Kritische Solidarität mit Amiland – eine Fernsehdiskussion

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von Henning Helmhusen, 2001

Moderator: Bevor wir anfangen, möchte ich unser Mitgefühl mit den Opfern der unbegreiflichen Anschläge in New York aussprechen – aber auch mit den Menschen in der islamischen Welt, die vielleicht schon bald wieder Opfer von amerikanischen Anschlägen werden könnten.

Peter: Seit Jahren habe ich das vorhergesagt. Aber keiner wollte auf mich hören. Die arabischen Mojremin haben sich nun mit den islamischen Majanin zusammengeschlossen. Wie weit das geht, kann man daran sehen, daß Bin Laden vor kurzem Mullah Omar zum Ahmaq ernannt und der sich umgekehrt mit der Erhebung zum Pesar-e Fahesche revanchiert hat.

Ulrich: Der Witz dabei ist ja auch, daß die Amis das noch selbst finanziert haben. Während des zweiten Weltkriegs haben sie die Sowjets massiv gegen Hitler aufgerüstet. Ohne diese Hilfe hätten die später nie in Afghanistan einmarschieren können, was letztlich zu Bin Laden geführt hat.

Rupert: Und jetzt machen die Amis schon wieder dasselbe mit den Abwürfen von Essenspaketen. Das bringt doch die Hungernden eher in Gefahr. Wenn man zum Beispiel mehrfach solche Abwürfe macht, können die Pakete genau auf die Pakete des letzten Abwurfs fallen und sich so immer höher stapeln. Und wenn dann jemand das nicht merkt und unten eines rauszieht, bricht alles in sich zusammen, und er wird davon erdrückt.

Hans-Christian: Das auch. Aber wichtiger ist noch, daß wir bei aller Solidarität auf die Amis einwirken, daß sie nicht aus primitiven Rachegelüsten Millionen Moslems umbringen.

Don: Als Demokrat bin ich prinzipiell gegen Bush. Aber das geht mir jetzt doch etwas zu weit.

Horst-Eberhard: Ich wehre mich dagegen, daß Sie jetzt mit dem Totschlagsargument „Antiamerikanismus“ operieren. Nur weil jemand gegen diesen ungehemmten amerikanischen Kapitalismus mit seiner Freiheit von Coca-Cola und McDonald’s ist, ist er doch noch lange nicht antiamerikanisch.

Ulli: Genau. Die Amis tun gerade so, als wenn jemand, der sein Leben verteidigt, „gut“ und jemand, der ein paar Tausend Leute umbringt, „böse“ wäre. Von den Denkstrukturen her ist das doch eigentlich genau dasselbe wie bei Bin Laden. Ich finde sowas zutiefst unmoralisch, wenn Leute glauben, es gäbe „gut“ und „böse“.

Roger: Bei mir evoziert das alles eher die Ästhetik eines viertklassigen Western, was dieser Texaner Bush da inszeniert. Als wenn das hier „High Noon“ wäre, wo sinnlos rumgeballert wird.

Moderator: Sie nicken so. Ist das auch ihre Meinung?

Gina: Ähm. Ich war eigentlich zum Thema „Ende der Spaßgesellschaft“ eingeladen. Aber dann kam das in Amerika dazwischen. Was ich nur sagen wollte, ist, daß es in Deutschland sehr schwer ist, als richtige Schauspielerin ernst genommen zu werden. Nur weil ich in fünfzig Erotikfilmen mitgespielt habe, werde ich gerade von Emanzen sofort in eine Schublade gesteckt.

Alice: Meine Liebe! Immerhin habe ich als eine der ersten dafür gekämpft, daß sich die Frauen im Iran entblößen dürfen. Es geht darum, daß Männer nicht bestimmen dürfen, was Frauen zeigen können und was nicht. Das dürfen nur Frauen!

Heidemarie: Das Grundproblem ist aber doch, daß wir eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung haben. Wer ersetzt denn den Moslems den Verdienst und die Kosten, wenn sie demonstrieren und amerikanische Flaggen verbrennen? Und das führt dann zu Armut, Verzweiflung und Gewalt.

Antje: Und Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Wenn ich jemand angreife und der bringt mich um, dann fängt zwischen uns eine Gewaltspirale an, die, wenn wir uns nicht entscheiden, irgendwann einfach aufzuhören, bis hin zum Dritten Weltkrieg eskalieren könnte. Ich finde, wir müssen uns jetzt unbedingt dieser Logik des Krieges entziehen und ent-schleunigen.

An dieser Stelle wurde die Diskussionsrunde von Zuschauern gestört, die Laken mit Aufschriften wie „Kein Blut für Schwarzen Afghanen“ ins Bild hielten. Der Moderator brach daraufhin die Sendung ab und bedankte sich bei den Demonstranten für ihr Engagement.

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