Gezielt spenden

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Letztes Jahr haben wir uns gedacht, wir könnten ja mal etwas für eine gute Sache spenden. Doch dann stellten wir fest, daß es gar nicht so einfach ist, eine solche zu finden.

Eine erste Idee war „Amnesty International“. Wir finden den Grundgedanken sehr gut, mit dem die Organisation einmal angetreten ist, nämlich sich für Menschen einzusetzen, die verfolgt werden, weil sie ihre selbstverständliche bürgerliche Freiheit wahrgenommen haben, vor allem ihre Redefreiheit. Allein als wir uns die Website anschauten, bestätigte sie den Eindruck, den wir schon vor langer Zeit aus der Innenansicht gewonnen hatten, daß sich Amnesty International nämlich immer mehr zu einem Gemischtwarenladen modischer Besorgtheiten umfunktioniert hat. Netto wäre uns mit einer Spende nur übrig geblieben, eine Reihe politischer Agenden nebenbei mitzuunterstützen, die uns nicht am Herzen liegen. Ob unser Wunsch, den Leuten zu helfen, für die Amnesty International einmal gegründet wurde, überhaupt noch eine Rolle spielt, konnten wir nicht ersehen. Also keine Spende.

Als nächstes dachten wir daran, für Nizkor zu spenden. Uns hat der Ansatz der Website schon lange gefallen, Holocaustleugnung durch die detaillierte Zusammenstellung von Fakten auszuschalten und nicht durch Verbote. Und wir hatten uns gewissermaßen dazu verpflichtet, etwas zu geben.

Das kam so: Es war noch unter Bill Clinton, als dieser Bombardierungen im Iraq anordnete. Zeitgleich flutete eine Gruppe von Postern der amerikanischen Neonazi-Organisation „National Alliance“ politische Newsgruppen im Usenet hauptsächlich mit Holocaustleugnung.

Während die deutschen Poster verdattert waren, weil sie im Usenet nicht die Polizei rufen konnten, nahmen die amerikanischen es auf sich, die falschen Behauptungen zu widerlegen. Hierbei erwies sich Nizkor als sehr hilfreich. Allerdings schien die Kampagne der „National Alliance“ gar nicht auf eine Diskussion ausgerichtet zu sein, um ihre Behauptungen zu verbreiten, sondern auf die Unterbindung jeglicher Diskussion. Unsere Vermutung war dabei, daß hier im Auftrag Saddam Husseins eine Art Informationskrieg beabsichtigt war, auch wenn das natürlich schwer zu belegen wäre und reine Spekulation ist.

Jedenfalls hatte dann einer der amerikanischen Poster eine brilliante Idee, die wir als negatives Bundling bezeichnen würden. Er schlug vor, daß sich die anderen Poster verpflichten, für jeden Post der National Alliance einen Dollar an Nizkor zu spenden: sprich, jeder Post hätte für die National Alliance in ihrem Sinne negativer Externalitäten verursacht, die den Wert ab einem gewissen Punkt überstiegen hätten. Ob es daran lag oder daran, daß die Bombardierungen nur kurz währten, daß die Spamaktion im Sande verlief, wissen wir nicht.

Wir dachten also daran, endlich unserer Selbstverpflichtung nachzukommen. Doch schon auf der Website von Nizkor fanden wir keinen Hinweis auf Spendemöglichkeiten. Wir kontaktierten also die Betreiber und erhielten Antwort von B’nai Brith in Kanada, was auf der Website nicht ersichtlich ist. Die Antwort wirkte so, als wenn man sich nicht regelrecht gegen Spenden wehren würde, aber auch kein großes Interesse daran habe. Wir schlossen daraus, daß das Geld hier nicht wirklich dringend gebraucht werde. Also auch keine Spende.

Nach einigem Überlegen haben wir dann für Wikipedia gespendet. Dummerweise war das, bevor wir versucht haben, bei Wikipedia mitzuarbeiten und einen Einblick hinter die Kulissen gewannen. Das war so abstoßend, daß wir uns schon nach kurzem zurückzogen und uns über unsere Spende geärgert haben. Wer die Hintergründe sehen will, schaue sich die Diskussionsseite zum Artikel über Eugen Richter und insbesondere die Zensur durch den User Whoiswohme an.

In diesem Jahr hatten wir dann eine andere Idee, bei der wir uns nicht ärgern würden. Die Werke von Eugen Richter sind leider zumeist nur schwer verfügbar. Wir beauftragten von daher EOD mit der Digitalisierung einer Reihe von Werken von ihm:

Außerdem noch zwei Werke von seinem Freund und Parteifreund Ludolf Parisius:

Wir können eine Digitalisierung durch EOD unseren Lesern nur empfehlen. Sie ist bequem, und die Kosten sind wirklich gering. Das betreffende Buch ist dann über Amazon wieder erhältlich, und man bekommt sogar eine eigene Digitalisierung, über die eine Texterkennung gelaufen ist, sodaß man darin suchen kann. Nach uns nicht verständlichen Kriterien werden manche Bücher zudem online bereitgestellt. Und von Eugen Richter gäbe es noch so einiges, was sich zu digitalisieren lohnte. Wir stellen das beizeiten einmal zusammen.

Also was machen wir nun dieses Jahr mit dem Geld, das wir ja durchaus Laune haben, jemandem zu geben?

Wir würden gerne auf eine Website verweisen, auf die wir durch MarginalRevolution aufmerksam geworden sind: GiveWell.

Das Konzept von GiveWell setzt genau da an, wo wir unser Problem hatten. Wir wollen unser Geld dahin geben, wo es möglichst viel ausrichten kann. Möglichst wenig soll in irgendwelcher Administration versacken. Außerdem wollen wir nicht nebenbei noch andere Sachen wie etwa Missionierungen mitfördern, die uns nicht am Herzen liegen. Nicht große, sondern gezielt arbeitende Stiftungen sollten unsere Unterstützung bekommen. Und es sollte rigoros geprüft werden, daß das alles funktioniert.

Die von GiveWell empfohlenen Stiftungen scheinen uns das sehr gut zu erfüllen:

1. Against Malaria Foundation: Konzentration auf das Verteilen von Netzen, um Malaria einzudämmen. (Wir würden hier auch eine Aufhebung des Verbots von DDT für wünschenswert halten, was allerdings auf einer anderen Ebene stattfinden müßte, vgl. unsere Rezension des Buchs von Robert Zubrin).

2. GiveDirectly: Verteilen von Geld an arme Haushalte in Kenia. Hier gefällt uns der Ansatz, den Betreffenden Geld zu geben, über dessen Einsatz sie selbst entscheiden können, anstatt sie zu bevormunden oder das Geld durch eine Bürokratie im Land zu kanalisieren. Die Sorge, daß das Geld auf den Kopf gehauen werden könnte, wird gut entkräftet. Und selbst wenn, sorgt ein sehr geringer Verwaltungsanteil immer noch dafür, daß genug besser verwendet wird. In eine ähnliche Richtung geht die Aktion von Tyler Cowen von MarginalRevolution, Geld an zufällige Empfänger in Indien zu schicken.

3. Schistosomiasis Control Initiative: Wurmbefall in Entwicklungsländern ist sehr billig und einfach zu verhindern. Dies ist das Ziel der Initiative, das wir auch sehr ehrenwert finden.

Wir haben uns noch nicht entschieden, wofür wir spenden, ob alles für eine Stiftung (was sinnvoll ist, wenn uns eine besonders gefällt) oder an alle drei, würden unseren Lesern aber in jedem Fall empfehlen, sich die Website und zugehörigen Artikel anzuschauen. Wünschenswert fänden wir es auch, wenn es eine ähnliche Einrichtung für den europäischen oder deutschsprachigen Raum gäbe. Uns ist es nicht um Spendenquittungen zu tun, aber das wäre für hiesige Spender vielleicht ein zusätzlicher Anreiz, der bei den zumeist angelsächsischen Stiftungen nicht immer abfällt.

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