Warum der „War on Drugs“ verloren ist

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Im Wall Street Journal plädieren Gary Becker, Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften, und Kevin Murphy für ein Ende des „War on Drugs“, der in den USA schon seit 1971 geführt wird. Der Titel nimmt das Fazit vorweg: Have We Lost the War on Drugs?

Der Artikel trägt einige wesentliche Punkte zusammen, wie und wieso der „War on Drugs“ so verheerend gewirkt hat. Pro Jahr werden allein 40 Milliarden Dollar in den USA dafür verbraten. Der starke Anstieg der Bevölkerung in Gefängnisse ist zu einem großen Teil durch den Drogenkrieg verursacht:

About 50% of the inmates in federal prisons and 20% of those in state prisons have been convicted of either selling or using drugs.

Die Logik, die Preise für Drogen hochzutreiben, führt dazu, daß der Markt zugunsten von gut organisierten Banden verzerrt wird, denen die Ausschaltung von Kleinkonkurrenz durch die Polizei sogar recht sein kann. Und „gut organisiert“ bedeutet hierbei, daß sich diese Banden durch Gewalttätigkeit, Einschüchterung und Korruption einer Verfolgung entziehen können. Dramatisch sind hier die Ergebnisse beispielsweise in Mexiko gewesen, das unter dem Druck der USA den Drogenkrieg führt:

Mexico offers a well-documented example of some of the costs involved in drug wars. Probably more than 50,000 people have died since Mexico’s antidrug campaign started in 2006. For perspective, about 150,000 deaths would result if the same fraction of Americans were killed. This number of deaths is many magnitudes greater than American losses in the Iraq and Afghanistan wars combined, and is about three times the number of American deaths in the Vietnam War.

Und was sind die „Erfolge“? Höhere Preise für Drogen senken den Drogengebrauch, wenn man das für einen Erfolg hält. Allerdings kann das auch nur bedeuten, daß illegale durch legale Drogen substituiert werden. Zudem kann das illegale Ambiente die Drogennutzer davon abhalten, auf Entzug zu gehen, sodaß zwar vielleicht weniger Menschen Drogen nehmen, dafür aber umso mehr in der Abhängigkeit gefangen bleiben.

Gary Becker und Kevin Murphy kontrastieren die amerikanische Erfahrung mit der in Portugal, wo seit 2001 der Konsum von Drogen entkriminalisiert ist, aber nicht der Drogenhandel. Die Ergebnisse in Portugal fallen dabei gut aus, und das ohne den großen Aufwand und die sekundären Folgen des „War on Drugs“. Die Autoren gehen aber noch einen Schritt weiter: Nicht allein der Drogengebrauch, sondern auch der Drogenhandel solle entkriminalisiert werden. Ihr Fazit:

The decriminalization of both drug use and the drug market won’t be attained easily, as there is powerful opposition to each of them. The disastrous effects of the American war on drugs are becoming more apparent, however, not only in the U.S. but beyond its borders. Former Mexican President Felipe Calderon has suggested „market solutions“ as one alternative to the problem. Perhaps the combined efforts of leaders in different countries can succeed in making a big enough push toward finally ending this long, enormously destructive policy experiment.

Nicht daß es in den USA an ähnlichen Forderungen gefehlt hätte. Wir haben nicht zuletzt deshalb Gary Johnson unterstützt, dessen Programm genau diese Punkte aufnahm. Aber bemerkenswert und erfreulich, daß dies auch in so öffentlicher Weise von derart prominenten Wissenschaftlern kommt.

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