Für Buchhändler

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Berliner Wespen, 31. August 1881

 

In einigen Berliner Buchläden liegt gegenwärtig eine Broschüre aus, welche die Politik des Reichskanzlers vertheidigt. An der Novität klebt ein Zettel, welcher besagt, daß der Reichskanzler selbst die Broschüre als vortrefflich bezeichnet hat.

Da derartige Zeugnisse auf die Kauflust des Lesepublicums offenbar einen bedeutenden Einfluß ausüben, so geben wir hiermit den Buchhändlern einige Zettel zum beliebigen Ausschneiden und Ankleben.

Zu einer Sammlung neuer Liebesgedichte: Soeben erhalten wir eine Postkarte, auf welcher uns der Verfasser seine außerordentliche Zufriedenheit mit seinen Gedichten ausspricht. Dieselben dürfen mithin in keiner Bibliothek fehlen.

Zu einer französischen Grammatik: Die Braut des Autors, eines jungen Berliner Oberlehrers, versicherte uns eidlich, daß sie die französische Sprache noch einmal so lieb hätte, seitdem ihr Bräutigam ein so ausgezeichnetes Schulbuch über sie geschrieben habe.

Zu einem fünfbändigen Roman. Dieses Werk hat, wie aus einer uns vorliegenden Depesche hervorgeht, bei drei Tanten des Verfassers großen Anklang gefunden und dürfte mithin eines Riesenabsatzes sicher sein. 

 

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