FrankReich benennt sich um in EuroArm

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Wir tun uns schwer zu sagen, ob nun Pest oder Cholera das geringere Übel ist. Und so waren wir mit niedrigsten Erwartungen gleichgültig in die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gegangen. Fast spiegelbildlich agierten die beiden Kandidaten. Während Herr Sarkozy den Wählern des Front National ein Patch Over anbot, biederte sich Herr Hollande bei den Stalinisten und Trotzkisten mit der betagten Klamotte einer Millionärsbesteuerung an.

Was wir Herrn Sarkozy, dem „großen Europäer“, besonders übel anrechnen, war sein Vorstoß gegen das Schengenabkommen. Die Europäische Union hat wenig Gutes für sich vorzuweisen, aber offene Grenzen wenigstens im Innern gehören dazu. Den Präzedenzfall für einen solchen Nationalismus hatten ja die ansonsten so vernünftigen Dänen geliefert. Mit Frankreich wäre dies nun salonfähig geworden. Nicht daß nicht jeder um Wiederwahl ringende Rechte diese Karte bald auch anderswo spielen wird, aber immerhin hat Herr Sarkozy das Verdienst, gezeigt zu haben, daß man damit keine Wahlen gewinnen kann.

Und adieu, M. Sarkozy!

Was nun Herrn Hollande anlangt, kann man sich damit zu beruhigen suchen, daß alles nur Wahlkampfgerede war. Doch leider lehrt die Erfahrung, daß, wo Sozialismus draufsteht, auch meistens Sozialismus drin ist. Insbesondere bauen wir nicht wie verschiedene Kommentatoren auf die „Bond Vigilantes“, eine etwas alberne Personifizierung des Rentenmarktes, welche über höhere Renditeaufschläge der Grande Fiction den Geldhahn zudrehen werden, oder auf die Ratingagenturen, die mit Herunterstufungen Herrn Hollande zur Raison bringen könnten.

Steigende Renditeaufschläge, flaue und gescheiterte Auktionen von französischen Staatsanleihen, Herabstufungen der Ratings, all das wird zwar wirklich passieren, aber wenn eines die bisherige Eurokrise gelehrt hat: die Realität muß kein Hindernis für die Fantasie sein. Wenn sich Politiker und ihre Wähler einmal in den Kopf gesetzt haben, es den Märkten zu zeigen — also Millionen und Abermillionen vernünftigen Menschen, die sich aus purem Eigennutz nichts vormachen —, dann lassen sich die unvermeidlichen Rückschläge auch gut nutzen, es mit einer immer größeren Bazooka zu versuchen.

Als etwa deutsche Autofahrer über die hohen Spritpreise zu Ostern jammerten, die doch im Wesentlichen durch die hohen Steuern bedingt sind, da wurde dies einfach umgedreht in einen heiligen Krieg gegen die Ölkonzerne. Alles Argumentieren half nichts. Und Herr Rösler setzte dem ganzen dann — sancta simplicitas! — die Krone auf mit dem Vorschlag einer Kontrollbehörde, wohl als Vorstufe zur staatlichen Preisfestsetzung.

Von daher denken wir, wird Herr Hollande eine geraume Zeit damit durchkommen, gegen die Probleme zu wettern, die er mit seinen Lösungen zu schaffen sich anschickt. Und alle Sozialisten Europas werden seinen „Erfolg“ zum Vorbild nehmen. Wir aber sprechen unseren Freunden jenseits des Rheins unser Beileid aus — mitfühlend, weil es in Deutschland ja keineswegs viel besser ausschaut. Und wir wünschen, daß das Land, das der Welt einen Frédéric Bastiat geschenkt hat, auf Dauer nicht so verblendet bleiben kann und eines Tages die große Fiktion wieder durchschaut:

L’État, c’est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s’efforce de vivre aux dépens de tout le monde.“Frédéric Bastiat, 1848.

Quelle: Despair.com

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