Die Räuber

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von Alexander Moszkowski, 1912

(Neue Einrichtung.)

Schwarz: Komm mit uns in die böhmischen Wälder! Wir wollen eine Räuberbande gründen und du — —

Moor: Wer blies, dir das Wort ein? Höre, Kerl! Ja, bei dem tausendarmigen Tod! Das wollen wir! das müssen wir! der Gedanke verdient Vergötterung — Räuber und Mörder!

Roller: Also auf in die böhmischen Wälder!

Spiegelberg: Wälder? Vieux jeu! da ist nichts zu holen; dann schon lieber in die böhmischen Städte! dort blüht das Räuberhandwerk, dort können wir goldenen Boden für unsere Tätigkeit finden.

Moor: Pfui, Spiegelberg! Vergiß nicht, daß wir Deutsche sind!

Spiegelberg: Von mir aus! dann lassen wir uns eben tschechisch naturalisieren; beim heiligen Nepomuk, mir soll’s nicht darauf ankommen! Slava! Und dann zertrümmern wir Schaufenster und zerfetzen Fahnen und reißen herunter, was nicht niet- und nagelfest ist. Kommt, Kameraden, in die böhmischen Städte!

Grimm: Deine Rechnung hat ein Loch, Spiegelberg. Bis du hinkommst, haben die Tschechen das schon so gründlich besorgt, daß du nichts mehr zu zertrümmern und zu zerfetzen antriffst. Hört, Kameraden, ich habe einen anderen Plan: wir wandern nach Amerika aus und gründen dort eine Ölkompagnie! Wenn schon Räuber und Mörder, dann soll es wenigstens lohnen.

Moor: Nein, das mache ich nicht mit. Euer Hauptmann — ja, ohne Reue und Gnade, aber nach Amerika — nimmermehr!

Spiegelberg: Bist wohl wasserscheu, Brüderchen?

Moor: Wasserscheu, Memme? nein, das bin ich nicht; aber ölscheu und eifersüchtig auf die Räubermacht, die die Hölle in meinen Arm gelegt. Gründe ich heute eine Ölkompagnie, so bin ich morgen vom Standard Oil Trust aufgesaugt, und Rockefeller ist mein, Vorgesetzter. Räuberhauptmann will ich sein und bleiben, nicht Direktor einer Tochtergesellschaft! Fünfzig Banditen unter mir haben — vortrefflich; aber einen so ausgepichten Halunken über mir, das» ertrüge ich nicht!

Schweizer: Er hat recht. Wir brauchen nicht über See, um Räubereien im höchsten Stil auszuführen. Europa ist groß. Unser Operationsfeld heißt Moskau. Wir wollen ganz Moskau ausplündern! ein sublimer Plan! Hört mein System: mit Hilfe einer anonymen Firma, hinter der nichts anderes steckt als die brutale Gewalt unserer Dolche und Revolver, brandschatzen wir die Familien, die Klubs, die Geschäftslager, die Restaurants, die Freudenhäuser und Spielhöllen. So etwas soll noch gar nicht dagewesen sein!

Moor: Du faselst, Stümper! Du schwelgst in Räuberphantasien und ahnst nicht, daß deine erträumten Raubzüge himmelweit hinter denen zurückbleiben, die russische Generäle mit ihren Polizeischergen in Moskau wirklich ausgeführt haben. Hände weg von solchen Plänen, die größere Meister als wir längst verwirklichten.

Schufterle: Ich sehe schon, unser ganzes Räuberprojekt verläuft im Sande!

Spiegelberg: Nun wie wäre es denn, wenn wir in der Heimat blieben? Hier in Deutschland, sollte ich meinen, gibt es doch eine ganze Menge zu räubern! Da sind Brauereien vorhanden, und Tabaksgeschäfte, und Elektrizitätsgesellschaften und Annoncenbureaus sind denn das nicht Institute wie geschaffen zum Einbruch? Gründen wir sozusagen eine Räuberbanderole!

Roller: Elender Geldschrankknacker, kommst wieder mal einen Posttag zu spät! willst mit deinem Brecheisen ernten, wo die moderne Steuertechnik längst alles Feld verwüstet hat! Pack ein, Spiegelberg, und laß dir das Lehrgeld wiedergeben!

Moor: Und das Fazit von alledem? mit der Räuberei geht es nicht mehr, wenigstens. nicht bei uns Unorganisierten. Die Konkurrenz ist zu groß, dagegen können wir nicht ankommen. Man wird da förmlich auf den steinigen Leidensweg der Tugend gedrängt. Folgt mir, Kameraden, wir wollen ehrliche Menschen werden! Wir wollen allen Eroberungsplänen entsagen und uns von denen ausplündern lassen, die es besser verstehen als wir!

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