Der Abgeordnete Richter hat das Wort: Zur Kolonialpolitik in Ostafrika (2)

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Aus seiner Rede im Reichstag, 18. März 1895:

Meine Herren, unabhängige überseeische Absatzgebiete zu schaffen, soll ferner der Zweck der Kolonialpolitik sein. Nun haben wir ja jetzt eine sehr genaue Statistik seit kurzem, die auch über die Ein- und Ausfuhr zwischen Deutschland und Ostafrika genaue Kenntniß giebt. Der letzte Bericht handelt vom Jahre 1893. Danach ist der Werth der Ausfuhr aus Deutschland nach Deutsch-Ostafrika nicht gestiegen, sondern eher noch zurückgegangen. Er beläuft sich auf ungefähr 2 Millionen Mark. Diejenigen Herren, die so leichthin von der Kündigung gegenüber Argentinien sprechen, mache ich darauf aufmerksam, daß der Werth der deutschen Ausfuhr nach Deutsch-Ostafrika kaum den 40. Theil der Ausfuhr nach Argentinien beträgt.

(Hört! hört! links.)

Dort schießen wir nichts zu, und hier geben wir mehr als das Doppelte zu dem zu, was dahin ausgeführt wird.

Was wird denn ausgeführt? Das ist in dieser Statistik ja auch im einzelnen zitirt. Danach ist der Hauptartikel im Werthe von 220 000 Mark: Artilleriezünder und ähnliche Feuerwerkskörper.

(Heiterkeit.)

Dahinter kommen 190 000 Mark für Munition, dann 113 000 Mark für Gewehre. Das sind also die Mittel, mit denen wir die Kultur nach Afrika tragen. Dann 157 000 Mark silberne und goldene Münzen, also Edelmetalle; endlich — das ist noch ein erfreuliches Moment — für 103 000 Mark Flaschenbier, dazu bestimmt, den Offizieren der Schutztruppe und den Beamten in der Tropenhitze einen kühlen Trunk aus der Heimat zu gewähren.

(Heiterkeit.)

Das sind also die Hauptausfuhrartikel Deutschlands nach Ostafrika.

Und er schließt seine Rede mit den Worten:

Was unsere Kolonien anbelangt, so hat der frühere Herr Reichskanzler Graf von Caprivi niemals ein richtigeres Wort gesprochen, als dasjenige, womit auch ich schließen will: je weniger Afrika für Deutschland, desto besser!

(Bravo! links.)

Siehe auch:

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