Eugen Richter über Carl Peters – Reichstag, 14. März 1896

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„Demoralisirend hat gewirkt namentlich die Verherrlichung, die der sogenannte Emin-Pascha-Zug gefunden hat. Ich muß sagen: als ich in diesem Buche [„Die deutsche Emin-Pascha-Expedition“, 1891] las, war ich empört über das, was [Carl] Peters selbst von sich darin erzählt, und noch mehr von dem Ton, in dem er es erzählt. Der Herr Abgeordnete Bebel ist nicht einmal vollständig gewesen in seinem Auszug; er hat z. B. den Mädchenraub gar nicht erwähnt, den er [Carl Peters] verübt hat, und manches andere auch nicht. Er ist dort wie ein Räuberhauptmann aufgetreten, hat Lebensmittel gewaltsam weggenommen, hat Führer erpreßt; überall, wo man ihm nicht zu Willen war, hat er Dörfer angesteckt, Grausamkeiten jeder Art verübt; und, meine Herren, wenn man das selbst entschuldigen will wirklich als Nothwehr, berechtigt denn das auch den rohen Ton frivolster Art, der in dem Buche angeschlagen ist! Wenn jemand aus Nothwehr so handelt, so schildert er das sonst in einer solchen Beschreibung mit Bedauern und Zurückhaltung; aber der Mensch brüstet sich ja noch, daß er so und so viele Neger „erlegt“ hat, wie sein Ausdruck ist, daß er sie von den Bäumen geschossen hat „gegen ihren Willen“ — wie er sich höhnisch ausdrückt —, daß er den Hirten, der sich „erfrecht“ hat, sie zu bitten, um seine Herde herumzugehen, sein „loses Maul mit einer Kugel gestopft“ habe. Das ist doch ein Bramarbasiren schlimmster Akt, welches von Mangel an jedem Gefühl und sittlichem Pflichtbewußtsein Kunde giebt.“

Zum Hintergrund siehe: Golf Dornseif: Dr. Carl Peters: Kolonialskandal im Reichstag

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