Ärmliche Einwände gegen Einwanderung

Dieser Artikel wurde 2828 mal gelesen.

Vor kurzem haben wir gezeigt, wie man mit einfachem Rechnen sich einen Überblick verschaffen kann, wie dramatisch die Freizügigkeit für Bulgaren und Rumänen nach Deutschland allerhöchstens sein könnte. Das ist ganz einfach, weshalb wir es noch einmal kurz wiederholen möchten:

  • Wenn 180.000 Bulgaren und Rumänen kämen (= die maximale Anzahl, die prognostiziert wurde).
  • Wenn alle diese Einwanderer Sozialleistungen von 10.000 Euro im Jahr beziehen würden (= deutlich mehr als den Hartz IV-Satz und, obwohl die bisherigen Einwanderer mit einer höheren Quote einer Erwerbstätigkeit nachgehen als die Eingesessenen).
  • Und weil keiner in die Systeme einzahlen würde, gäbe es auch nichts, was dagegenzurechnen wäre.
  • Dann wären das 1,8 Milliarden Euro oder 22,34 Euro pro Jahr und Kopf der Bevölkerung oder 1,86 Euro pro Monat, also fast zehnmal weniger als, was die GEZ abgreift.
  • Deshalb war unser einfacher Vorschlag: Die GEZ im Gegenzug abschaffen, sodaß jeder sicher etwas rausbekommt.

Wir haben natürlich darauf hingewiesen, daß die Annahmen völlig unrealistisch sind und es sich bei obigem Betrag um eine viel zu hohe obere Abschätzung handelt, was schlimmstenfalls drohen könnte. Der Konjunktiv ist dabei wohl zu beachten.

Nun verfeinern wir unsere Betrachtung noch ein wenig, indem wir näher an die tatsächliche Lage herangehen. Wie viele Bulgaren und Rumänen beziehen denn derzeit Leistungen und wie viel ist das insgesamt?

  • Im Jahr von September 2012 bis August 2013 waren dies 17.100 Bulgaren und 16.100 Rumänen, zusammen also 33.200 Menschen. Die entspricht in etwa 10% der hier lebenden Bulgaren und Rumänen.
  • Diese bezogen insgesamt 171,7 Millionen Euro an Leistungen oder 5.172 Euro pro Kopf und Jahr.
  • Wenn also 180.000 hinzukommen würden (= die höchste Schätzung) und diese sogar mit der doppelten Quote von 20% auf Hartz IV gingen, also 36.000 weitere Leistungsbezieher hinzutreten würden, dann entspräche das 186,2 Millionen Euro.

Mit anderen Worten: Unsere obige Abschätzung war sehr komfortabel und überschätzte die Größenordnung um fast einen Faktor von 10. Auf den Kopf der Bevölkerung und pro Jahr bekommen wir nun nur noch einen Betrag von 2,31 Euro oder 19 Cent im Monat, der maximal zugeschossen werden müßte.

Also nichts, worüber man aus dem Häuschen geraten müßte. Und wir würden weiterhin vorschlagen, die GEZ abzuschaffen, damit jeder sicher etwas herausbekommt.

Nun ist das aber immer noch nur eine obere Abschätzung. Da die meisten Zuwanderer einer Erwerbstätigkeit nachgehen und Steuern und Sozialabgaben zahlen, kommt ja auf der anderen Seite auch etwas in die Sozialsysteme herein. Wie wir in einem anderen Artikel aufgezeigt haben, zahlen Einwanderer aufgrund ihrer jungen Altersstruktur netto in die Sozialsysteme ein. Recht betrachtet, beuten sie nicht aus, sondern werden von den Ansässigen ausgenommen.

Doch vielleicht sind Osteuropäer wie Bulgaren und Rumänen ja anders?

Das kann man sich leicht in anderen Ländern anschauen. Was vielen Deutschen nämlich nicht klar zu sein scheint: Bulgaren und Rumänen genossen, wie andere Menschen aus Osteuropa, bereits seit Jahren volle oder fast volle Freizügigkeit in vier europäischen Ländern.

Schauen wir uns an, was die Folgen davon waren:

Schweden hat — aus unserer Sicht vorbildlich und anders als Deutschland — von vornherein darauf verzichtet, Restriktionen für die Wanderung aus den osteuropäischen Ländern einzuführen. Aus diesem Grund konnten Bulgaren und Rumänen bereits seit 2007 nach Schweden wandern. Ganz ähnlich hielt es Finnland. Nicht ganz so weit gingen hingegen Großbritannien und Irland, die aber nur geringe Beschränkungen auferlegten, sodaß die Wanderung wenig behindert war. Seit 2004 konnten schon Menschen aus den früher beigetretenen osteuropäischen Ländern einwandern, wie etwa aus Polen und Ungarn.

Wenn man sich nun vor Augen hält, daß andere Länder in Europa ihre Grenzen verschlossen hielten oder nur eine Spalt weit aufmachten, sollte man erwarten, daß die genannten vier Länder ein umso dramatischerer Ansturm getroffen hätte mit den oftmals vermuteten negativen Folgen. Doch was passierte wirklich?

Joakim Ruist hat die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zusammengestellt:

So wurde etwa in einer Untersuchung von Christian Dustmann, Tommaso Frattini und Caroline Halls für Großbritannien gezeigt, daß dort Einwanderer aus Osteuropa je nach Annahmen zwischen 20% und 40% mehr in die Sozialsysteme einzahlten, als sie daraus bezogen.

Das könnte natürlich daran liegen, daß Sozialleistungen in Großbritannien eher knapper bemessen sind. Wie sah es also beispielsweise für Schweden aus mit seinem umfassenderen Sozialsystem?

Wie zu erwarten, lag der Nettobetrag nach Berechnungen von Joakim Ruist niedriger. Aber auch unter verschiedenen Annahmen war er positiv. Osteuropäische Einwanderer zahlten mehr ein, als sie bezogen, mindestens einen minimalen, aber positiven Beitrag, unter günstigeren Annahmen sogar einen Überschuß von 12% über die bezogenen Leistungen.

Oder anders gesagt: Unsere noch einmal vorsichtigere Abschätzung oben war immer noch zu hoch. Auf den Kopf der hiesigen Bevölkerung sind nicht einmal Kosten von maximal 2,31 Euro im Jahr zu erwarten, sondern die Ansässigen würden sogar von den Einwanderern noch subventioniert werden.

Ceterum censimus: Die GEZ sollte man aber trotzdem abschaffen.

Siehe auch: Was Bismarck und Seehofer von Bayern lernen könnten

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Arithmetik, Bulgarien, Deutschland, Freizügigkeit, Rumänien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar