Die Zukunft des officiellen Tons

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Berliner Wespen, 7. September 1881

Die von Schmutz starrende liberale, d. h. antideutsche, landesverrätherische Schandpresse hat die Frechheit gehabt, auf unsere aus den besten Quellen geschöpfte Behauptung, das Tabaksmonopol wurde die Staatscassen mit baarem Gelde überfluthen, mit der dieser Sippe eigenen Gemeinheit den Koth ihres Zweifels zu werfen. Uns ist, als seien wir mit einem neuen Hut unter besoffenes Gesindel getreten und müßten nun froh sein, daß er uns nur angetrieben und nicht noch obenein gestohlen worden ist. Wir geben uns auch nicht die Mühe, diesen Cobdenring, dessen sämmtliche Mitglieder die vaterländische Luft mit den Miasmen ihrer verfaulten Reblaus-Gesinnung vergiften, eines Besseren zu belehren. Strolche, die man bei einem Wäschediebstahl erwischt, ohrfeigt man, aber man hält ihnen keinen Vortrag über ihre angeborene Gemeinheit, und höher als derlei Einbrecher steht uns die liberale Preßhetze, dieser zu einem scheußlichen Klumpen geballte Schandhaufen von geistigen Mißgeburten, wahrlich nicht. Aber immer und immer wieder möchten wir auf die Nothwendigkeit aufmerksam machen, ein Gesetz gegen diese Bursche aufzustellen, wie wir den Ratten Gift legen, oder Petroleum gegen Wanzen anwenden.      

Dr. Reptilius. 

Aus mehreren liberalen Zeitungen: Wir drucken obigen Artikel aus einer der nächsten Nummern der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung nur zu dem Zweck ab, um unseren verehrten Lesern zu zeigen, daß der Ton der Regierungspresse, den wir noch vor wenigen Wochen als unerträglich bezeichnen mußten, sich merklich gebessert hat. Es scheint dies auf einen Wink von oben bewerkstelligt zu sein. Wir wollen heute wenigstens mit Freuden constatiren, daß in dem oben abgedruckten Artikel nicht ein einziges Mal das Wort „Schurke“ vorkommt. Nun kann man sich doch wieder mit den officiösen Herren in eine Discussion oder in eine Polemik einlassen.

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