Auf welchem Boden steht Deutschland?

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Rudolf Virchow am 30. November 1881 im Reichstag:

Ich erwarte, daß auch die Religion die Grenze, welche die Naturwissenschaft bestimmt ziehen, mit der sie sich ausweisen kann, als berechtigt anerkenne; umgekehrt, meine ich, kann auch die Religion verlangen, daß sie unbehelligt sei auf dem anderen Gebiete. Aber, meine Herren, diese Religion soll nachher nicht kommen und behaupten, daß sie alles machen könne im bürgerlichen Leben. Ja, es ist sonderbar, wenn jetzt Herr von Kleist-Retzow kommt und unsere ganze deutsche Kultur als nur auf dem Boden des Christenthums stehend darstellt. Sie steht auf dem Boden des Judenthums ebensogut, wie das Christenthum auf dem Boden des Judenthums gestanden hat, und wenn einzelne Wissenschaften in unserer Kultur aus verschiedenen heidnischen Wissenschaften sich entwickelt haben, das Recht aus dem Römischen, die Medizin aus dem Griechischen, so wird man doch nicht leugnen dürfen, daß die modernere Kultur nicht mehr eine spezifisch-christliche, sondern eine allgemein menschliche Entwickelung genommen hat.

(Sehr wahr! links.)

Meine Herren, darin liegt der Unterschied zwischen uns. Was Sie „Naturalismus“ nennen, das nennen wir „Humanismus“. 

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