Zahlen beweisen!

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Berliner Wespen, 26. September 1879

Aus der „Germania“.

Des leeren Wortgefechtes müde und die Unmöglichkeit erkennend, auf dem abstracten Boden der Logik, Religion und Metaphysik zu allgemein überzeugenden Resultaten zu gelangen, haben wir, die Redacteure der „Germania“, der Zeitung für das deutsche Volk, beschlossen, uns in Zukunft einer stricteren Beweisführung zu bedienen. Wir werden fortan lediglich auf statistischen Quellen fußen, mit der Zahl operiren und dadurch unsere Schlüsse bis zur Evidenz, mathematischer Lehrsätze erheben. Im Kampfe gegen die Juden soll künftig die Addition unser Panzer, die Subtraction unser Schild, die Multiplikation unser Panier und die Division unser Schwert sein. Mit den vier Species wollen wir sie umstellen, mit Regel de tri zusammenschließen, und auf Logarithmentafeln werden wir Halali blasen!

Schon in einer der letzten Nummern unseres Blattes haben wir aus dem Umstande, daß innerhalb der letzten fünf Jahre 196 per Mille Juden, dagegen nur 240 per Mille Katholiken nach Berlin zugezogen sind, bewiesen, daß die jüdische Zuwanderung die relativ bedeutendste ist. Ohne die Anziehung statistischen Materials wäre uns dies natürlich unmöglich gewesen.

Schreiten wir auf diesem Wege fort und betrachten wir die Zustände in anderen Städten! Welche ein schaudervolles Bild entrollt sich da vor unseren Augen! In einer schlesischen Kleinstadt, die wir speciell zu diesem Zweck untersucht haben, stellt sich nach amtlichen Quellen das Verhältniß etwa so: Die Einwohnerzahl betrug 15,000, darunter 12,000 Protestanten, 6000 Katholiken und 300 Juden. In dieser Stadt giebt es mithin dreimal mehr Juden als Protestanten, fünfmal mehr Juden als Katholiken, also fast siebenmal mehr Juden als Protestanten und Katholiken zusammengenommen. Rechnet man die Garnison des Ortes zu etwa 1100 Mann, so ergiebt sich das erschreckende Factum, daß in dieser deutschen (!) Stadt auf je einen Christen 13, sage dreizehn, Semiten kommen.

Hierzu rechne man die unglaubliche Fruchtbarkeit jenes Stammes. Von fünf eigens zu diesem Zwecke statistisch untersuchten jüdischen Ehepaaren hatten zwei eine Nachkommenschaft von je drei, eines eine solche von zwei Kindern, während zwei Paare kinderlos waren. Mithin stellt sich der durchschnittliche Kindersegen der Juden auf 11 Stück pro Familie. Ließe man jene 5 Paare sich ungehindert fortentwickeln, so würden sie bereits in der vierten Generation zu der enormen Menge von acht Trillionen Menschen angeschwollen sein und schon lange vorher alle Christen in den Ocean gedrängt haben. Die elementare Pflicht der Selbsterhaltung gebietet mithin, dem Zustandekommen jener Progression bei Zeiten durch Ausrottung einen Riegel vorzuschieben.

Es erscheint dies um so nothwendiger, als die Methode des Gelderwerbs bei den Juden mit der Zeit zu den größten Unzuträglichkeiten führen muß. Der Normaljude verdient — was bei der Schlauheit der Race eher zu niedrig gegriffen ist — eine halbe Mark in der Minute, wovon etwa 45 Pf. auf unlauteren Erwerb entfallen. Rechnet man den Tag zu nur 5000 Minuten, so ist Jener nach einem Monate bereits Millionär. Ließe man eine der obenerwähnten Familien ungestört fortmanövriren, so würde sie nach Verlauf eine Schaltjahres die erste Kubikmeile Gold besitzen; die folgende Generation würde aus der Goldmenge bereits eine Kugel zu bilden im Stande sein, innerhalb deren der Mond seine Wanderung um die Erde bequem ausführen könnte. Also seid auf dem Posten, Germanen!

Anmerkung: Die dem Zentrum nahestehende katholische Zeitung „Germania“ wartete ab Mitte der  1870er Jahre immer wieder mit antisemitischen Artikeln auf und war damit einer der Wegebereiter für die erste Welle des Antisemitismus, die im Wahlkampf von 1881 gipfelte.

Maßgeblich für die antisemitische Ausrichtung der „Germania“ war Christoph Joseph Cremer, der ab 1874 als Chefredakteur fungierte. Dieser schloß 1880 sich der antisemitischen „Berliner Bewegung“ unter Adolf Stöcker an und wurde wegen deren protestantischer Prägung aus der Zentrumspartei geworfen. Cremer kandidierte 1881 im 5. Berliner Wahlkreis gegen Eugen Richter, der ihn mit 66% der Stimmen klar besiegen konnte.

Mit Stöcker zerstritt er sich dann später, als dieser sich scharf antikatholisch ausrichtete. Zwischen den beiden kam es zu einem publizisistischen Abtausch über die von Stöcker erhobene Behauptung, Cremer sei von Gerson Bleichröder finanziell unterstützt worden, der unter anderem als Bismarcks Bankier diente. Tatsächlich läßt sich nachweisen, daß Cremer Zuwendungen von Bismarck auf anderen Wegen erhielt.

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