Asyl für afghanische Ortshelfer

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[Wir freuen uns, den folgenden Artikel von Jorge Arprin übernehmen zu dürfen. Erschienen ist er zuerst auf seinem Blog arprin, den wir für seine immer wieder hervorragend recherchierten und argumentierten Beiträge schätzen und unseren Lesern empfehlen möchten. Den Vorschlag im Artikel unterstützen wir vollauf.]

In kaum einem anderen Land dürfte die Zukunft so ungewiss sein wie in Afghanistan. Die westlichen Truppen wollen das Land bis Ende 2014 verlassen, danach soll die afghanische Regierung und das Militär die volle Kontrolle über das Land übernehmen. Die Taliban können bis dahin die Uhr stellen. Angesichts der Tatsache, dass die überwältigende Mehrheit der Afghanen die Ideologie der Taliban ablehnt, kann man nur hoffen, dass es der afghanischen Regierung gelingt, die Taliban zu bekämpfen und das Land nicht wieder in ein totales Chaos zerfällt.

Bei ihrem Einsatz im Hindukusch wurden die westlichen Truppen in den letzten Jahren von vielen Einheimischen direkt unterstützt. Sie arbeiteten als Dolmetscher, Fahrer oder Reinigungskräfte, organisierten Workshops und stellten den Kontakt zu Einheimischen her. Ohne ihre Hilfe wäre der Wiederaufbau nach dem Sturz der Taliban unmöglich gewesen. Laut dem deutschen Innenministerium arbeiteten 1.600 Afghanen für die vier am Einsatz beteiligten Bundesministerien, viele weitere arbeiteten für deutsche Stiftungen und NGOs.

Diese Ortshelfer werden von den Taliban als Verräter angesehen und sind damit ein legitimes Ziel für die Zeit nach dem Abzug der westlichen Truppen. Schon heute befinden sich viele in Gefahr, sie erhalten Todesdrohungen oder sind bereits Angriffen zum Opfer gefallen. Deswegen sehen viele ihre Zukunft nicht mehr in Afghanistan, sondern in Deutschland. Doch die Bundesregierung verhält sich zögerlich. Ortshelfer sollen nur im äußersten Notfall aufgenommen werden. Offenbar zählen tägliche Todesdrohungen nicht dazu.

Ende März demonstrierten etwa 35 ehemalige Ortshelfer der Bundeswehr vor dem Feldlager in Kundus für Asyl. Ihre Forderungen stoßen jedoch vielfach auf taube Ohren. Die deutsche Politik verharrt weiter bei ihrem Standpunkt, viele Asylgesuche sind bereits abgelehnt worden und ihre Situation steht nicht oben auf der Agenda. Im Gegensatz dazu haben andere westliche Staaten wie die USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden oder Dänemark in letzter Zeit Aufnahmeprogramme für ihre Helfer beschlossen.

Was muss man eigentlich noch tun, um sich Asyl in Deutschland zu verdienen als beim Kampf gegen den Steinzeit-Fundamentalismus der Taliban geholfen und damit bewiesen zu haben, dass man beim Kampf gegen den Islamismus auf der richtigen Seite steht, einem extrem hohen Risiko ausgesetzt zu sein, von Islamisten verfolgt und auf grausame Weise getötet zu werden und durch die lange Zusammenarbeit mit den Bundesministerien die deutsche Sprache wahrscheinlich gut beherrschen zu können?

Keiner der Vorbehalte, die gegen Asylbewerber angeführt werden, und die ja teilweise berechtigt sind, trifft auf die afghanischen Ortshelfer zu. Es geht ihnen nicht um Sozialmissbrauch, sie sind auch keine Islamisten. Die afghanische Gemeinschaft in Deutschland hat nebenbei bemerkt eine höhere Abiturientenquote als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Jeder, der als Ortshelfer gearbeitet hat, sollte gemeinsam mit seiner Familie nach Deutschland kommen dürfen, wenn er möchte.

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