Grundzüge einen reactionären Chemie

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von Alexander Moszkowski, 1884

zum Gebrauch für Schulen zusammengestellt.

Ueber die Bedeutung des Wortes „Chemie.“

„Chemie“ kommt her von dem griechischen Worte „Chymos“, die Flüssigkeit, und bedeutet demzufolge die flüssige oder überflüssige Wissenschaft. Die Chemie hat den Zweck, die Sätze der Bibel und der Kirchenväter zu beweisen. Weil diese Sätze aber keines Beweises bedürftig sind, so ist die Chemie eine überflüssige Wissenschaft. Wir beschäftigen uns daher mit dieser nur soweit, als wir uns mit den andern Wissenschaften beschäftigen, welche gleichfalls überflüssig sind.

Eintheilung des Gesammtstoffes.

Die Chemie wird eingetheilt in Körper, Laboratorien, Retorten, Experimente und giftige Substanzen. Experimente wollen mit Vorsicht angestellt sein, sonst erfolgt eine Explosion. Da die meisten Experimentirer ungläubig sind, so geschieht ihnen ganz Recht damit, und sind die meisten Explosionen als Finger Gottes zu betrachten.

Was im Anfang war.

Daß im Anfange der Kohlenstoff war, wie Carus Sterne meint, ist nicht sowohl eine Wahrheit, als eine Frechheit. Die beiden Urelemente, aus denen im Anfang Alles zusammengesetzt wurde, sind im Gegentheil der Tohustoff und der Bohustoff. Hierzu kommt beim Menschen noch der Staubstoff und der Rippenstoff. Wahrscheinlich indessen enthalten Päpste und Landräthe noch edlere Substanzen

Von den Körpern.

1. Anorganische. a. Gold. Dieses findet sich in gediegenem Zustande nur bei Juden. Will man Gold aus einem Juden gewinnen, so beruht das einfachste Verfahren auf der Zuhülfenahme von Temperaturerhöhung. Man nehme den Juden und setze ihn einer Hitze von 800 bis 900 Grad Réaumur aus, worauf das an jenen gebundene Gold frei wird und sich mit der Tasche eines Andern verbindet. Allotropisch kommt das Gold auch als Peterspfennig vor, gegen welchen Stoff der Papst ungemein reagirt. Es mag hierbei bemerkt werden, daß dem heiligen Vater die Zusendung von Goldfischen, Goldkäfern, Goldkindern, goldenen Regeln, Photographien goldener Berge und anderen Morgenstunden kein Vergnügen bereitet.

b. Silber. Siehe Gold.

c. Wasser oder Taufstoff. Es verbindet sich mit Ketzern zu gläubigen Körpern und schlägt sich bei niedriger Temperatur zu Schnee nieder, welcher, wenn er im Schloßhofe von Canossa liegt, starke Affinität zu barfüßigen Staatslenkern bekundet.

2. Organische a. Milch. Diese fromme Denkartsubstanz findet sich rein beim Centrum und der äußersten Rechten vor. Sie ist im Allgemeinen unlöslich, zerfällt aber unter dem Einflusse des Cultusetats in Drachengift mit einer winzigen Beimischung von attischem Salz.

b. Fett. Es tritt in der katholischen Hierarchie ungemein häufig als Belohnungsstoff für Buß- und Kasteiungsexpermiente auf. Sein wissenschaftlicher Name wäre fastensaures Prälatenoxyd.

Von der Verbrennung.

Die Verbrennung, welche heute ein chemischer Proceß ist, gehörte ehemals in die Kategorie der kurzen Processe. Zwar wird in Gotha auch noch gegenwärtig verbrannt, indeß werden hierzu leider nur Leichen verwendet.

Schluß.

Das Vorstehende dürfte für den Schulunterricht ausreichend erscheinen. Keinesfalls ist es gerathen, die Jünglinge tiefer in eine Materie einzuführen, in der es, sage man, was man wolle, so gemischt zugeht, wie eben in der Chemie.

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