Warum nicht ein Mindestlohn von 100 Euro pro Stunde?

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Politisch geschickt hat die CDU sich nun in den sozialdemokratischen Konsens für staatlich vorgeschriebene Mindestlöhne eingereiht. Für den mit dem Herzen Denkenden ist das auch richtig so. Natürlich wünscht man jedem, daß er ein schönes Gehalt hat und gut davon leben kann.

Die einfache Reductio ad Absurdum geht jedoch so: Wenn man per staatlicher Festlegung einen Mindestlohn von z. B. 10 Euro pro Stunde durchsetzen kann, ohne daß das irgendwelche nachteiligen Effekte hätte, warum ist man dann so kleinlich und spricht sich nicht gleich für einen Mindestlohn von 100 Euro aus? Dann ginge es doch allen noch besser. Entweder das Argument stimmt in beiden Fällen nicht oder man muß begründen, warum es unterhalb einer recht niedrigen Schwelle richtig, darüber aber falsch ist.

Eine einfache Übersetzung hilft beim Verständnis. Das Wort „Mindestlohn“ ist suggestiv gewählt. Vorausgesetzt wird nämlich, daß man einen Lohn bekommt. Und dann kommt das Versprechen, daß dieser mindestens ein gewisses Niveau hat.

Doch der Staat kann hier wie anderswo nur per Zwang Dinge unterbinden, die ansonsten freiwillig zustande gekommen wären. Er kann diese Freiwilligkeit nicht erzwingen. Einen Lohn gibt es aber nur da, wo freiwilig ein Arbeitsverhältnis geschlossen wird, das sich für beide Seiten lohnt. Und für den Arbeitgeber lohnt es sich nur bei einer entsprechenden Produktivität des Arbeitnehmers. Wenn man nun das Wort „Mindestlohn“ einfach ersetzt durch „Verbot von Arbeit für wenig Produktive“, dann wird die sympathische Forderung, bei der man anderen etwas gönnt, ein Faustschlag ins Gesicht für alle, die wenig produktive Leistungen anzubieten haben.

Natürlich ist das auch der Grund, warum die Forderung nach einem Mindestlohn von 100 Euro pro Stunde absurd ist. Ein Verbot von Arbeit für Leute, die dafür zu wenig produktiv sind, würde fast jeden treffen. Oder wie es das alte Jazzstück von George Gershwin formulierte: „Nice work if you can get it. And if you get it, won’t you tell me how.“

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