Energiewende 1881

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Neue Freie Presse, Wien, 11. Oktober 1881

[Elektrische Beleuchtung in der Pariser Oper.] Im Pariser Opernhause werden demnächst zwei große Festvorstellungen gegeben werden, bei welchen alle jüngst ausgestellten elektrischen Apparate zur Beleuchtung der Bühne, des Zuschauerraumes, der Foyers und Treppen verwendet werden sollen. Die erste dieser Vorstellungen wird am 15. d. von dem Minister des Post- und Telegraphenwesens für die officielle Welt, die zweite am 18. d. von dem Director Vaucorbeil für die Fachmänner, für Schriftsteller und Journalisten und für die ständigen Abonnenten der Oper veranstaltet werden. Charles Garnier, der Architekt des Opernhauses, hat selbst die Einführung der elektrischen Beleuchtung in den verschiedenen Räumen des Gebäudes geleitet. Die Bühne wird probeweise während einer Scene des Ballets „Sylvia“, das zur Aufführung gelangt, elektrisch beleuchtet werden. Im Zuschauerraume wird der große Luster mit 500 Lampen nach dem System Swan versehen werden, deren Verwendung auch später fur die Rampenbeleuchtung auf der Bühne in Aussicht genommen ist. Im Foyer werden an den Kronen der Luster 20 elektrische Sonnenbrenner, für die Augen des Publicums verdeckt, zur Beleuchtung der Baudry’schen Deckengemälde und 800 Edison’sche Lampen zur Erhellung des unteren Raumes angebracht. Die Loggia wird durch 20 Jablochkow’sche Kerzen, die große Treppe und das Vestibule durch 35 Lampen nach dem System Brusch, die Rundgalerie durch einen Central-Luster nach dem System Werdermann, die Spiegelgalerie durch fünf Brenner mit Reflectoren nach dem System Jaspard beleuchtet werden. Um der Gefahr eines Erlöschens der Lampen durch eine Unterbrechung des elektrischen Stromes vorzubeugen, werden die Flammen der Gasbeleuchtung blau brennen. Wenn der Erfolg dieser Probebeleuchtung befriedisend ausfällt, sollen jene elektrischen Beleuchtungs-Apparate, die sich am besten bewährt haben, bleibend eingeführt und künftig bei allen Vorstellungen verwendet werden.

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