125. Todestag von Kaiser Friedrich

Dieser Artikel wurde 3593 mal gelesen.

FZ KF

Am 15. Juni 1888 starb Kaiser Friedrich nach qualvollem Leiden an Kehlkopfkrebs. Er war die Hoffnung der Freisinnigen auf eine Wende zum Besseren in Deutschland. Es ist seitdem üblich geworden, sich darüber lustig zu machen, daß die Freisinnigen hier naiv auf eine Rettung von oben durch einen weißen Ritter gehofft hätten. Und der Kaiser sei auch gar nicht so liberal gewesen.

Richtig ist, daß Friedrich politisch eher am rechten Rande der Freisinnigen mit seinen Meinungen stand, fast schon im Lager der Nationalliberalen, z. B. mit seiner Befürwortung eines fortgesetzten Kulturkampfs, des Sozialistengesetzes oder der Kolonialpolitik. In anderen Punkten wie der Ablehnung des Antisemitismus oder des Bismarckschen Staatssozialismus waren die Positionen näher beieinander. Schon eher neigte seine Frau Viktoria den Freisinnigen zu, dabei allerdings mehr dem aus der Liberalen Vereinigung hervorgegangenen rechten Flügel um Ludwig Bamberger und Max von Forckenbeck, der als Nachfolger für Bismarck im Gespräch war.

KF und V 2Die Freisinnigen waren aber gestandene Politiker, die sich keinen Träumereien hingegeben hätten. Insbesondere Eugen Richter, der als Schatten-Finanzminister eines liberalen Ministeriums gehandelt wurde, zeigte in der kurzen Zeit der Herrschaft Kaiser Friedrichs, wie es wohl wirklich gelaufen wäre, wenn Friedrich länger gelebt hätte: Druck von unten, der sich bei einem eher wohlwollenden Kaiser schon auf Dauer durchgesetzt hätte.

Ein Beispiel für eine solche Konstellation war etwa der Rauswurf des preußischen Innenministers Robert Viktor von Puttkamer, verhaßt insbesondere für seine Rolle als Protektor der antisemitischen Bewegung. Puttkamer wurde zuerst von den liberalen Zeitungen und durch Reden insbesondere von Eugen Richter sturmreif geschossen. Als er durch Wahlbeeinflussungen einen Grund lieferte, wurde er von Kaiser Friedrich dann entlassen.

Auch wenn wir die Begrenztheit von Kaiser Friedrich sehen, können wir die Bewunderung vieler Freisinniger verstehen. Er war eine durchaus interessante und sehr sympathische Persönlichkeit und ein Symbol für eine andere Ausrichtung Deutschlands.

Letztes Jahr haben wir die Berichterstattung der „Freisinnigen Zeitung“ über die letzten Tage des Kaisers zusammengestellt, auf die wir hiermit hinweisen möchten:

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter 1888, Deutsch-Freisinnige Partei, Deutschland, Eugen Richter, Freisinnige Zeitung, Geschichte, Kaiser Friedrich, Kaiserin Friedrich, Liberale Vereinigung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar