Der Krieg auf dem Balkan

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Neue Freie Presse, Wien, 26. Januar 1878

Der Krieg.

Wien, 25. Januar.

Während die Bevollmächtigten des Sultans im russischen Hauptquartier zu Kazanlik über den Waffenstillstand und die Friedens-Präliminarien unterhandeln, überbieten sich Montenegro, Rumänien und Serbien in eiliger Hast, um noch, bevor sie durch das Machtwort Rußlands wieder an die Kette gelegt werden, jene Brocken aufzuschnappen, welche von der Tafel des siegreichen Czars abfallen. Die Rumänen beschießen seit gestern Widdin mit großer Heftigkeit und wollen noch in letzter Stunde einen Sturm auf die belagerte Festung versuchen. Die Serben sind bis noch Pristina vorgedrungen, das sie um jeden Preis noch vor Thorschluß erobern wollen. Ihre bisherigen Angriffe sind indeß resultatlos geblieben, obwol sie 60 Bataillone stark sind, während die Türken unter Taja und Hassan Pascha nur 30 Tabors zählen. Endlich haben die Montenegriner sich des Forts Grmajour noch längerer Brschießung bemächtigt, wobei vier Geschütze, viele Gewehre und Munition in ihre Hände fielen.

Wie man der Pol. Corr. aus Konstantinopel berichtet, laufen bei der Pforte fortwährend Telegramme ein, welche die Fortsetzung des Vormarsches der Russen gegen Gallipoli melden. Mit Rücksicht auf diesen Umstand wurde Suleiman Pascha zum Commandanten en chef der Truppen in den Befestigungen von Bulair ernannt. welche Gallipoli vertheidigen.

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