Epilog

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Berliner Wespen, 17. Mai 1878

Die That geschah! Und lang noch wird sie bang
Der Menschen Seelen schreckensvoll durchschauern,
Wohin die unerhörte Kunde drang,
Erfüllt die Herzen sie mit Zorn und Trauern,
Doch wird die Freude, daß die That mißlang,
Den Zorn, daß sie geschehen, überdauern.

Es hat um seinen Kaiser sich geschaart
Das Volk, mit Wimpeln hat’s und Blumenranken
Geschmückt die Häuser, wie es deutsche Art,
Treu seinem treuen Führer ohne Wanken;
Wenn längst getilgt der That Gedächtniß ward,
Wird’s noch dem Himmel für die Rettung danken.

Nun ist zum Spruch versammelt das Gericht,
Des Frevels Sühn‘ und Strafe zu ermessen:
Es walte das Gesetz nach Recht und Pflicht,
Dann aber sei verfallen dem Vergessen
Verbrecher und Verbrechen, daß sie nicht
Noch mehr des Kummers unserm Volk erpressen.

Ihr Mächt’gen, was auch Euer Rath beschloß,
Des Bluts gedenkt, das in des Kampfes Tagen
Für Recht und Freiheit opferfreudig floß;
Beredt mag heut des Volkes Freud‘ Euch sagen:
Laßt nicht des Buben meuchlerisch Geschoß
Der Freiheit unheilbare Wunden schlagen!

Hintergrund

Am 11. Mai 1878 verübt Max Hödel ein Attentat auf Kaiser Wilhelm I., schießt allerdings daneben. Reichskanzler Bismarck ergreift sofort die Gelegenheit, ein Sozialistengesetz einzubringen, auch wenn die Verbindung zwischen Hödel und den Sozialdemokraten eher vage ist. Hödel wurde von den Sozialdemokraten aus der Partei geworfen und war zur Zeit der Tat eingeschriebenes Mitglied der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei des Hofpredigers Stöcker. Die „Berliner Wespen“ stehen der Deutschen Fortschrittspartei nahe, die das Sozialistengesetz konsequent ablehnt.

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