Aussprüche namhafter niederer Thiere

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Julius Stettenheim, 1896

Zierleiste

„Ich kann jeden Augenblick Redakteur werden,“ sagte der Hammer, „denn ich habe zwei Scheeren.“

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„Vor Nachstellung ist keine Unschuld sicher,“ klagte die Trichine.

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„Schiller,“ rief die eingebildete Made, „hat mich in dem Vers besungen: Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe.“

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„Ich bin sanft,“ schmeichelte sich der Regenwurm, „mich kann man um den Finger wickeln.“

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„Ich bin so fleißig daß ich nicht aus dem Haus komme,“ erzählte die Schnecke.

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„Die Menschen wünschen oft nichts sehnlicher, als meinen Kopf zu haben,“ prahlte der Bandwurm.

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„Ich trage den Namen einer der berühmtesten und ältesten Krankheiten der Erde!“ brüstete sich der Krebs.

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„Niemand kann sagen, daß ich gefallsüchtig bin,“ versicherte der Kraken.

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„Feinschmeckern empfehle ich den Hummer“, sagte bescheiden die Languste, „sein Fleisch ist, ehrlich gestanden, besser als meines.“

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„Menzel ist auch nur klein und doch ein großer Maler,“ äußerte der Wasserfloh.

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„Wer geistreich ist, braucht nicht schön zu sein,“ behauptete die Qualle.

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„Ich halte den Walfisch für einen Schmarotzer,“ tadelte die Walfischlaus.

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„Ja, Miesmuschel möchte Jeder sein!“ sagte die Miesmuschel hochmüthig zur Auster.

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„Der höfliche Franzose nennt mich Crevette,“ deutete die Krabbe an.

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„Ich bin vom Ballet,“ versicherte der Sandhüpfer.

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„Wer ersetzt wie ich den Frauen die Perlen und Diamanten?“ fragte stolz die Koralle.

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„Ja, ich bin größer als du dachtest,“ schmunzelte das Räderthierchen, als es unter dem Mikroskop lag.

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„Wir beherrschen die·Schafsköpfe!“ riefen die eitlen Drehwürmer.

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„Wenn ich nur nicht so schöne Schalen hätte,“ jammerte die Auster, „dann würden mich die Menschen nicht fortwährend verfolgen.“

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„Bitte, ich bin ein Thier und keine Pflanze,“ erklärte beleidigt der Schwamm.

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„Nachts freut mich am meisten der Anblick meiner Kollegen am Himmel,“ schwärmte der Seestern.

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„Ich wünsche nichts, als dem Kranken Erleichterung zu verschaffen,“ heuchelte der Blutegel.

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„Wenn die Venus von Milo Arme hätte wie unsereins, dann könnte man sie gleichfalls für schön halten,“ meinte der Polyp.

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„Wie kommt nur die Gartenrose zu dem Namen Rose!“ rief hochmüthig die Seerose. „Sie ist doch nicht einmal geruchlos wie ich.“

Frosch

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