How to be beautiful

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Berliner Gerichtszeitung, 21. Januar 1890

— „How to be beautiful“. Wie man schön sein kann, nennt sich das kleine Buch, das seit einigen Tagen alle diejenigen vornehmen englischen Damen studieren, die sich dem gefürchteten dritten Jahrzehnt und dem gefahrdrohenderen vierten nähern. Die Verfasserin dieses vielgelesenen Buches ist eine kokette Amerikanerin, Therese H. Dean. Der Unkundige wird durch das interessante Schriftchen in eine Menge weiblicher Geheimnisse eingeweiht. Man erfährt z. B. unter anderem, daß Frau Langtry, die berühmte englische Schauspielerin, jeden Morgen ein eiskaltes Bad nimmt und sich dann massieren läßt, ein Verfahren, dem sie die blendende Frische ihrer Haut verdankt, und daß Frau Frank Leslie das gleiche Ergebnis durch ein warmes Bad erzielt, dem sie zuvor einen Aufguß von Tannenzweifen beigemischt hat. Es scheint, daß eine gewisse Zahl reizender Damen nach historischen Voirbildern die Gesichtshaut durch tägliches mehrstündiges Auflegen roher Kalbfleischschnitte zu glätten versteht. Die Vorschriften, welche die Verfasserin giebt, und die Vorsichtsmaßregeln, welche sie empfiehlt, sind nicht immer leicht und erfordern eine gewisse Charakterstärke. Jeden Morgen, unmittelbar nach dem Aufstehen, wird ein längeres kaltes Bad angeordnet, unmittelbar vor dem Schlafengehen dieselbe Uebung und einmal wöchentlich ein türkisches Bad. Die Kalbfleischmaske ist zwei oder drei Stunden lang täglich zu tragen, um die bösen Runzeln zu verhindern. Dem Fleisch die Festigkeit zu bewahren, muß man während der gleichen Zeitdauer eine aus Eiweiß, Honig und Gerstenmehl bereitete Maske anlegen. Dem zauberischen Glanz der Augen Dauer zu verleihen, ist man angewiesen, sich dreimal täglich die Brauen und Wimpern mit Tau, dem etwas Whisky beigemischt ist, einzureiben, der Pflege der Nägel ist täglih mindestens eine halbe Stunde zu widmen. Vor dem Schlafengehen hat man die Hände mit Goldcream zu bestreichen und lederne Handschuhe anzuziehen. Will man der Schönheit nicht vorzeitig verlustig gehen, so sucht man unabänderlich gleich nach dem Bade und vor Mitternacht sein Bett auf, der Schlaf nach Mitternacht ist immer ein aufgeregter und der Regelmäßigkeit der Züge abträglich, auch darf man nicht früh aufstehen, das rötet die Augen und verdirbt dieselben. Durchschnittlich überlasse man sich zehn bis elf Stunden der Ruhe. Man vermeide jede Sorge, jeden aufregenden Unterhaltungsgegenstand. Man ärgere sich niemals. Vor allen Dingen Ruhe, unerschütterliche Ruhe! Thränen sind der Selbstmord des weiblichen Reizes, der Strom, in dem die Schönheit untergeht! Man lächle immer, um immer schön zu sein, man lächle, auch wenn man die unangenehmsten Dinge anzuhören hat. Auch einige Stunden für Velozipedfahren schreibt Frau Therese H. Dean ihren Schülerinnen vor, die nur in Verlegenheit geraten werden die ausreichende Zeit zu finden; denn der Tag, an dem eine Frau ihre zwei Bäder nehmen, ihren pflichtgemäßigen Besuch beim Pfleger ihrer Hände machen, ihre Schnitte rohen Kalbfleisches in der verordneten Weise tragen, ihre Tau- und Wisky-Abwaschungen, ihre Bicyclefahrt und ihre elfstündige Ruhe erledigen können wird, müßte zum mindesten 33 Stunden zählen.

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