Krieg ist ziemlich uncool

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von Marco „Che“ Bummelmann

Die Leute haben irgendwie in der Schule nicht aufgepasst. Anders kann ich mir nicht erklären, dass selbst viele in meinem Bekanntenkreis mit einem Datum wie dem 1. September nichts anfangen können.

Ich will natürlich jetzt keine Namen nennen, aber etwas entsetzt war ich schon, als ich mit einer guten Freundin telefonierte und beiläufig fragte, ob sie etwas für den Tag vorhat. „Nein“, meinte sie, sonntags sei in der Stadt sowieso nichts los. Oder gäbs eine angesagte Party?

Eine angesagte Party? Ich war fassungslos und wusste nicht, was ich sagen sollte: „Du denkst immer nur ans Partymachen und an Dich selbst. Aber 1. September ist Anti-Kriegstag! Da müssen wir alle aufstehen, um etwas gegen den Krieg zu machen.“

„Aufstehen“ war natürlich das falsche Wort, wie ich gleich merkte. Denn sie kam sofort zurück mit: „Wenn Du aufstehst, ist der Tag sowieso schon fast rum. Und was willst Du überhaupt gegen den Krieg machen?“

„Aktiv werden. Flagge zeigen. Die Zusammenhänge aufdecken. Da gibt es vieles.“

„Welche Zusammenhänge denn?“

„Na, wie das alles zusammenhängt. Mit den Republikanern und Hitler. Und wie der Kapitalismus letztlich immer zu Krieg und noch mehr Krieg führt.“

Nun endlich wurde sie etwas nachdenklich: „Klar, ich finde Krieg auch doof. Aber wir können da sowieso nichts dran machen. Die da oben sind doch am längeren Hebel.“

„Wenn die Massen zusammenhalten, dann sind wir aber stärker! — Und dazu müssen wir die Ursachen beseitigen, die zu Krieg führen.“

„Welche Ursachen denn?“

„Mensch, Suse, das hab ich doch schon gesagt. Hör doch einmal zu! Der Kapitalismus. Du tust grade so, als wenn Dir das alles am Arsch vorbeigeht. Aber wenn die ganzen Hedgefonds alle auf fallende Kurse spekuliert haben, dann treten die ihren Marionetten, den Republikanern, in den Hintern, damit sie einen Krieg machen und die Kurse in den Keller gehen und sie sich eine goldene Nase dran verdienen.“

„Ja, stimmt schon. Diese Bänker haben wirklich keine Skrupel. Die gehen ja sogar mit Krawatte aus, auch wenn das total uncool aussieht.“

„Und dann führen sie Studiengebühren ein und quetschen Indios in den Anden aus, weil nichts mehr zählt als der maximale Profit.“

„Im ‚Slam‘ haben sie auch schon wieder den Preis für das Bier hochgeschraubt. Das ist wirklich alles total zum Kotzen. Und die Türsteher haben ein paar Glatzen reingelassen.“

„Siehst Du! Die Zusammenhänge kennst Du doch alle. Aber aktiv werden, dazu bist Du Dir wohl zu fein? Oder was?“

Jetzt hatte ich sie. Oder das dachte ich wenigstens, bis sie wieder anfing: „Hör mal, Che, es ist aber trotzdem Sonntag. Und da ist nichts mit Aktivwerden. Die Stadt ist total tot.“

„Das ist doch genau das Problem an Krieg, dass alles tot ist. — Und was machst Du am Wochenende?“

„Natürlich ins ‚Slam‘. Wie immer.“

„Dann sehen wir uns wahrscheinlich. Aber denk wirklich noch mal drüber nach. Wir müssen alle gegen Krieg sein.“

„Bin ich doch. Ich finde Krieg auch eher uncool.“

„Ich auch. Immerhin sind wir uns darüber einig.“

„Na, klar. — Bis Samstag dann. Und pass gut auf Dich auf, Che.“

„Bis Samstag.“

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