Wera Sassulitsch

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Berliner Wespen, 26. April 1878

Wera Sassulitsch

Ein Schuß Wermuth in den Freudenbecher!

Hintergrund

Im Januar 1878 verübt die Anarchistin (später Menschewikin) Wera Sassulitsch ein Revolverattentat auf den St. Petersburger Gouverneur Fjodor Trepow, der dabei schwer verletzt wird. Dieser hatte über einen politischen Gefangenen, Alexej Bogoljubow, die Prügelstrafe verhängt, weil der in der Gegenwart des Gouverneurs seine Mütze nicht gezogen hatte. Zudem ist Trepow verhaßt, weil er den polnischen Novemberaufstand niedergeschlagen hat.

Im April kommt es vor Gericht zu einem Freispruch für Wera Sassulitsch durch die Geschworenen. In der Karikatur ist schwer zu entscheiden, ob Trepow oder nicht eher Zar Alexander II. dargestellt ist. Auf dem Tisch liegt nämlich ein Blatt mit der Aufschrift „S[an] Stefano“. In San Stefano in der Nähe von Istambul ist im März 1878 ein vorläufiger Vertrag unterzeichnet worden, in dem Rußland seine Forderungen gegenüber dem osmanischen Reich weitgehend durchdrückt. Die anderen Mächte Europas, vor allem Großbritannien und Österreich-Ungarn, werden später im Jahr auf dem Berliner Kongreß Rußland wieder zurückpfeifen.

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