Zur Geschichte der Wagner-Vereine

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Berliner Wespen, 5. Juli 1878

Ein Beitrag für die „Bayreuther Blätter.“

Diener (tritt meldend ein.) Meister, eine Deputation jüdischer Patrone ist draußen —

Der Meister. Räuchere, desinficire und schließe alle Werthsachen fort. Dann führe die Fremdlinge herbei. (Diener ab.) Wahrscheinlich wollen sie sich darüber beschweren, daß sie in Meinen Bayreuther Blättern, welche sie unterstützen, u. A. als Bandwurm bezeichnet sind, „der sich in unserm Nationalkörper eingenistet hat, die innersten Lebenskeime deutschen Volksthums verderbend und aussaugend.“

Die Deputation jüdischer Patrone (eintretend.) Gelobt seist Du, Wagner unser Gott, der Du das Volk geführt hast aus der musikalischen Knechtschaft in das gelobte Land der unendlichen Melodie!

Der Meister. Was versteht Ihr von der Musik? Ich habe Euch so oft gesagt, daß der semitische Geist Meine Musik nicht zu erfassen vermag. Was wollt Ihr also? Getragene Kleider kaufen? Ich componire keine alten Hosen.

Die Deputation. Wenn Du uns, göttlicher Meister, mit irgend etwas begnadigen wolltest, was in Deinem Besitz gewesen, wir würden es eine Reliquie in unserer Synagoge aufbewahren. Gestatte uns heute nur Dir unseren Beitrag zu den Kosten der „Bayreuther Blätter“ zu Füßen zu legen.

Der Meister. Dieses Geld, das Ihr wieder armen Wittwen abgewuchert, jammernden Waisen erpreßt habt, — legt’s auf den Tisch!

Die Deputation. Sei gepriesen für Deine Herablassung, Messias der Kunst!

Der Meister. Bringt draußen Euer Hoch aus, Ich liebe den Knochblauchduft nicht.

Die Deputation. Zu gütig, Adonai der Musik, und von jetzt an wollen wir, wenn wir Dir wieder Geld bringen, vorher unsere Speisen, obwohl ja überall mit Wasser gekocht wird, in Eau de Cologne kochen lassen.

Der Meister. Schickt das Geld mit der Post, Semiten, und (er greift zum Stock) wenn Ihr nun nicht macht, daß Ihr verduftet, so —

Die Deputation. Du erdrückst uns durch so viel Nachsicht, Jehowagner, und wenn uns die Bitte erlaubt ist, — schenkt uns den Stock, mit der Ihr uns habt mit einem Hieb dekoriren wollen!

Der Meister. (Klingelt, der Diener kommt.) Setzen Sie diese Menschen an die Luft!

Die Deputation (zu dem Diener.) Wie sind Sie zu beneiden, Sie dürfen dem Meister dienen. Der heilige Meister lebe hoch! (Sie werden hinausgeschafft. Draußen:) Herrliche Luft um Wahnfried!

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