Christentum und Politik

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Jorge Arprin hat wieder einen sehr lesenswerten Artikel auf seinem Blog: Kapitalismus, Sozialismus und Christentum.

Hier ein Zitat von Eugen Richter dazu. Es stammt aus seinem Politischen ABC-Buch, 9. Auflage von 1898, und steht dort auf Seite 80:

Christentum. Seit 1881 ist es auf konservativer Seite Mode geworden, bei jeder Gelegenheit zu betonen, daß die Grundlagen des Christentums für den Staat und die Gesetzgebung Anwendung finden müßten. Niemand wird bestreiten, daß unsere ganze Staatsentwickelung, unsere ganze moderne Kulturentwickelung, alle unsere Anschauungen in der Gesetzgebung sehr wesentlich auf den Grundlagen des Christentums und jenen Anschauungen über Moral und Humanität, die weit über die christlichen Kreise hinaus Grundlage unserer Zivilisation geworden sind, beruhen. In dieser allgemeinen Beziehung zu sagen, daß ein Gesetzentwurf den Grundlagen des Christentums entspricht, heißt nicht mehr und nicht weniger, als wenn man von einem Gesetzentwurf sagt, daß er im 19. Jahrhundert eingebracht sei. Etwas anderes ist es, wenn man den Inhalt eines Gesetzentwurfes als den speziellen Ausdruck des Christentums hinzustellen sucht. Das Große und Erhabene der christlichen Religion im Gegensatz zu anderen Religionen besteht gerade darin, daß die christliche Religion keine Normativbestimmungen treffen wollte für staatliche Einrichtungen, für Gesetzgebungsfragen. Eben deshalb steht das Christentum hoch über den individuellen Verhältnissen des einzelnen Staates und den mit der Zeit wechselnden Verhältnissen von Staat und Recht. Jede Staatsverfassung verträgt sich mit dem Christentum, und für ein spezielles Gesetz kann man niemals ein Normalstatut aus der christlichen Offenbarung entnehmen.

Und noch ein Zitat von Eugen Richter aus seiner Reichstagsrede vom 20. November 1900 gegen die „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II.:

Ueberhaupt meine ich: man soll Politik und Religion nicht miteinander verquicken.

(Sehr richtig! links.)

Geschieht dies, so wird nicht bloß die Politik, sondern auch die Religion verdorben.

(Sehr gut! links.)

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