Was verdient der Reichskanzler?

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Berliner Gerichtszeitung, 17. Januar 1878

Durch die Blätter geht die Notiz, Fürst Bismarck beziehe vom Staate [Preußen] resp. Reiche ausweislich des Etats nur 54,000 Mark als Reichskanzler. Außerdem hat er indeß freie Wohnung als Präsident des preußischen Staatsministeriums und wird sie demnächst auch als Reichskanzler haben. Daneben bezieht er 8000 Mark Pension als früherer Minister für Lauenburg. Das Gehalt des preußischen Ministerpräsidenten mit 36,000 Mark wird im Etat als „zur Zeit erspart“ bezeichnet.

Erläuterung

Es ist schwer, Mark im Jahr 1878 mit Euro heute zu vergleichen. Eine Annäherung kommt zu einem Wechselkurs von etwa 1 Mark = 10 Euro. Damit verdient Bismarck als Reichskanzler ungefähr 540.000 Euro im Jahr und mithin deutlich mehr als Angela Merkel als Bundeskanzlerin.

Noch besser stellt sich Bismarck, wenn man sein Gehalt mit einem Durchschnittseinkommen vergleicht. 1890 berechnet Eugen Richter in den „Irrlehren der Sozialdemokratie“ das Durchschnittseinkommen in Preußen auf 842 Mark im Jahr. Mit anderen Worten: nach dem obigen Umrechnungskurs ist somit der Schnitt der Bevölkerung auf Hartz IV trotz Arbeit, viele liegen noch darunter und sogar weiter darunter. 1878 sind die Verhältnisse sogar noch schlechter.

Aber nehmen wir durchaus den etwas besseren Stand von 1890. Dann verdient Bismarck mehr als das 64fache des Durchschnittseinkommens, wobei zu beachten ist, daß es sich hierbei um alle Einkünfte, nicht nur als Gehalt, sondern auch aus Kapital handelt. Der durchschnittliche Arbeiternehmer verdient, wie Eugen Richter ausrechnet, nur 640 Mark im Jahr, was sogar ein noch höheres Verhältnis ergäbe.

Der durchschnittliche Brutto-Jahresarbeitslohn liegt heute bei etwa 29.000 Euro im Jahr. Im Verhältnis dazu würde Bismarck mehr als 1,8 Millionen Euro verdienen. Das ist nicht nur weit mehr als Frau Merkel bekommt, sondern sogar mehr, als Peer Steinbrück mit seiner Standup Comedy abgreifen kann.

Unser Tipp von daher: Herr Steinbrück von der Partei der Besserverdienenden sollte sich vielleicht lieber um den Posten des Reichs- und nicht des Bundeskanzlers bemühen!

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