Für die hohe Adels- un Baarjeldaristokratie

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Berliner Wespen, 25. Januar 1878

Jeehrte Aristokratie!

Wie wir aus die Zeitungen, Journale un ähnliche Blätter ersehen, is der Andrang zu die kommenden Hoffestlichkeiten ein sojenannter enormer. Eine Eintrittskarte wäre für Viele von Ihnen der schönste Tag Ihres Lebens un Sie setzen alle Hebel un Bekanntschaften in maßjebenden Kreisen in Bewejung, um eine Karte habhaft zu werden. Aber Allens nutzt nischt. Der Raum is zu beschränkt, un Sie kommen nich dazu. Wo Sie ankloppen, wird der Kopp geschüttelt un sehr bedauert. Es is keen Plätzchen mehr frei.

Nu fragen wir: Was blüht Ihnen denn, wenn Sie noch’ne Einlaßkarte kriejen? Jroße Hitze, Jedränge, nischt zu essen un nischt dazu zu trinken und Tritte uf die unbewaffnete Hühneroogen, um schließlich nischt jesehen zu haben. Da es Ihnen aber nu um diese Jenüsse so sehr zu thun is, so haben wir uns entschlossen, dem alljemein jefühlten Bedürfniß abzuhelfen.

Wir haben nämlich für die Zeit der Hoffestlicbkeiten ein Zimmer jemiethet, in welchem wenigstens 30 Personen in jroßer Jalla höchst unbequem stehen können. Dazu jeben wir mindestens 60 Karten à 20 Mark an Adlige un Jeldnabobs aus un verpflichten uns, daß jeder Theilnehmer es in dem Zimmer vor jroßer Hitze, Jedränge, Hunger, Durscht un Tritte uf die Hühneroogen nich wird aushalten können. Ooch soll dafür jesorgt sein, daß er absolut nischt sieht, als wie eine an der Decke brennende Jaslampe. Die Jesellschast bleibt von 9 Uhr Abends bis jejen Mitternacht zusammen un wenn sie das Lokal verläßt, — Jarderobe extra 50 Pfennige, — hat sie alle Jenüsse gehabt, die den Jästen bei einer Hoffestlichkeit blühen.

Wir haben ooch dafür jesorgt, daß einige Herren Von da sein werden, die die Theilnehmer von oben herab ansehen un ebenso behandeln, so daß es an nischt fehlen wird un die Täuschung vollkommen is. Karten sind täglich bei uns zu haben.

Die Unternehmer:
Muckenich un Jenossen.

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