Sind die Republikaner Rassisten?

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Da sind sich doch alle einig: die Amerikaner sind irgendwie etwas rassistisch. Und natürlich sammeln sich die Rassisten bei den Republikanern, die Obama bloß bekämpfen, weil er schwarz ist. (Obama ist übrigens nach derselben Logik genauso gut weiß, außer man glaubt selbst an die rassistische „One-drop rule“ — das nur mal nebenbei).

Die deutschen Medien pinnen hier wieder einmal qualitätsmäßig von den Medien in den USA ab, die den Demokraten nahestehen und eine solche Beschuldigung für bequem halten. Wie Matt Welch bei Reason zusammenstellt, ist dies geradezu ein Dauervorwurf von demokratischer Seite, vgl. A Modern Timeline of Liberals Claiming That Opposition to Obama = Racism („liberal“ = amerikanischer Sozialdemokrat). Dabei müßte das ja in einer wirklichen Gesellschaft von Rassisten eine Werbung für die Republikaner sein und nicht ein beschämender Vorwurf.

Wie Alex Tabarrok bei Marginal Revolution in seinem Post Racism by Political Party anhand von Umfrageergebnissen aufzeigt, stimmt die Behauptung, daß es einen kleinen Prozentsatz von Rassisten in Amerika gibt, die beispielsweise Gesetze gegen gemischtrassige Ehen befürworten.

Solche Gesetze gegen Mischehen gab es in vielen Bundesstaaten noch bis in die 1960er Jahre unter der Theorie des „separate, but equal“. Sie seien nämlich gleichermaßen Verbote für Weiße wie für Schwarze und deshalb keine Verletzung der Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Erst 1967 wurden sie im berühmten Fall „Loving v. Virginia“ vom Obersten Gerichtshof als nicht verfassungskonform kassiert (nachdem der Supreme Court sie seit dem 19. Jahrhundert nicht beanstandet hatte).

Doch nun kommt der Clou: Solche Gesetze befürwortet ein fast gleichgroßer Anteil der Anhänger von Republikanern wie Demokraten, nämlich 11,5% und 11,9% per 2002. Auch bei anderen ähnlichen Fragen sind die Unterschiede zwischen den beiden Parteien minimal.

Interessant ist es auch, wenn man sich die Ergebnisse im Zeitablauf anschaut. Nick Gillespie läßt den großen Wandel in seinem Artikel What Segregationists Really Believed: Read the Racist Rant That Couldn’t See Print in 1962 Revue passieren. Beispielsweise zeigt sich in Umfragen von Gallup seit den 1950er Jahren zu der Frage, wie die Befragten zu gemischtrassigen Ehen stehen (nicht ob diese per Gesetz verboten sein sollen), ein langsamer, aber durchaus erfreulicher Umschwung:

Quelle: Gallup, Reason

Während 1958 gemischtrassige Ehen noch für die allermeisten Teufelszeug waren, steigt die Zustimmung bereits vor der Bürgerrechtsgesetzgebung auf eine Minderheit von 20% toleranter Amerikaner und von da an immer weiter, sodaß eine ablehnende Haltung heute nur noch von einer kleinen Minderheit geteilt wird. Viel besser würden die Deutschen da vermutlich auch nicht abschneiden.

Mal sehen, ob die deutschen Qualitätsmedien das alles auch recherchieren können.

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