Die paradiesischen Zustände Preußens

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Hamburger Wespen
Julius Stettenheim, 1831 in Hamburg geboren, gründete 1862 in seiner Vaterstadt das Satireblatt „Hamburger Wespen“. Als Teilnehmer an der Revolution und Demokrat war er nicht gut auf Preußen zu sprechen. So konnte er nicht aus Hamburg hinaus, denn nur hier war er sicher, aber sobald er über die Stadtgrenze gegegangen wäre, hätte man ihn auf Wunsch Preußens sofort verhaftet (ganz ähnlich wie Friedrich Stoltze in Frankfurt). Julius Stettenheim revanchierte sich mit Spott. Gleich in der ersten Ausgabe hieß es:

Die Wespen lassen den ersten Flügelschlag ihrer freien Seele rauschen. […] Die Wespen verwunden Keinen, der sie nicht ärgert. Moral: Man ärgere sie nicht! […] Die Farbe, mit der sie gedruckt werden, ist Schwarz, jedoch wird man, wenn man genau hinsieht, weder Roth, noch Gold dabei vermissen. […] Sie bitten, daß Gott ihr Deutschland gegen dessen Väter und ihren Redakteur gegen den Staatsanwalt in Schutz nehmen möge! Amen!

Auf die ersten Ausgaben der „Hamburger Wespen“, die auch in preußisches Gebiet geliefert wurden, setzte es dort Konfiskationen. Für den Wirbel, den das zur Folge hatte, bedankten sich die „Hamburger Wespen“ 1863 beim preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck:

Ha, Bismarck, Wespenleser Du,
Bewegt Gemüth, gieb Dich zur Ruh,
Was hilft dein Criminal-Edict?
Die Wespen sind Dir zu geschickt. Aetsch! Aetsch!

Und würdest Du auch nicht am End‘
Der Wespen fester Abonnent,
Für die Reclame sagen wir
Den Besten Dank, Herr Bismarck, Dir. Aetsch! Aetsch!

Nach dem Krieg gegen Österreich 1866 wurde eine Amnestie erlassen, sodaß Julius Stettenheim wieder aus Hamburg hinaus konnte. 1868 zog er nach Berlin, und aus den „Hamburger Wespen“ wurden die „Berliner Wespen“.

Wir bringen aus der frühen Zeit eine Karikatur, und zwar vom 2. Oktober 1863. Es ist die Zeit des preußischen Verfassungskonflikts. Ein noch etwas jüngerer Otto von Bismarck, bringt den preußischen König und späteren Kaiser Wilhelm I. mit dem Apfel „Verfassungsbruch“ in Versuchung.

Die paradiesischen Zustände Preußens.

Die paradiesischen Zustände Preußens

Vor der Sündfluth.

Hinweis

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Eine Antwort auf Die paradiesischen Zustände Preußens

  1. Werner Michaelsen sagt:

    Julius Stettenheim ist mir sehr nahe; denn er ist mein Urgroßonkel. Ich erfreue mich an all seinen Schriften. Leider, wie das so häufig ist, habe ich in meiner Jugend kein Interesse an vergangener Familie gezeigt, bis es zu spät war.

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