Südamerika: Für Ausbeuter weiter uninteressant

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Ad Sinistram, der Blog für den Proletarier mit kleinem Latinum, grämt sich in dem Artikel „Nach dem Neoliberalismus“ über die ungeheure Ausbeutung Südamerikas durch die entwickelten Länder, insbesondere durch den Freihandel. Da der Handel mit Südamerika über die Zeit gewachsen ist, sollte die Lage sich in gleichem Maße verschlechtert haben. Nicht ganz logisch wird dennoch für die jüngste Zeit eine Besserung diagnostiziert, weil kleine Zampanos wie Evo Morales oder Hugo Chavez etwas für die Psyche ihrer Landsleute tun:

Unter Morales kommt das neue Selbstbewusstsein der Indigenen zur Entfaltung – und Chávez rührt mit ordentlichem Machismo, dem Naturell südamerikanischer Protzerei, die Trommel gegen die Gringos und stärkt damit die Selbstachtung der Venezolaner.

Alles sehr schön. Doch wie sieht es mit der Ausbeutung der Südamerikaner durch uns Deutsche aus? Die traurige Antwort: leider nicht zum besten. Denn nach Angaben des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2011 fand sich kein einziges südamerikanisches Land unter den 20 Ländern, aus denen am meisten nach Deutschland importiert wurde. Erst auf Platz 21 kamen dann Importe aus Brasilien im Wert von 11,2 Milliarden Euro (weniger als aus Dänemark), auf Platz 43 und 46 Importe aus Argentinien im Wert von 2,3 Milliarden Euro und aus Chile im Wert von 2,0 Milliarden Euro (jeweils weniger als aus Luxemburg), während jedes andere südamerikanische Land Güter für zumeist deutlich weniger als 2 Milliarden Euro absetzte. Zusammen genommen gingen aus ganz Südamerika Güter im Wert von rund 20 Milliarden nach Deutschland.

Zum Vergleich: Deutschland bezog Güter im Wert von 82 Milliarden Euro von den Niederländern, von 79 Milliarden aus China, von 66 Milliarden aus Frankreich, von 48 Milliarden je aus den USA und Italien und von 45 Milliarden aus Großbritannien. Wenn also jemand nach diesem Maßstab Anlaß zum Jammern hätte, dann wären das wohl vor allem die Niederländer, die wir Deutschen viermal so viel wie ganz Südamerika ausbeuten. Gut, daß die nicht Ad Sinistram lesen und nichts von Operettenrevolutionären wie Hugo Chavez lernen wollen.

Aber es wäre ja unsinnig, nur die Importe zu zählen und darüber die Exporte zu vergessen, die gleichzeitig Wohlstand in die betreffenden Länder bringen. So gingen beispielsweise Güter im Wert von 11,2 Milliarden von Deutschland nach Brasilien, im Wert von 2,7 Milliarden nach Argentinien und von 2,3 Milliarden nach Chile. Mit anderen Worten: nach Brasilien gingen fast genauso viele Güter, nach Argentinien und Chile sogar mehr, als aus diesen Ländern nach Deutschland kamen.

An dieser Stelle fängt das Exproprieteursherz nun wirklich zu bluten an. Denn zieht man einen Strich und nimmt die Nettoposition von Importen minus Exporten, so überstiegen die Importe die Exporte nur für Bolivien um 300 Millionen Euro und für Paraguay um 100 Millionen. Für alle anderen südamerikanischen Länder fiel das Defizit geringer aus. Ja nach Argentinien gingen sogar etwa 400 Millionen und nach Chile etwa 250 Millionen mehr an Exporten, als Importe von dort kamen.

Aus Ausbeutersicht ist das ein ganz und gar deprimierendes Ergebnis: Selbst wenn das alles Ausbeutung wäre, dann konnten wir im Jahr 2011 aus Bolivien keine vier Euro pro Kopf der deutschen Bevölkerung herauspressen, aus Paraguay etwas mehr als einen Euro. Und dafür saugen die Brasilianer fünf und die Chilenen drei Euro gleich wieder auf der anderen Seite aus uns heraus. So hatten wir uns das mit dem Freihandel aber nicht gedacht. 

Einziger Lichtblick: erfreulicherweise können wir uns auf die Niederländer verlassen, die uns mit einem Mehr an Importen nach Deutschland gegenüber Exporten von 12,8 Milliarden beglückten. Wir drücken die Daumen, daß sie nicht merken, wie sie mit 51.410 Euro Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei diesem perversen Freihandel immer mehr im Elend versinken, während wir Deutsche von einem Inlandsprodukt von 44.556 Euro pro Kopf in Saus und Braus leben.

Dank U wel! 

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