Dallas bleibt in Amerika

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Im Juli 1881 stößt eine Gesellschaft bei Bohrungen in Oelheim bei Peine auf Erdöl. Angereizt wird die Suche in der Zeit durch den neuen von Bismarck eingeführen Zoll auf Petroleum. Noch gibt es keine Autos, Öl wird hauptsächlich in Öllampen verwendet, die sich im Gegensatz zu Gaslicht auch Ärmere leisten können. Die Fortschrittspartei bekämpft die Zölle als Besteuerung des Lichtes für die weniger wohlhabenden Bevölkerungsklassen.

Große Erwartungen knüpfen sich an die Funde in Oelheim, was binnen kurzem zu einem Boom für Aktien von Ölunternehmen führt. Allerdings stellt sich schon bald heraus, daß das Erdöl vielleicht doch nicht so sprudelt, wie zunächst gedacht. Die „Berliner Wespen“ machen sich über die unsoliden Unternehmen am 7. September 1881 lustig:

 

Bohrlöcher-Actiengesellschaft.

Auszug aus dem Prospect. 

§ 1. Sobald die Bohrlöcher im Petroleopolis keine Erträge mehr liefern, resp. nicht mehr genug, um eine mäßig kleine Nachtlampe zu füllen, werden die vorhandenen Bohrlöcher in ein Actienunternehmen umgewandelt.

§ 2. Die Bohrlöcher werden wie folgt und ganz gewiß mit großem Nutzen verwerthet:

  1. als Unterkommen für solche Actionäre der Gesellschaft „Petroleopolis“, welche Alles eingebüßt haben und obdachlos geworden,
  2. als Ersatz für den Schornstein, in den besser situirte Actionäre der genannten Gesellschaft sonst ihre Verluste zu schreiben pflegen.

§ 3. Die Gesellschaft behält sich vor, die Bohrlöcher noch anderweitig zu verwenden, etwa als Schupflöcher für solche Actionäre, welche sich vor ihren Gläubigern zu retten wünschen.

§ 4. Die Höhe des Actiencapitals wird im Verhältniß zu der Dauer der Hausse bestimmt, in welcher sich die Actien der Gesellschaft „Petroleopolis“ befinden.

Die Actiengesellschaft „Bohrlöcher.“

 

Siehe auch: Rockefeller muß sich nicht warm anziehen

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