Die Rolle des Kronprinzen

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Kronprinz Friedrich Wilhelm und Kronprinzessin Victoria

Der Israelit, 7. September 1881

Berlin, 18. Aug. Unsere neuliche Mittheilung, daß der Kaiser und insbesondere der Kronprinz ihr großes Mißfallen über die Judenkrawalle ausgesprochen und einen Bericht eingefordert haben, findet jetzt Bestätigung. Man will wissen, daß auch in der vorgesterigen Unterredung des Kaisers mit dem Reichskanzler diese Frage zur Besprechung gekommen ist. Wie der Reichskanzler jetzt zu dieser Frage steht, läßt sich schwer beurtheilen; thatsächlich hat er auf jedes Telegramm, der antisemitischen Studentenvereine seinen Dank ausgesprochen und neulich noch hat man Herrn Stöcker persönlich auf den Kopf zugesagt, daß er seine Agitationen unter Conniven der Regierung betreibe. (Fr[ankfurter]. Z[eitung].) 

Der Israelit, 23. September 1881

Berlin. Es circulirt ein Gerücht, wonach die letzte Verfügung des Ministers des Innern v. Puttkamer betreffs der Judenexcesse auf eine Intervention des Kronprinzen zurückzuführen ist; der Kronprinz, heißt es, habe aus England ein Schreiben an den Kaiser gerichtet, in welchem er den schlechten Eindruck dargelegt habe, den die letzten Vorgänge in Hinterpommern auf die öffentliche Meinung in England gemacht hätten. Es wird hier erzählt, daß allerdings während des medizinischen Kongresses in London die Judenfrage zwischen dem Kronprinzen und einigen dort anwesenden deutschen Gelehrten, man nennt u. A. Virchow, diskutirt worden ist, wobei der Kronprinz wiederholt sein Mißfallen über die Vorgänge ausgesprochen haben soll. Inwieweit die Mittheilungen über den Briefwechsel zwischen dem Kronprinzen und dem Kaiser korrekt sind, habe ich nicht ermitteln können.

Siehe auch unsere Berichterstattung über die letzten Tage des Kaisers Friedrich 1888:

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