Kandidatenrede von Moritz Klotz

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Allgemeine Zeitung des Judenthums, 13. September 1881

Berlin, 2. Sept. Neben mehreren antifortschrittlichen, mehr oder weniger antisemitisch angehauchten Versammlungen fand am 29. [August 1881] im 6. Wahlbezirk das Sommerfest des fortschrittlichen Wahlvereins statt, das sich zu einer großartigen Kundgebung gestaltete. Die Hauptrede hielt der Abg. Landgerichtsdirektor Klotz [Deutsche Fortschrittspartei], der u. A. äußerte: „Und nun zur Antisemiten-Bewegung! Wir rechnen es uns zur Ehre, an der Spitze zu stehen im Kampfe gegen diese Bewegung. Möge Berlin die Schmach von sich abwenden, auch nur in einem Wahlkreise durch einen Anhänger dieser Bewegung vertreten zu sein. Die Röthe der Scham steigt uns in’s Gesicht, denken wir daran, wie das Urtheil des Auslandes über uns lauten müßte, wenn auch nur ein einziger Berliner Antisemit im Reichstag Zeugniß ablegen sollte von der Stellung des politisch gebildeten Theils der Bevölkerung Berlin’s zur Judenfrage. Nichts ist schmachvoller, als wenn in einem Staate, wo Jeder verfassungsmäßig treiben und glauben darf, was er will, eine ganze Klasse der Bevölkerung um ihres Glaubens willen verfolgt wird. —“

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