Auf flüchtigen Sohlen der Hindus

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Berliner Wespen, 4. Oktober 1878

Auf flüchtigen Sohlen der Hindus,
Herzliebchen, trag’ ich dich fort,
Zum Stromgebiete des Indus,
Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort geht spazieren im Garten
Shir Ali im Mondenschein,
Die Lotosblumen erwarten
Die Briten zum Stelldichein.

Leis‘ kichern die Franzosen,
Laut lachen die Völker im Chor,
Heimlich schau’n hinter den Rosen
Bewaffnete Russen hervor.

Es kommen herbei und lauschen
Die indischen Rebell’n,
Und Panzerschiffe rauschen
Fern durch des Meeres Well’n.

Und horch, welch Knattern und Knallen,
Die Blumen ängstigen sich sehr,
Und glüh’nde Granaten fallen
Zersplitternd ringsumher.

Zerschossene Palmen rauchen,
Der Brite stürmt herein,
Die Lotosblumen hauchen
Noch sterbend: Auf ewig Dein!

Hintergrund

Im Gedicht geht es um den Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg, bei dem Großbritannien versucht, den Einfluß von Rußland in Afghanistan zurückzudrängen. Die „Berliner Wespen“ sind, trotz einer grundsätzlichen Sympathie für Großbritannien, ablehnend gegen solche imperialistischen Unternehmungen eingestellt.

Siehe auch:

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