Der amerikanische Präsident ist tot

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Am 2. Juli 1881 verübt der verwirrte Charles Guiteau ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten James Garfield (Republikaner). Guiteau fühlt sich um Beförderung zum Konsul in Paris betrogen für seine Unterstützung des Wahlkampfs von Garfield, die aber nur in seiner Fantasie vorgekommen ist.

Garfield überlebt das Attentat. Allerdings kann eine der Kugeln nicht entfernt werden. Diese führt zu einer Entzündung. Nach langem Kampf, über den die Presse am Schluß von Tag zu Tag berichtet, stirbt er am 19. September 1881. Nachfolger wird Vizepräsident Chester Arthur.

Hier nun ein Bericht der Neuen Freie Presse in Wien vom 20. September 1881:

Präsident Garfield ist todt. Er erlag gestern den Folgen des Attentates, welches am 2. Juli auf ihn verübt wurde. Oft innerhalb dieser dritthalb Monate schien es, als könne Garfield am Leben erhalten bleiben, denn seine mächtige Constitution trotzte dem Tode. „James kann Alles, was er will, und er will nicht sterden,“ sagte seine Gattin, die sich als eine wahre Heldin an dem Kranlenlager des Präsidenten bewährte. Aber der Tod erwies sich schließlich dennoch als der Stärkere in diesem Ringen, das der ganzen Welt ein trauriges Schauspiel bot. Wie nach der Ermordung Abraham Lincoln’s überall in beiden Hemisphären eine gerechte Theilnahme sich mit dem Schmerze der Amerikaner vermischte, so ehrt auch diesmal Europa den Verlust, welchen die Vereinigten Staaten durch Garfield’s Tod erlitten, durch seine lebhafte Mitempfindung. Nun ist, vom gestrigen Tage ab, General Chester Arthur, der bisherige Vice-Präsident, das Haupt der nordamerikanischen Union. Es wird dem General doppelt schwer werden, sich auf seiner Höhe zu erhalten, denn Garfield’s Popularität war eine sehe große, und sein Tod ist durch den Attentäter Guiteau selbst in einen, wenn auch kaum nachweisbaren Zusammenhang mit jener „Corruptionisten-Partei“ gebracht worden, zu welcher General Arthur gezählt wurde. Darüber wird der nunmehr beginnende Proceß gegen Guiteau Aufschluß zu geben haben. Der Tod Garfield’s bedeutet für die Union vielleicht eine Katharsis, eine Reinigung von schlechten Leidenschaften; er ist ein warnendes Merkmal, vor dem jene Rotte von Stellen- und Beutejägern unter der Führung des Senatars Roscoe Conklin sich hoffentlich in die verdiente Finsterniß verkriecht. Der Proceß gegen Guiteau wird im Staate New-Jersey verhandelt werden, in welchem Longbranch, die Todesstätte Garfield’s belegen ist.

Am 28. September 1881 widmen die „Berliner Wespen“ dem verstorbenen Präsidenten als Nachruf ein Gedicht:

† Garfield.

Nach langer Qual ist endlich er erlegen
Der Todeswunde von des Mörders Hand.
O, Land für das er fiel, treu, wie er stand,
Sein Angedenken mache Dir zum Segen!
O schaffe, daß einst Menschen sagen mögen:
Nicht starb umsonst er für sein Vaterland.

Siehe auch: Attentat auf den amerikanischen Präsidenten

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