Die neueste Mode aus Paris: Mondschirme

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Neue Freie Presse, Wien, 13. September 1881

[Modethorheiten.] Ueber eine neue sonderbare Mode wird aus Paris Folgendes mitgetheilt: Die neueste Mode der Saison sind die Mondschirme. Die Begründer dieser Mode behaupten, daß die Mondstrahlen ebenso gefährlich sind, wie Sonnenstrahlen, und daß man durch dieselben ebenso leicht mondsüchtig werden, wie man durch heiße Sonnenstrahlen den Sonnenstich bekommen könne. Während die Sonne die Haut bräune, trockne der Mond dieselbe aus und mache sie bleich. Besonders werden die Mondschirme für den Landaufenthalt, wo Spaziergänge während der hellen Mondscheinnächte so beliebt sind, empfohlen. Diese Schirme werden in niedlichster Form aus Gaze, mit rothem Seidenbande verbrämt, hergestellt. Dazu pflegt man Korkschuhe zu tragen, die in entsprechender Verfeinerung der Form der Holzschuhe nachgebildet sind. Den eleganten Landanzug vervollständigen dann roth- und gelbgestreifte Seidenstrümpfe, sowie ein kurzer roth- und gelbgestreifter Rock aus starkem Leinen, ferner ein großer, mit einem Büschel Weizen-Aehren geschmückter Strohhut und ein weißes Mousselinetuch, welches über die Brust geknüpft wird. 

 

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