An die Antis

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Berliner Wespen, 2. November 1881

Nicht ziemt es sich, dem eigenen Verdienste
Errung’nen Sieg und Lorbeer zuzuschreiben,
Es soll der Sieger auch den Stolz bezwingen,
Der oft des Menschen schlimmster Widersacher,
Und des Erfolges Ruhm mit Allen theilen,
Die mitgethan am Werk.
                                               So danken wir
In diesem feierlichen Augenblicke
Besonders Denen, die, ohn’ es zu wollen,
Des Kampfes Lasten uns erleichtert haben,
Das Ziel erreichen halfen!
                                              Theure Antis,
Dank sei Euch dargebracht für alles Böse,
Das Ihr habt freundlich für uns ausgeheckt.
Dank für die Lügen und Verdächtigungen,
Die aus den Spalten Eurer Presse, wie
In den Abruzzen tapf’re Rinaldinis
Auf Wand’rer, meuchlings sich auf uns geworfen
Und mit den Dolchen, aus Reptiliengold
Geschmiedet, uns bedrohten und verletzten.
Dank Denen, die mit allerhandstem Köder
Und allerleister Lockspeis’ uns’re Wähler
Geleitet auf den rechten Weg, Dank Allen
Für jedes böse Wort, das jetzt geflügelt
In unsern frohen Reih’n die Rede würzt
Dank auch für jede Bestialität,
Die sich gar häufig herrlich offeubarte
Wohl unterm Zauberstab des Ziegenhainers
Dank allen Feinden, Dank auf Euren Weg,
Dank jedem Fluchen, jedem bösen Schelten
Kurz Allem, was uns half. — die Zukunft mög‘
Viel tausendfach es, Antis, Euch vergelten!

Erklärung: Mit den „Antis“ sind die Gegner der Fortschrittspartei gemeint, ein Bündnis aus Konservativen und Antisemiten, die sich selbst als „Antifortschritt“ bezeichnen, von den Fortschrittlern einfach „Rückschrittler“ genannt werden. 

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