Ergötzliche Druckfehler

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Berliner Gerichtszeitung, 16. August 1881

— Ergötzliche Druckfehler. Nach dem Friedensschluß von 1871 berichtete ein Berliner Blatt von einer jungen Dame, welche mit dem Eisernen Kreuz geschmückt worden sei, und schloß den Bericht mit folgenden Worten: „Eine Dame erregte wegen Ihres seltenen Schmutzes allgemeine Aufmerksamkeit.“ Daß es anstatt Schmutzes — Schmuckes heißen soll, hatte der Korrektor übersehen, und der Kobold im Setzkasten lachte sich ins Fäustchen, und mit ihm lachten die tausende,  welche es lasen. Was ist aber ein solcher Druckfehler im Vergleich damit, daß ein anderes Blatt erwähnt, daß Se. Majestät bei der Durchreise von den Wällen der Festung mit Salatschüssen (anstatt Salutschüssen) begrüßt wurde, und bei der Schilderung des zu Ehren der Majestät veranstalteten Gartenfestes mitteilte, daß tausende von Lumpen (anstatt Lampen) dem Garten ein feenhaftes Aussehen verliehen! Was soll man von einer Aktiengesellschaft halten, welche, nachdem, die Aktionäre die erste Rate eingezahlt haben, mitteilt, der Rest des Betruges (anstatt des Betrages) werde nächstens erhoben werden? Und wer vermöchte ernst zu bleiben, wenn er in dem Nekrolog eines Musikers liest, daß derselbe Jahre lang gedudelt (anstatt geduldet), oder daß der Gesangverein „Axion“ seinen Verstand (anstatt Vorstand) verloren? In einem anderen Blatt stand in einem Bericht über die Eröffnung des Landtags zu lesen: „Gleich nach Beginn der Sitzung fand die Beerdigung (anstatt Beeidigung) sämtlicher Mitglieder statt“, und wieder ein anderes Blatt, daß die Mehrzahl der Mitglieder des Landtages für unbedingte Freßfreiheit (anstatt Preßfreiheit) sei. „Nur durch die Kirche führt der Weg zu meiner Tochter“ soll in einem Roman ein Vater erklären; der kleine Setzteufel aber spielt dem Setzer zwei falsche Buchstaben in die Hand, und es hieß nun: „Nur durch die Küche führt etc.“ Auch Goethe mußte es sich gefallen lassen, infolge eine Druckfehlers ein dicker Fürst (anstatt Dichterfürst) genannt zu werden; ebenso wie die Primadonna in dem Theaterbericht mit Entsetzen liest, daß sie in der neuen Oper eine kunstvoll geflickte (anstatt gestickte) Robe getragen, oder daß sie ihres Katers (anstatt Vaters) wegen verhindert worden ist, in ihrer Glanzrolle aufzutreten. Sie muß den Koboldstreich ebenso ruhig hinnehmen, wie der Strafrichter, welcher in einen Scharfrichter verwandelt wurde, oder wie der Lehrer der Schreibekunst, welcher sich als Lehrer der Schreikunst im Intellienzblatt annoncierte. 

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