„Man muß dem Mob etwas bieten!“

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Berliner Wespen, 4. Oktober 1878

Lassalle an Rodbertus

Das Volk ist der Mob, allein man hat’s
Zum Herrschen bekanntlich sehr nöthig,
Drum muß man es pflegen wie einen Schatz,
Dann ist es zu allem erbötig.
Nur möge man weise versäumen es nie,
Wozu alle Schlauköpfe riethen,
Die gründen gewollt eine „Dynastie“:
Man muß dem Mob etwas bieten!

Man biete ihm etwas, dann macht es glatt
Die Bahn, die zum Ziel Dich soll tragen,
Versprochener Braten schon macht ihn satt,
Und bellte auch wüthend sein Magen.
Versprich ihm, dem Armen, das große Loos
Und zeige ihm nimmer die Nieten,
Die Du ihm bedauernd einst wirfst in den Schooß:
Man muss dem Mob etwas bieten!

Versprich ihm auf Erden das Paradies,
Aus dem ihn kein Gott kann verdrängen,
Versprich, ihm zu holen das goldene Vließ.
Es ihm um die Schultern zu hängen,
Versprich auch dem Nichtsthun die saftigste Frucht
Und neu dann die üppigsten Blüthen
Und zeig‘ ihm der Sorgen beschleunigte Flucht:
Man muß dem Mob etwas bieten!

Und hast Du dann, was Du erreichen gewollt,
Und sieht sich der Mob dann betrogen
Und stürmt in die Gasse und droht und grollt,
Und schwellen des Aufruhrs Wogen,
Dann fliehst Du das schreckliche Strafgericht,
Im Trocknen Dein Schäfchen zu hüten,
Und lässest dem Staat die blutige Pflicht,
Dem Mob die Spitze zu bieten!

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