Bricht die DM-Zone auseinander?

Dieser Artikel wurde 14926 mal gelesen.

von Henning Helmhusen

Für alle, die erst jetzt zugeschaltet haben, noch mal eine kurze Zusammenfassung, was bisher geschah. Wie ja allgemein bekannt ist, scheiterte die Einführung des Euros am 1. Januar 1999 daran, daß insbesondere Zweifel an der Willigkeit Deutschlands aufkamen, die strengen Auflagen auf Dauer zu erfüllen. Deshalb haben wir heute immer noch unsere D-Mark. Um die ist es aber aktuell nicht gut bestellt.

Los ging es mit der Verschuldungskrise in Bremen. Der Stadtstaat trudelte unaufhaltsam dem Bankrott entgegen, bis sich die anderen Bundesländer endlich zusammenrafften und ein Rettungspaket schnürten. Das stieß allerdings auf Unmut der Südstaaten, die von Bremen radikale Sparmaßnahmen verlangten. Eine Troika aus Bundesbank, bayrischem Ministerpräsidenten sowie der Bundeskanzlerin reiste dazu eigens in den Norden, um dem Bremer Bürgermeister unmißverständlich klarzumachen, daß er einen Großteil seiner Beamten entlassen müsse. Es sei unsinnig, daß man sich beispielsweise eigene Stadtmusikanten auf Kosten der Steuerzahler halte.

Schien das Problem der D-Mark zunächst noch beherrschbar zu sein, weil es sich bei Bremen um ein kleines Bundesland handelte, eskalierte die Krise mit der Finanznot von Berlin zusehends. Immer noch glaubte man daran, mit einem Rettungspaket die Lage in den Griff bekommen zu können. Aber es kam auch erste Kritik in den Medien auf. Deutschland sei kein einheitlicher Wirtschaftsraum, eine einheitliche Währung von daher unangemessen. Für manche Bundesländer seien die Zinsen der Bundesbank zu niedrig, weshalb sie sich bedenkenlos verschuldeten, für andere zu hoch, was bei ihnen das Wachstum hemme.

Als mit Schleswig-Holstein dann erstmals ein Flächenstaat in Bedrängnis geriet, begannen die Finanzmärkte an der Fähigkeit der deutschen Bundesrepublik zu zweifeln, alle Haushaltslöcher in den Bundesländern mit Adhoc-Maßnahmen zu stopfen. Immer lauter wurden von Experten nun gemeinsame „Bundes-Anleihen“ gefordert, mit denen ein dauerhafter Finanzausgleich im Zuge einer Schuldenunion finanziert werden sollte. Die Lage verschärfte sich zusätzlich, weil Bremen die Auflagen der Troika trotz gegenteiliger Zusagen erneut verletzt hatte.

Und als dann auch noch die langfristige Zahlungsfähigkeit von Nordrhein-Westfalen in Frage stand, mußte die Bundesregierung schließlich über drastischere Maßnahmen nachdenken. Ein Minister plädierte etwa dafür, daß sogar der Bankrott von Bremen kein Tabu mehr sein dürfe. Und andere gingen noch weiter und verlangten, Bremen aus der D-Mark zu werfen, ja aus der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn es dafür bislang noch keinen Mechanismus gibt.

Die Bundespolitik steht mittlerweile vor einem Scherbenhaufen. Die Alternativen sind alle nicht sehr attraktiv. Eine Richtung vertritt hier weiterhin die sogenannte „Bundes-Anleihen“, die mit der Bonität der Bundesrepublik Deutschland ausgestattet sind und mit denen dann den notleidenden Bundesländern unter harten Auflagen geholfen werden soll. Allerdings wird vermutet, daß das zu einer immer höheren Staatsverschuldung führen könnte und letztlich auch die Bonität der Bundesrepublik Deutschland zweifelhaft wird, wenn große Bundesländer insolvent sind.

Radikalere Töne kommen hingegen aus dem Süden. Hier wird schon laut darüber nachgedacht, aus der Mark auszutreten und den alten Gulden wiedereinzuführen. Die Preußen könnten ja ihrerseits den Taler als Weichwährung aus der Versenkung holen. Und überhaupt gebe es auch unüberbrückbare Unterschiede in der Mentalität.

Bei dieser Lage möchte man nicht in der Haut von Angela Merkel stecken. Die Zukunft ist düster, und an den Märkten wird schon befürchtet, daß sogar das deutsche Einigungsprojekt scheitern könnte und die deutschen Länder wieder im Krieg untereinander versinken. Ja manche behaupten sogar, es wäre besser gewesen, den Euro einzuführen. Denn der hätte die Finanzprobleme der Bundesländer in den Hintergrund treten lassen. Und Deutschland könnte nun anderen Lektionen über solide Haushaltspolitik halten. Aber man kann eben nicht alles haben.

Diese und viele weitere Satiren finden sich auch im neuen Buch von Henning Helmhusen bei Libera Media (erhältlich über Amazon): „Lachen gefährdet Ihre Gesundheit“

Helmhusen Lachen klein 4

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Henning Helmhusen, Satire, Staatsverschuldung, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar