Zum Berliner Congreß

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Berliner Wespen, 7. Juni 1878

Vor der Abreise.

Zum Berliner Congreß I

 

Graf Andrassy. Ich will lieber vorher noch ein kleines Stehfrühstück zu mir nehmen. Zwar bin ich eingeladen, aber wer weiß, ob ich in Berlin etwas bekomme!

Gott sei Dank, der Tisch ist gedeckt!

Am 13. Juni.

Zum Berliner Congreß II’ne jute jebratene Jans is ’ne jute Jabe Jottes.

Hintergrund

Mitte Juni 1878 wird der Berliner Kongreß beginnen, an dem die Vertreter der Großmächte Europas teilnehmen. Bismarck möchte hier als „ehrlicher Makler“ fungieren. Es geht darum, die Gebietsgewinne Rußlands nach dem Krieg von 1877 bis 1878 gegen die Türkei wieder zurückzuschrauben.

Im oberen Bild ist der österreichisch-ungarische Vertreter Gyula Graf Andrássy zu sehen, der die Insel Ada Kaleh verfrühstückt. Diese hat Österreich-Ungarn 1877 besetzt. Wie sich später herausstellt, wird die Insel auf dem Kongreß einfach vergessen und bleibt so unter österreichisch-ungarischer Herrschaft. Viel später 1971 wird die Insel wegen eines Staudamms geflutet.

Im unteren Bild kommen die beiden Hauptmächte des Kongresses, Rußland (dargestellt als wilder Kosake) und Großbritannien (mit den Gesichtszügen von Premierminister Lord Beaconsfield) einträchtig zu Tisch, um die Türkei zu verspeisen. Hinter ihnen schauen etwas grimmig Graf Andrássy und William Henry Waddington, trotz seines englischen Namens der französische Außenminister, die in Sorge sind, zu kurz zu kommen. Bismarck gibt dazu den Kellner, hier wie immer mit genau drei Haaren auf der Glatze dargestellt.

Hinweis

Bei Libera Media gibt es kommentierte Neuauflagen der Werke von Julius Stettenheim und Alexander Moszkowski, den Machern hinter den „Berliner Wespen“ (erhältlich über Amazon, einfach auf das Bild klicken):

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Siehe auch:

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