Henrici hetzt weiter

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Neue Freie Presse, Wien, 25. August 1881

(Dr. Henrici über den Kornzoll und den armen Mann.) Gestern Abends sprach Herr Dr. Henrici wieder in einer im Saale von Buggenhagen von dem Socialen Reichsverein veranstalteten Volksversammlung. Auch Social-Demokraten waren in ziemlich starker Zahl vertreten. Herr Henrici sprach diesmal über „den Kornzoll und den armen Mann“. Speciell der Kornzoll sei es ja, gegen den vor Allem die ganze Gesellschaft von manchesterlichen Abgeordneten und deren Presse Opposition mache. Der arme Mann, an den gerade diese Herren mit der That nie gedacht er werde nun an den Obren herbeigezerrt, ihm wird sein Brot, sein Pfeifchen vertheuert, und wenn er das nicht hat, heißt es, ist es aus mit dem armen Manne. (Social-Demokraten.: So ist es auch! Sehr richtig!) Hier wie in England war es die Dummheit, auf welche die Herren von der Manchesterpartei bei Aufhebung der Getreidezölle speculirten. Der wahre Grund war, die Schacherer, die Handelsjuden wollten mehr Geschäft machen, und das konnten sie nicht beim Landbau, das konnten sie nur beim Schacher. Der Kornzoll fiel und die Viehzucht, auf die man die englische Landwirthschaft zunächst verwiesen, kam durch den Import fremden Viehes auch bald in Verfall. So ist es gekommen, daß seit 1874 ein Fünftel des gesammten Landes weniger bebaut wird und daß zur Zeit der englische Landbauer ln der That vollständig zu Grunde gegangen ist. Freilich wirkten zu alledem auch noch andere Umstände, vor Allem der Uebergang zur einen Goldwährung mit. Auch wir sind auf Anregung und Vertheidigung des Herrn Bambergerleben zur Goldwährung übergegangen, auch wir haben geglaubt, unsere Landwirthschaft durch keinen Zoll schützen su müssen. Vertheuert nun wirklich der Kornzoll das Brot des armen Mannes? (Zuruf: „Ja, ja!“ „Nein, nein!“) Das Eine ist sicher, einerseits durch den Mangel an Schutz, andererseits durch die dern Import fremden Getreides gewährten Erleichterungen ist bewirkt worden, daß 1878 nur nach 50 Percent des gesammten Bodens mit Getreide bebaut wird, gegen 58 Percent noch im Jahre 1860. Man sagt nun: Kann unser Vaterland die ausländische Concurrenz nicht bestehen, so lasse es den Getreidebau und kaufe vom Auslande. Nichts zeigt mehr wie dies die volle Lächerlichkeit der Phrase. Zur Zeit leben 24 Millionen Deutsche vom Landbau, woher sollen diese, wenn sie nicht mehr arbeiten, das Geld nehmen. um Getreide zu kaufen? Nun heißt’s: Versucht es mit der Viehzucht: eigenthümliche Landwirthe diese Herren Laskerleben, Bambergerleben, Richterleben, die auf Sandboden und Kornfeldern im Handumdrehen Wiesen machen wollen. Es ist ja leicht gesagt: für’n Sechser Käse; aber die Nummer, sagt der Berliner, und wir sind doch nun einmal Berliner. Was soll aus dem Lande da draußen werden, soll man vielleicht Villen darauf bauen? (Gelächter.) Milliarden sind in dem Boden angelegt, sollen sie sofort entwerthet werden? Was würden die Herren Börsenjobber sagen, wenn der Reichstag einmal beschließen wollte, so und so viel Milliarden Börsenpapiere für werthlos zu erklären? (Bravo!) Da doch, lieber 24 Millionen Menschen das Brot lassen, wenn’s auch ein bischen theurer ist. Ist’s denn auch wirklich vertheuert? Der jetzige Zill kann überhaupt auf den Preis des Brotes gar keinen Einfluß haben, an dritthalb Pfennigen per Tag, so viel macht der Zoll auf fünf Pfund Brot, geht keine Familie zu Grunde. Von 1877 bis 1878 fiel der Getreidepreis etwa um die Höhe des Zolles, das Brot ist in Folge dessen nicht um Ein Gramm schwerer geworden, denn alle diese Schwankungen kommen allein der Speculation zugute; das Brot bleibt wie es ist. Ist an dieser Differenz der Kornzoll schuld, oder ist die Veranlassung nicht der Schacherjude (Zuruf: „Jude! Jude!“), der da am festesten sich festsetzt, wo die wirthschaftliche Nothlage am größten? Erst wenn wir in Bezug auf das Getreide vom Auslande unabhängig sind, erst dann besitzen wir wirklich eine nationale Unabhängigkeit, können wir uns auf uns selbst verlassen. Deutschland ist sehr wohl im Stande, seinen Getreidebedarf selbst zu produciren, denn es handelt sich nur um ein Fünfzehntel, um das die Production vermehrt werden muß. Unter stürmischem Beifalle schloß Redner. — Ein Fragesteller wünscht zu wissen, ob Gambetta ein Jude sei. Dr. Henrici weiß, daß Gambetta’s Vater der Württemberger Sackjude Gombert gewesen, der nach Italien gegangen und sich dort Gambetta genannt. Dort habe er seinen Sohn Leon „taufen“ lassen. Zum Schlusse theilt Dr. Henrici noch mit, daß am 1. Oktober ab das Parteiblatt, der „Reichsherold“, täglich erscheinen werde, und fordert zur Unterstützung der Partei sowie des Blattes auf.

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