Laßt 1000 Ämter blühen!

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von Henning Helmhusen, 2004

Die wenigsten von uns hatten wohl bis vor kurzem etwas von einem „Arbeitsamt“ gehört, bis dessen Arbeit wegen einiger Unregelmäßigkeiten in die Kritik geriet. Dabei gibt es noch viel mehr staatliche Einrichtungen, die fernab der Öffentlichkeit unermüdlich für das Gemeinwohl arbeiten.

So bemühen sich etwa die föderal gegliederten Landeskochstudios, das Niveau in deutschen Küchen zu heben. Unterstützt werden sie dabei von der Bundesstiftung Kochen, die die besten kulinarischen Leistungen des privaten Sektors mit ihrer Gulaschkanone in Gold und Silber auszeichnet.

Das Bundesaufsichtsamt für die Modeindustrie (BAMod) achtet darauf, dass Modeschöpfer sich nicht durch zu gewagte Kreationen ruinieren. Die Kunden werden ihrerseits überwacht von der Bundesprüfstelle für modischen Geschmack, welche sich beispielsweise durch die Festlegung der amtlichen Modefarben ein gewisses Ansehen erworben hat.

Überhaupt ist die Gestaltung des Privatlebens eine der originären Aufgaben des modernen Staates. Hier wirkt auch die Bundeszentrale für Freizeitgestaltung. Mit kostenlosen Faltblättern wie „Ich mach Hula Hoop. Na und?“ oder „Aerobic – das ist der neuste Trick!“ sucht sie den Deutschen die aktuellen Trendsportarten ans Herz zu legen.

Ganz neue Wege beschreitet hingegen die GEZ mit einem hauseigenen Geheimdienst, der unter der Losung „Feind schaut mit“ neue Gebührenzahler sucht. Etwas unglücklich ist dabei bloß der Name „GEZapo“ geraten. Aber auch wer immer brav seine Fernsehgebühren bezahlt, sollte sich nicht zu sicher fühlen. So verlangt etwa die Regulierungsbehörde für die deutsche Sprache von jedem einen Obolus, der deutsch spricht. Schließlich sei nur durch ihre Arbeit die sprachliche Grundversorgung gewährleistet.

Leider bahnt sich auch schon ein neuer „Skandal“ an. So hat die Bundesanstalt für Partnervermittlung jahrelang ihre Zahlen geschönt. Schon wer in derselben Schlange stand, wurde als vermittelt gezählt. Und die Standesämter halfen kräftig mit, indem sie Heiratswillige zu einem Beratungsgespräch verpflichteten. Doch Besserung ist nun in Sicht: der Kanzler hat die zwischenmenschlichen Beziehungen zur Chefsache erklärt.

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