Emin Paschas Herkunft

Dieser Artikel wurde 1746 mal gelesen.

Der Reichsfreund, 9. Januar 1890

Wenn ein Deutscher ein tüchtiger Kerl ist, so soll man sich darüber freuen und nicht erst forschen, ob in seinen Adern Tropfen fremdländischen oder — semitischen Blutes rollen. Aber in unserer Zeit des Rassenhasses ist dies nicht möglich. Und so ist denn endlich durch Freund und Widersacher auch alles Nähere über Emin Pascha ermittelt. Von ihm wußte man, daß er von Geburt ein Schlesier Namens Schnitzer, und wahrscheinlich seit Jahren Muhamedaner sei! Jetzt soll nun festgestellt sein, er sein in Oppeln im Synagogen-Geburtsregister der Stadt Oppeln von 1840 als Kind Israel des Kaufmanns Lebel Schnitzer und im Magistratsregister als Eduard Schnitzer, Sohn des Kaufmanns Louis Schnitzer eingetragen; da aber steht er mit dem Geburtstage des 28. März 1840 in dem Kirchenbuche des evangelischen Stadtpfarramts Neisse eingetragen als Eduard Karl Oskar Theodor, Sohn des Kaufmanns Louis Schnitzer und seiner Frau Pauline Schnitzer eingetragen als getrauft am 7. April 1840 und konfirmirt am Palmsonntag (1. April) 1855. — Nun wollen wir ihm Gesundheit und langes Leben wünschen — und uns nicht darum sorgen, ob er als Jude, Christ, Muhamedaner oder Heide einstmals begraben werde.

Anmerkung

Die Abenteuer Emin Paschas (1840-1892) werden in Deutschland aufmerksam verfolgt. Wer bei einer Schildung von dessen Leben unweigerlich an Karl May denken muß, liegt nicht unbedingt falsch. Karl May wendet sich nämlich nach kleineren Versuchen in den 1870ern ab den späten 1880ern auch unter dem Eindruck von Abenteurern wie Emin Pascha dem Genre der Reiseerzählungen zu. Nicht von ungefähr hat sein von 1889 bis 1890 entstandener Roman „Die Sklavenkarawane“ einen verwandten Hintergrund, auch wenn die Handlung nördlicher angesiedelt ist.

Der „Reichsfreund“ ist eine von Eugen Richter, Ludolf Parisius und Hugo Hermes begründete Wochenschrift, die von 1882 bis 1891 erscheint. Näheres findet sich in den Anmerkungen zum Artikel: Vom alten und vom neuen Jahr.

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter 1890, Antisemitismus, Geschichte, Literatur, Reichsfreund, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar