche Intelligenz sinkt (was Sie wohl als Folge annehmen würden, um einen Widerspruch dazu zu erhalten, daß es früher vielleicht auch so war). Dazu müssen Sie annehmen, daß es keine gegenläufige Effekte gibt. Aber wenn es eine Tendenz bei der Partnerwahl gibt, einen intelligenteren Partner zu bevorzugen (nur relativ, kein Genie), dann gibt es einen Zug nach oben, der ohne weiteres auch eine größere Vermehrung im unteren Teil der Verteilung ausgleichen oder übertreffen kann. (Alternativ würde auch schon eine Bevorzugung von „Normalität“ im Sinne von Häufigkeit genügen, um im unteren Teil einen Zug nach oben zu bewirken). Damit sind die Schlußfolgerungen für die gesamte Bevölkerung offen: Intelligenz könnte steigen, stagnieren oder sinken. Auch eine Verschiebung in der relativen Vermehrung könnte nur zu einem langsameren Anstieg der durchschnittlichen Intelligenz (je nach Stärke der Effekte auch nur sehr wenig langsamer) führen, Stagnation oder einem leichten Absinken.

          Wie schon gesagt: Das ist ein Trugschluß ohne weitere Argumente. Einer, auf den Leute, die sich für eine geistige Elite halten, aber immer gerne reinfallen. In den 1920ern war es eine weit geteilte Panik, daß die Menschheit degeneriert, mit entsprechenden politischen Vorschlägen. Dafür hatte die „Elite“ aber nur sehr schlechte Argumente, hauptsächlich dieses hier. (Ja, Sie haben noch gar nicht so argumentiert. Das trifft Sie nur, wenn es tun möchten, was wir nicht unterstellen.)

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