Die Heidelberger Steuerkonferenz

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[Eugen Richter: Im Alten Reichstag, Band 2, 1896, Seite 91.]

Siebentes Kapitel.

Inscenierung der neuen Zollpolitik.

(Oktober 1878 bis zur Reichstagssession Februar 1879.)

Die Heidelberger Steuerkonferenz.

Noch vor den Neuwahlen zum Reichstag hatte der Reichskanzler mit der Vorbereitung neuer Steuerprojekte begonnen. Infolge einer im Juli versandten Einladung versammelten sich am 5. August in Heidelberg Vertreter fast aller deutschen Staaten, um unter dem Vorsitz des Präsidenten des Reichskanzleramts Hofmann die Grundsätze der sogenannten Steuerreform des Reiches festzustellen. Fürst Bismarck ließ in Übereinstimmung mit der Denkschrift des Finanzministers Hobrecht eine Vermehrung der Reichseinnahmen aus Zöllen und Steuern um 245 Mill Mark als Ziel hinstellen. Unter anderem sollte die Biersteuer für Norddeutschland erhöht und künftig in Süddeutschland fiir Reichsrechnung erhoben werden. Indes lehnten es Bayern und Württemberg ab, die bezüglichen Reservatrechte aufzugeben. Das Reich habe ja ohnehin schon die meisten Steuern und Steuerobjekte an sich gezogen. Über die Einführung eines Petroleumzolles, die Erhöhung der Zölle auf Wein, Kaffee u. s. w. war man desto rascher einig. Minister Hofmann fuhr nach Kissingen, wo Fürst Bismarck eine Badekur gebrauchte, und überreichte die Protokolle der Konferenz schön zugeknüpft in eine Rolle mit Rosenband.

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