Die wundersame Steigerung des ostdeutschen IQs

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Unser Artikel Führt ein höherer IQ zu mehr Wohlstand oder umgekehrt? hat in den Kommentaren einige Diskussionen ausgelöst. Im Wesentlichen referieren wir nur Argumente eines Artikels von Ron Unz und kommentieren diese am Rande.

Worum geht es? Die beiden Wissenschaftler Lynn und Vanhanen haben IQ-Studien weltweit gesichtet. Sie finden, daß wirtschaftlicher Wohlstand und durchschnittlicher IQ eines Landes eng miteinander zusammenhängen. Ihre Erklärung ist die, daß ein höherer IQ zu einem höheren Wohlstand führt. Und da der IQ nach ihrer Ansicht hauptsächlich erblich ist, folgt die Verteilung des weltweiten Wohlstandes aus der Verteilung der IQs in den Ländern.

Diese Behauptung wurde von Ron Unz kritisiert. Eines seiner Argumente stellt heraus, daß Bevölkerungen mit einer sehr ähnlichen Herkunft je nach den Umständen deutlich abweichende durchschnittliche IQs aufweisen. Ein Beispiel sind die Unterschiede von Ost- und Westdeutschen bis zur Wiedervereinigung. mit einem Vorsprung von 5 bis 10 Punkten für die Westdeutschen. Dafür können eigentlich keine genetischen Gründe verantwortlich sein.

Ein Kommentator stellte zwar die Behauptung auf, daß mehr die Gescheiten aus der DDR vor dem Mauerbau in den Westen gegangen seien, ohne das weiter zu belegen. Da dies aber nur etwa 20% der Bevölkerung ausmachte, würde das bedeuten, daß die Auswanderer einen massiv höheren IQ gehabt hätten, was die meisten zu ziemlichen Ausnahmeerscheinungen gemacht hätte, damit der Dreisatz aufgeht (auf die westdeutsche Bevölkerung genommen, war der Anteil geringer, sodaß der IQ dort viel weniger gestiegen wäre, als auf ostdeutscher Seite gesunken).

Tatsächlich gab es ein Gefälle innerhalb Deutschlands, wie diese Grafik aufzeigt, die auf der Auswertung von Tests mit Rekruten aus verschiedenen Regionen basiert (keine Datumsangabe, der Artikel ist von 2003, also vermutlich 10+ Jahre alt). „Der Spiegel“ zieht daraus seine eigenen Behauptungen. Dabei ist in der Grafik nicht allein ein Gefälle von Ost nach West, sondern auch von Nord nach Süd zu sehen, das komischerweise relativ gut, wenn auch nicht perfekt, mit wirtschaftlichem Wohlstand zusammenpaßt. Dafür könnten natürlich sehr intelligente Flüchtlinge über den Weißwurstäquator verantwortlich sein.

Aber auch hier stellt sich die Frage: Sind Leute in Bayern oder der Region um Stuttgart wohlhabender, weil sie schlauer sind, oder schlauer, weil sie wohlhabender sind (mal abgesehen von einem schlauen Flecken in Sachsen, der in kein Bild reinpaßt).

Nun gibt es allerdings eine neue Studie, auf die Ron Unz verweist (HT: Marginal Revolution). Danach hat sich der IQ zwischen Ost- und Westdeutschland von 1990 bis 2006 in etwa angeglichen, mit großen Fortschritten allein bis 1998. Das unterstreicht, daß im Wesentlichen keine genetischen Gründe dahinterstecken können. 16 Jahre sind noch nicht mal eine Generation, in der das passiert sein sollte. Oder anders gesagt: es ist doch vielleicht der Wohlstand, der den IQ treibt, und nicht umgekehrt. (Genau genommen: Es muß nicht der Wohlstand sein, es könnte auch eine Größe sein, die beide treibt. Das Argument geht hauptsächlich darauf aus, die Behauptung von Lynn und Vanhanen zu widerlegen, ohne selbst eine Erklärung geben zu müssen.)

 

Siehe auch: Werden wir alle Zwerge und Deppen?

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