Festgeschenke

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von Wippchen a.k.a. Julius Stettenheim, 1894

Nun das Fest mit Riesenschritten naht
Und ein Jeder, der ein Liebchen hat,
Grübelt, was er legt zum Angebinde
Auf den Gabentisch dem holden Kinde:

Will auch ich nachdenken liebevoll,
Was die Schar der Wesen haben soll,
Die als meine Lieben und Getreuen
Rosen in mein irdisch Leben streuen.

Also schickt es sich zur Weihnachtszeit,
Sei es auch nur eine Kleinigkeit,
Denn sie seh’n — gering ist meine Habe —
Auf den Geber mehr als auf die Gabe.

Etwas Reizendes bring‘ ich dies Jahr
Meiner semmelblonden Elsa dar,
Als originelles Angedenken
Will der Schönen ich Beachtung schenken.

Meiner Lisi hab‘ ich zugedacht,
Was gewiß ihr viel Vergnügen macht.
Neulich hat gewagt sie, mich zu kränken,
Und jetzt will ich ihr die Strafe schenken.

Wißt Ihr, was Adele haben soll?
Etwas, was besonders wundervoll;
Um sie ganz in Wonne zu versenken,
Will mein Herz ich ihr auf’s Neue schenken.

Ernestine schlank und rabenschwarz
Soll erhalten etwas ganz Aparts,
Ich will ohne kleinlich Bedenken
Ihr mein unbegrenzt Vertrauen schenken.

Alle seh‘ ich schon sich fassen kaum,
Glücklich steh’n am grünen Tannenbaum,
Sprechend, während sie die Blicke lenken
Auf mein Bild: Wie reich weiß er zu schenken!

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