Bismarck ganz bescheiden

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Neue Freie Presse, Wien, 2. Oktober 1881

Berlin, 1. October. Ein bekannter Führer der antisemitischen Studenten, Dr. Hamel in Rostock, sendete dem Fürsten Bismarck die von ihm herausgegebene Kyffhäufer-Zeitnng, worin gesagt war, die deutsche Jugend empfinde lebhaft die Schmach, die von den ärgsten Feinden des deutschen Volkslebens dem großen Kanzler angethan werde; sie würde aber nach ihrem bisherigen Wahlspruche handeln: „Für Kaiser, Kanzler und Reich.“ Fürst Bismarck schrieb, dem „Deutschen Tageblatt“ zufolge, nebst seinem Dank für die Uebersendung als Antwort darauf Folgendes: „Ich habe mich gefreut, auch in dieser Kundgebung den patriotischen Geist wiederzufinden, dessen Pflege sich die deutsche Jugend unter ihrem Wahlspruche „Für Kaiser und Reich“ angelegen sein läßt, welcher der schönste Ausdruck unserer gemeinsamen Bestrebungen ist. Dieser Ausdruck wird meines Erachtens durch die Hinzufügung des Kanzlers, fo schmeichelhaft dieselbe auch für mich ist, abgeschwächt, da der Kanzler nur der Diener des Kaisers und in dessen Namen einbegriffen ist. Ich möchte daher empfehlen, den Wahlspruch in seiner alten Einfachheit aufrechtzuerhalten.“

Siehe auch: Antisemitische Huldigungen für Bismarck 

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