Spannungen zwischen Rußland und Rumänien

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Neue Freie Presse, Wien, 1. Februar 1878

In Rumänien ist die Aufregung wegen der von Rußland geforderten Wiederabtretung Bessarabiens in täglichem Wachsen begriffen. „Vergebens,“ schreibt man der Allgemeinen Zeitung aue Bukarest, „heben die rumänischen Staatsmänner hervor, daß Rußland ja nicht mit Rumänien, sondern mit der Türkei Krieg geführt habe; vergebens erinnern sie an die russischen Versprechungen vor Beginn des Krieges, vergebens an die mit Rußland abgeschlossene Durchzugs-Convention, vergebens an die Bundesgenossenschaft, welche während mehrerer Wochen so werthvoll war, daß sie die russische Armee nach den ersten Niederlagen vor Plevna vor dem Untergang bewahrte; vergebens ist die Berufung darauf, daß der Kaiser aller Reussen Rumänien de facto als einen unabhängigen Staat betrachtete, als es seine Bundesgenossenschaft und die Decoration des Fürsten Karl annahm — Rußland stellt allen diesen Gründen die „zwingende Nothwendigkeit“ entgegen: daß 1. der Friede von 1878 vor allen Dingen dem russischen Reiche zurückgeben müsse, was ihm der Friede von 1856 genommen, damit sein Prestige sowol in den Augen der eigenen Völkerschaften als in denen des Orients wieder hergestellt werde; daß 2. Rußland in directer Verbindung mit dem neu zu errichtenden autonomen Staate Bulgarien stehen müsse, damit seinen Zukunftsplänen durch eine eventuelle Neutralisirung Rumäniens von Seite der europäischen Großmächte nicht ein vielleicht unüberwindliches Hinderniß in den Weg gelegt werden könne. Somit stehen sich die Interessen Rußlands und die Rumäniens schroff gegenüber.“

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